Ein Fehler

Der Weg an die allgemeine Schule war für DAS MÄDCHEN nicht leicht.
Vor allem die Lehrer, allen voran der Direktor, waren sehr skeptisch.
Doch die Eltern ließen nicht locker, und auch das Schulamt blieb klar.
Einige Jahre ist das Mädchen nun schon dort. Es läuft gut.
Die Eltern versuchen, alles richtig zu machen: Natürlich gehen sie zu jedem Elternabend oder Sprechtag, erfüllen alle Wünsche der Schule nach Begleitung oder zusätzlichem Material.
Wenn sie sich einmal ärgern, dann nur leise.
Immer versuchen sie, kooperativ zu sein.
Nun hatte die Mutter den Direktor um einen Termin gebeten, um einiges für das nächste Schuljahr zu besprechen. Es war hin und her gegangen, bis endlich ein Tag vereinbart war. Doch ausgerechnet an diesem Tag hatte die Mutter den Termin total vergessen.
Am Nachmittag klingelt das Telefon, und der Direktor beschwert sich laut und lange.
„Es tut mir leid“, sagt die Mutter, „das kommt nicht wieder vor!“
Als sie auflegt, ist sie den Tränen nahe.
„Ich habe es immer gewusst“, sagt sie zu ihrem Mann, „wir können uns hier keinen Fehler erlauben. Keinen einzigen!“

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Intuitiv

Jedes Jahr eine neue Sonderpädagogin und jedes Jahr andere Lernmethoden.
Die Eltern DES MÄDCHENS sind genervt.
Dieses Jahr erkennen sie überhaupt kein Muster. Manchmal sind die Aufgaben viel zu schwer und manchmal soll das Mädchen Dinge machen, die es bereits in der Grundschule konnte.
Heute beim Abholen sieht der Vater die Sonderpädagogin und nutzt die Gelegenheit, sie um einen Termin um den Förderplan zu bitten.
“Förderplan – ach lustig, den will meine Chefin auch immer von mir haben! Ich schreib dann einfach irgendwas auf. ” Die Sonderpädagogin lacht wie immer gut gelaunt.
Dann fährt sie fort: “Wir können uns natürlich gerne wegen eines Förderplans treffen. Aber ehrlich gesagt: Ich bin so mehr der intuitive Typ. Und bei Ihrer Tochter kommt es ja wie bei allen diesen Kindern auch mehr darauf an, dass sie Spaß hat und lernt, überhaupt mitzumachen.“

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Berufsorientierung

Am Ende seiner Schulzeit steht immer mehr Berufsorientierung auf dem Stundenplan DES JUNGEN.
Auch heute.
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich einen Beruf aussuchen und dazu zu Hause am Computer recherchieren.
Der Junge soll das nicht.
Er bekommt ein Blatt, auf dem fünf Menschen abgebildet sind. Sie machen unterschiedliche Dinge.
Er soll den Bildern bestimmte Aussagen und Berufe zuordnen:
Tischler, Beikoch, Fachpraktiker KFZ, Altenpflege-Helferin und Gärtner.
Zu Hause schaut sich der Junge missmutig das Blatt an: „Will ich nicht machen, will ich nicht machen…“ Jedes der Bilder kommentiert er so.
Schließlich zerknüllt er das Blatt und sagt: „Arbeiten ist scheiße!“
„Na, toll!“ Die Mutter seufzt. „Immer wieder habe ich versucht, ihn auf den Übergang zum Beruf vorzubereiten, ihm Lust aufs Arbeiten zu machen und jetzt das!“

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Lieder

Die Schülerinnen und Schüler sind aufgeregt:
Heute wollen sie in Englisch kleine Filme sehen, in denen lustige Figuren englische Weihnachtslieder singen.
Und die tanzen auch dazu, hat die Lehrerin versprochen.
DER JUNGE ist nicht aufgeregt. Und er freut sich auch nicht.
Denn er ist im Englisch-Unterricht nicht dabei.
„Der muss erst einmal ordentlich Deutsch lernen“, hat die Sonderpädagogin das begründet.
Gemeinsam mit einem anderen Schüler mit Behinderung ist er im Differenzierungsraum.
Die beiden sollen Zahlen legen.
Der Junge hat keine Lust.
Der andere Junge macht Quatsch. Er schluckt Luft und zeigt es dem Jungen.
Die Sonderpädagogin schimpft.
Am Ende der Stunde ist sie richtig sauer.
Aber der Junge hat etwas gelernt: Wie man rülpst.

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