Pläne

Es läuft nicht gut für DAS MÄDCHEN an der allgemeinen Schule.
Die Sonderpädagogin kommt vier Stunden, setzt sich mit dem Mädchen in einen extra Raum und übt „Lebenspraktisches“.
Die restlichen Stunden sitzt das Mädchen im Unterricht dabei. Aber von dem, was dort besprochen und geübt wird, versteht es nur wenig. Manchmal geht die Schulbegleiterin mit ihm raus auf den Schulhof und sie spielen etwas.
Deshalb gibt es nun eine Besprechung.
Die Mutter dringt auf mehr Absprachen zwischen den Lehrerinnen.
„Wieso sollten wir uns absprechen?“, fragt die Grundschullehrerin. „Ich kenne den Bildungsplan der Sonderschule doch gar nicht und kann ihn deshalb auch nicht umsetzen. Ich habe das nicht gelernt.“
Die Sonderpädagogin nickt:
„Und ich kenne den Grundschul-Lehrplan nicht. Als ich hierher abgeordnet worden bin, hat mir meine Rektorin extra mit auf den Weg gegeben, es gelte nur der Sonderschullehrplan für Ihre Tochter. Ich sehe da auch gar keinen Bedarf für gemeinsame Absprachen!“
Die Mutter ist sprachlos.
„Ich verstehe auch nicht, warum Sie sich jetzt beschweren: SIE haben doch die inklusive Beschulung gewählt“, sagt die Sonderpädagogin spitz.
„Nein“, sagt die Mutter, „DAS habe ich nicht gewählt!“

Die Geschichte vorgelesen …

12 Kommentare

  1. Juliane sagt:

    Warum sollten sie sich absprechen? Ja, genau deswegen, weil sie gegenseitig die Lehrpläne nicht kennen. Es besteht auch die Pflicht zur Fortbildung bei Lehrkräften…, mögliche Themen sind ja klar, oder?

  2. anonym 55 sagt:

    Warum werden den Sonderschullehrern immer sprachliche Entgleisungen zugeschrieben? Entweder werden sie laut oder reden spitz. Diese böswilligen Unterstellungen machen die ganze, ansonsten gute Geschichte unglaubwürdig!

    • B.ach. sagt:

      Im Text über diesen Blog kann man lesen, dass “alle Geschichten wahr sind”. Meine Erfahrungen decken sich nicht selten mit den Erfahrungen der Blogschreiberinnen und ich finde sie durchaus glaubwürdig.
      Anonym 55 schreibt, die Autor:innen der Geschichten “unterstellen den Sonderschullehrern immer (!) böswillige (!) sprachliche Entgleisungen. Dies mache die Geschichten unglaubwürdig (!).
      Ich kenne nicht wenige auch kommunikativ kompetente Sonerschullehrer:innen.
      Die Aussage von Anonym 55 ist eine ungeprüfte Unterstellung und eine unnötige Abwertung der sprachkräftigen Geschichten.
      Lesen Sie ‘Biedermann und der Brandstifter” von Max Frisch und fragen Sie sich, ob diese Geschichte unglaubwürig ist …

      • Anonymous sagt:

        Aber Ihnen ist schon aufgefallen, dass Sonderschullehrerinnen in diesen Geschichten in einem schlechten Licht erscheinen?
        Wo kommen die von Ihnen zitierten kommunikativ kompetenten Sonderschullehrerinnen in diesen Geschichten hier vor?
        Vielleicht können Sie mir nicht wenige positive Beispiele in diesen Geschichten nennen, die ein Gleichgewicht in die Darstellung bringen, so dass das reale Leben gespiegelt wird. Vielleicht habe ich diese Beispiele einfach überlesen.

        • anonym 55 sagt:

          Danke!

        • kirsten1 sagt:

          Ein Wort zu unserem Selbstverständnis, das wir in der Rubrik “Über diesen Blog” deutlich machen:
          “Beide haben Kinder mit Behinderung und sind in Elterninitiativen für Inklusion in Baden-Württemberg aktiv. So erleben und hören sie eine Menge Inklusives und weniger Inklusives. Darüber schreiben sie jetzt jede Woche.” Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe, “Gleichgewicht in die Darstellung bringen”. Sollten wir uns dafür Geschichten ausdenken? Es ist aber jedem unbenommen, uns schöne positive Geschichten, in denen nette, empatische und kommunikativ vorbildliche Menschen vorkommen, zu schicken. Immer wieder veröffentlichen wir hier auch “LeserInnen-Geschichten”, die wir aber nicht extra kennzeichnen. Die Kirstens

    • Anonymous sagt:

      Das habe ich hier auch schon öfters angesprochen….

  3. Anna sagt:

    Ich habe selber keine Behinderung, und hatte in menem Leben mit behinderten Menschen eher begrenzt was tu tun. Ich wusste dass diese diskriminiert werden, aber seitdem ich diesen Blog entdeckt habe bin ich echt ins staunen gekommen. Wie kann es sein, dass so viele Rechte die für nicht-behinderte als selbstverständlich gelten, für behinderte Menschen so selbstverständlich getreten werden?

    Danke für euren Blog, es dient auf jeden Fall gut zur Aufklärung über wie es gesellschaftlich wirklich läuft.

  4. Claudia sagt:

    Sehr traurig! Beide könnten so viel voneinander lernen! Bei uns wurden die Stunden vom mobilen Dienst ausschließlich für sowas verwendet.
    Auch traurig, dass die Grundschullehrerin sich nicht zutraut das Kind richtig zu unterrichten. Wie heißt es immer so schön: wir Eltern haben auch nicht Sonderpädagogik studiert, trotzdem lernen die meisten Kinder meiner Erfahrung nach in erster Linie beiden Eltern Lesen, Schreiben und Rechnen.
    Und ja, die Ausbildung ( beider Berufe) lässt auch noch einige Wünsche offen, wobei ich schon das Gefühl habe, dass es sich in den letzen Jahren etwas verbessert hat ( Junge Lehrer gehen mit dem Thema Unterricht differenzieren inzwischen ganz anders um).

  5. Graugrüngelb sagt:

    Es ist zum Heulen.

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