Er muss

Die Mutter und DER JUNGE sitzen beim Gespräch in der Schule.
Die Lehrer sind unzufrieden.
Er muss aufmerksamer sein, sagt die Klassenlehrerin.
Er muss sich mehr Mühe geben.
Und er muss lernen, deutlicher zu schreiben.
Und er muss nicht immer gleich beleidigt sein, wenn man ihn kritisiert.
Und der Mathelehrer lässt ausrichten: Er muss mehr üben zu Hause.
Die Mutter und der Junge hören keinen einzigen positiven Satz.
Als die beiden nach Hause gehen, weint die Mutter.
„Weine nicht, Mama“, sagt der Junge, „ich werde das alles versuchen. Für dich. Damit du nicht traurig bist.“
Da dreht sich die Mutter um und weint noch mehr.
Denn sie weiß, dass der Junge all das will, aber nicht kann.

Zwei Nixklusionsmännchen, eins weint. Das andere fasst ihn auf die Schulter.

Die Geschichte vorgelesen …

Fußball

NIxklusionsmännchen, Kopf mit Zirkel, Hütchen und Ball (EM-Ball, Collage)

2016

Er ist in der Fußball-AG angemeldet.
Er spielt schon lange im Dorfverein.
Nun also auch in der Schule.
„Schwierig…“, findet der Sportlehrer und fordert eine Begleitperson.
Also stehen jetzt 7 Kinder, der Sportlehrer und die FSJler in der Halle.
Die Mutter sitzt auf der Tribüne und schaut zu.
Der Sportlehrer erklärt die Übung.
Dann wendet er sich an die FSJlerin: „Und Du kickst mit dem Jungen den Ball hin und her.“
„Ach herrje“, denkt die Mutter.
Der Junge hampelt nur rum.
Drei Nachmittage lang geht das so.
Der Junge hampelt immer mehr rum.
Beim vierten Mal stellt der Sportlehrer rot-weiße Hütchen in der Halle auf.
Der Junge läuft begeistert hinter ihm her und sammelt sie alle wieder ein.
Der Sportlehrer ruft der FSJlerin zu: „Er soll damit aufhören!“
Dann verteilt er die Hütchen neu.
Der Junge sammelt sie alle wieder ein.
Der Sportlehrer brüllt die FSJlerin an: „Aufhören, endlich aufhören!“
Jetzt geht die Mutter in die Halle.
„Lass die Hütchen stehen“, sagt sie zum Jungen. Und die Hütchen bleiben stehen.
Der Sportlehrer ist empört. „Sie untergraben meine Autorität“, sagt er zur Mutter.
„Da gibt es nichts, was untergraben werden könnte“, sagt die Mutter und setzt sich wieder auf die Tribüne.

 
Nixklusionsmännchen, Kopf mit Zirkel gezeichnet, mit Hütchen und Ball (EM-Ball, Collage).

Die Geschichte vorgelesen …

Anerkennung

Zwei Nixklusionsmännchen mit Wachsmalkreise gemalt, sie halten sich an der Hand, das Bild ist getrennt (zerrissen), so dass sie getrennt sind.

„Überlegen Sie es sich doch bitte noch mal!“ Die Mutter DES JUNGEN versucht alles, um die Schulbegleiterin zum Bleiben zu überreden.
Denn die war ein Glücksfall. Endlich einmal hatte alles gepasst. Für den Jungen. Aber für die Schulbegleiterin nicht.
„Wenn ich bleibe, heißt das: Noch ein Jahr Mindestlohn“, sagt diese. „Keine unbefristete Stelle. Wenn ich krank bin, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es nie Vertretung gibt und Ihr Sohn dann oft zu Hause bleiben muss.“
„Mein Sohn mag Sie so sehr“, versucht es die Mutter noch einmal, „und die Lehrerinnen waren auch immer so zufrieden.“
„Danke für das Lob“, sagt die Schulbegleiterin. Sie wird eine feste Stelle in der Ganztagsbetreuung antreten. „Dort werde ich nach Tarif bezahlt, habe Fortbildungen und Supervision, vielleicht werde ich Teamleiterin oder kann noch ein Aufbaustudium machen.“
„Aber Sie bekommen doch in der Schule jetzt so viel Anerkennung“, gibt die Mutter zu bedenken.
„Ja, Anerkennung schon“, sagt die Schulbegleiterin, „aber in der neuen Stelle wird diese Anerkennung auch bei der Bezahlung und in den Rahmenbedingungen sichtbar.“

Zwei Nixklusionsmännchen mit Wachskreide gemalt. Sie halten sich an der Hand, aber da ist das Bild zerrissen und sie sind getrennt.

Die Geschichte vorgelesen …

Sprünge

Collage: Schwimmbad mit 3-Meter-Turm und Nixklusionsmännchen, das springt. Ein anderes sitzt auf der Bank neben dem Becken.

2017

DER JUNGE ist mit seiner großen Schwester im Schwimmbad.
Er kann sehr gut schwimmen, tauchen und springen.
Deshalb sitzt seine Schwester entspannt am Rand des Beckens.
Der Junge springt abwechselnd mit einem Mädchen vom Startblock.
Köpfer und möglichst viel spritzen – sie feuern sich gegenseitig an.
Dann öffnet das Drei-Meter-Brett. Der Junge stellt sich sofort an.
Das Mädchen traut sich nicht recht und geht zurück zu seiner Mutter, die in der Nähe sitzt.
„Kennst du den behinderten Jungen eigentlich?“, fragt die Mutter.
Die Tochter schaut sie mit großen Augen an: „Da war kein behinderter Junge!“
„Doch“, sagt die Mutter, „der mit dem besonderen Gesicht, der so komisch gesprochen hat.“
Das Mädchen guckt immer ratloser.
Die Mutter ist jetzt leicht genervt: „Nun bist du die ganze Zeit mit dem behinderten Jungen ins Wasser gesprungen! Nun sag mir doch einfach, ob du den schon vorher kanntest!“
„Ach, den meinst du“, antwortet das Mädchen, „dann sag doch gleich: Der Junge, der jetzt vom Dreier springt!“

Collage: Schwimmbad mit 3-Meter-Turm und Nixklusionsmännchen, das springt. Ein anderes sitzt auf der Bank neben dem Becken.

Die Geschichte vorgelesen …