Tagesmutter

DAS MÄDCHEN ist noch klein.
Aber dass es niemals laufen wird, steht schon fest.
Ihre Eltern möchten, dass es so normal wie möglich aufwächst.
Deshalb haben sie eine Tagesmutter gefunden.
Sie ist bereit, das Mädchen aufzunehmen.
Beim Amt ist stundenweise eine zusätzliche Unterstützungskraft beantragt.
Immer wieder geht es hin und her.
Es gibt Nachfragen des Amtes.
Es gibt Nachfragen der Eltern.
Nach vielen Monaten ist positive Bescheid angekündigt.
Als die Mutter wieder einmal wegen eines Details mit dem Sachbearbeiter telefoniert, sagt dieser:
„Das war ja wirklich ein Riesenaufwand! Ich verstehe überhaupt nicht, warum Sie Ihre Tochter nicht im Sonderkindergarten angemeldet haben. Die nehmen dort auch schon die ganz Kleinen. Und das wäre doch wirklich für alle am einfachsten!“

Ein kleines Nixklusionsmännchen im Rollstuhl, ein großes, das sein Hand hält.

Die Geschichte vorgelesen …

Sommer-Liebling 6: Fieber

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten3. Kirsten 3 ist unser Blog-Administrator und technischer Berater, der eigentlich nicht Kirsten heißt, vor allem, weil er ein Mann ist.


Englisch-Unterricht. Alle Kinder bereiten sich auf eine kleine Präsentation vor.
Auch DER JUNGE. Er bastelt ein Plakat, schreibt, was er kann und lernt gemeinsam mit seinem Schulbegleiter den Text von den Karteikarten.
Zu Hause sagt er zu seiner Mutter: „Ich habe Englisch-Fieber!“
Es dauert eine ganze Weile, bis klar wird, was er genau hat: Er hat Lampenfieber.
Auch seine Lehrerin spürt das.
Sie stellt eine kleine Gruppe aus sechs Schülern zusammen, die der Junge besonders mag.
Vor ihnen hat der Junge gestern seine Präsentation geübt.
Heute war er dann vor der ganzen Klasse dran.
„Ich hatte Angst“, sagt er zu Hause. Und er sagt auch: „Ich hatte viel Mut!“
Vom Schulbegleiter erfährt die Mutter, dass der Junge seine Präsentation fast ganz alleine gehalten hat.
„Und alle haben geklatscht“, erzählt der Junge. „Zweimal. Am Anfang und am Ende!“

Die Geschichte vorgelesen …

Sommer-Liebling 5: Goldene Wasserhähne

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten2.

DER JUNGE will Skifahren lernen.
Die Eltern sind skeptisch und versuchen, es ihm auszureden.
Sie haben Angst, dass keine Skischule bereit ist, ihn zu unterrichten.
Dann ist Jubiläumsfest des Sportvereins im Stadtteil.
Die Skiabteilung verkauft Softeis und zeigt Videos von ihren Skikursen.
Die Eltern geben sich einen Ruck und fragen, ob sie den Jungen zum Anfängerkurs anmelden können.
Sie bieten an, gleich zwei oder drei Plätze zu buchen.
Der Skischulleiter schaut sie verwundert an: „Aber dann müssten Sie ja auch den doppelten oder dreifachen Preis bezahlen…“
Die Eltern nicken und erklären: Das wäre, um den Mehraufwand auszugleichen. Der Junge braucht bestimmt eine intensive Anleitung und viele Wiederholungen.
Da lacht der Skischulleiter: „Das brauchen viele! Wenn wir von allen Anfängern mit wenig Talent mehr Geld verlangen würden, könnten wir uns die Wasserhähne vergolden lassen!“
Dann wird er kurz ernst: „Ich glaube Ihnen schon, dass es mehr Arbeit macht, Ihrem Sohn etwas Neues beizubringen. Aber wenn Sie das als Familie schaffen, dann können wir das doch auch probieren!“
Und so einigt man sich, es mit dem Jungen einfach einmal zu versuchen.
Inzwischen saust der übrigens mit Bravour alle Hänge hinunter und will im Winter immer nur eins: In die Berge fahren!

Die Geschichte vorgelesen …

Sommerliebling 4: Die Lehrerin

Dies ist eine der beiden der Lieblingsgeschichten von Kirsten1.


Der Lehrerin geht es heute gar nicht gut.
Schon morgens hatte sie Migräne und ihr war leicht schwindelig.
Trotzdem ist sie in die Schule gekommen.
Leider hat die Klasse keine Rücksicht auf ihren Zustand genommen.
Wieder einmal ging es drunter und drüber.
Irgendwann hatte sie keine Kraft mehr und musste mal kurz rausgehen.
Sie setzt sich auf die Fensterbank im Flur, hält sich den Kopf und atmet tief durch.
DER JUNGE ist mit seiner Klasse, der Parallelklasse, im Gebäude unterwegs.
Sie müssen in einen Fachraum wechseln.
Die Lehrerin kennt er nur vom Sehen.
Als er jetzt an ihr vorbei kommt, bleibt er stehen.
Er schaut ihr tief in die Augen, nickt einmal kurz und sagt dann feierlich:
„Du bist sehr schön!“
Dann geht er weiter.
Hinter seinen Klassenkameraden her in den Fachraum.

Die Geschichte vorgelesen …