Auch schön

DER JUNGE MANN lebt in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung.
Früher ist er gerne zum Schwimmen gegangen.
Das möchte er jetzt auch wieder, jetzt, wo es endlich wieder möglich ist.
Doch das Heim hat niemanden, der ihn begleiten kann.
„Sie müssen verstehen: Unsere Personalsituation ist jetzt nach der Pandemie noch schwieriger als vorher“, sagt die Leiterin.
Doch der junge Mann möchte es weiterhin so gerne.
Die Mutter spricht noch einmal vor.
„Wir haben doch hier im Haus so viele Angebote“, versucht die Leiterin zu überzeugen, „Spielenachmittag, Quiz-Runden und sogar Tischkicker-Turniere. Das ist doch auch schön, oder?“
„Ich will aber schwimmen“, sagt der junge Mann.
Heute findet man keine Lösung.
Als die Mutter und der junge Mann das Büro verlassen, hören sie im Rausgehen noch, wie die Leiterin leise sagt: „Meine Güte! Immer diese Ansprüche…“

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Der Schulweg

DAS MÄDCHEN wird eingeschult. Die Eltern wollten, dass es in die örtliche Grundschule geht.
Aber das Schulamt ließ das nicht zu. „Lernbehindert“ sei das Mädchen, deshalb müsse es mit einer Gruppe ähnlich behinderter Kinder in eine inklusive Schwerpunktschule gehen.
Die Schule ist am Ende der Stadt. Die Eltern wehren sich lange. Doch die Alternative wäre nur die Sonderschule. Also willigen sie ein.
Nun sitzen sie am Runden Tisch mit dem Schulamt und den zuständigen Mitarbeitern verschiedener Behörden, um die Inklusion zu planen.
„Wir haben ja schon einiges besprochen“, sagt der Vater, „aber immer noch nicht, wie der Schulweg organisiert werden soll. Es gibt zwar öffentliche Verkehrsmittel, aber zweimal mit dem Bus umsteigen und dann so lange unterwegs zu sein – das schafft unsere Tochter nicht und wird das vielleicht nie schaffen!“
Die Mitarbeiterin des Schulamtes schaut die Eltern überrascht an: „Wir sind selbstverständlich davon ausgegangen, dass Sie Ihre Tochter morgens zur Schule bringen und mittags wieder abholen!“
„Dazu müsste ich meine Arbeit aufgeben, das ist Ihnen schon klar, oder?“ Die Mutter ist entsetzt: „Wir brauchen irgendeine Beförderung!“
Da schaut der Vertreter des Sozialamts die Eltern an und seufzt: „Also wieder mal das übliche Versorgungs-Denken: Sie als Eltern wollen unbedingt eine inklusive Beschulung. Und die Allgemeinheit soll dafür zahlen!“

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Training

DER JUNGE lernt seit Monaten zu Hause.
Er ist Autist und hat noch weitere gesundheitliche Probleme.
Gemeinsam mit dem Arzt haben die Eltern besprochen, dass Home schooling jetzt für ihn sicherer ist.
Doch irgendwann wird er wieder in Schule zurück kehren.
Darüber beraten die Eltern gemeinsam mit dem Rektor und der Sonderpädagogin.
„Ich habe schon einen genauen Plan erstellt“, sagt die Sonderpädagogin, „was der Junge unbedingt lernen muss, wenn er wieder hier ist. Als erstes werde ich ein umfangreiches Masken-Trage-Training mit ihm machen.“
Die Eltern schauen sich an.
„Aber er hat ein Masken-Befreiungs-Attest vom Arzt“, sagt die Mutter, „er kann keine Maske tragen.“
„Das muss er aber lernen, so wie vieles andere auch!“ Die Sonderpädagogin wird etwas lauter.
Da schaltet sich der Rektor ein: „Das klären wir dann hier noch einmal intern. Ich glaube, es ist besser, wird sprechen erst einmal über die Fächer…“

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Warum eigentlich

Der Vater DES JUNGEN kommt zur Arbeit.
Beim Umkleiden spricht ihn ein Kollege an: „Hast du schon gehört? Die wollen uns hier auch bald impfen! Ich weiß echt noch nicht, ob ich das machen soll.“
„Das ist doch prima, dass jetzt auch endlich in den Betrieben geimpft wird“, sagt der Vater, „ich bin ja schon geimpft, aber ich an deiner Stelle würde zuschlagen: So schnell und einfach kommst du wahrscheinlich sonst nirgends an eine Impfung.“
„Hmmh…“, der Kollege überlegt. „Das stimmt. Aber warum bist du eigentlich schon geimpft?“
Und bevor der Vater antworten kann, gibt der Kollege selbst die Antwort: „Ach ja klar, wegen deinem Buben! Da hast du schon immer wieder ein paar richtige Vorteile, gell?“

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