Kategorie: Geschichten


Weg!

DER JUNGE MANN ist auf der Rückfahrt von der Arbeit.
Viele im Bus tragen ihre Maske unter der Nase. Auch der junge Mann, der sich immer vieles von anderen abschaut.
Im Bus ist auch ein offensichtlich stark angetrunkener Mann.
Der pöbelt den jungen Mann an: „Ey, Maske hoch, Du Klatschi!“
Dann geht er ihn los und beginnt, ihn zu würgen.
Der Busfahrer bremst den Bus abrupt ab, ruft die Polizei und hält den Mann in Schach, bis zwei Polizisten zusteigen.
Als er die Polizisten sieht, fängt der Mann wieder an zu schimpfen:
„Ey, so einer wie der da gehört sowieso weggesperrt. Dann müsste der auch hier nicht seine Viren durch die Gegend husten!“
Die Polizisten bleiben ruhig.
Einer der beiden nimmt den jungen Mann in den Arm und sagt: „Ich hätte da eine andere Idee, wer hier weggesperrt gehört!“
Die Fahrgäste im Bus klatschen.
Der Betrunkene muss seinen Weg zu Fuß fortsetzen. Der junge Mann fährt im Polizeiwagen nach Hause.

Die Geschichte vorgelesen …

Immer wieder

DER JUNGE wird seit einigen Jahren inklusiv beschult.
Jedes halbe Jahr findet ein sogenanntes „Förderplangespräch“ statt:
Die Eltern treffen sich mit der Sonderpädagogin.
Diese erläutert dann die Förderung des Jungen.
Und immer wieder sagt sie: „Ich finde ja, Ihr Sohn wäre an der Sonderschule besser aufgehoben. Dort könnte er das lernen, was er zum Leben braucht. Wollen Sie sich die Klassen dort nicht einmal ansehen?“
Auch dieses Mal sagt sie das.
Und dieses Mal platzt dem Vater der Kragen: „Warum sagen Sie das immer und immer wieder? Wir haben uns für die Inklusion entschieden. Für uns geht es nicht um das „ob“, sondern um das „Wie“. Und das möchten wir mit Ihnen besprechen!“
Die Sonderpädagogin lächelt:
„So wie ich geduldig Ihrem Sohn die Sachen immer und immer wieder erkläre, erkläre ich auch Ihnen geduldig immer und immer wieder, warum ich ihn nicht für die Inklusion geeignet halte!“

Die Geschichte vorgelesen …

Ja, logisch!

DER JUNGE MANN hat seine Schulzeit hinter sich und arbeitet.
Die Mutter trifft einen seiner ehemaligen Klassenkameraden. Die beiden waren viele Jahre lang zusammen in einer inklusiven Klasse.
Sie erzählen von der Arbeit. Die Mutter berichtet, dass der Betrieb immer mal nachfragt, wenn etwas nicht klappt. Und dass sie das prima findet.
Zum Beispiel, dass der junge Mann nicht zwei Aufgaben gleichzeitig kann.
„Ja, logisch, geht bei ihm nicht. Immer eins nach dem anderen. Dann klappt‘s“, sagt der Klassenkamerad.
Oder dass er einen klar strukturierten, vorsortierten Arbeitsplatz braucht.
„Ja, logisch“, sagt der Klassenkamerad, „sonst kommt er durcheinander, und alles endet im Chaos.“
Die Mutter lacht:
„Ich freue mich schon darauf, wenn Du einmal irgendwo Chef bist! Du hast echt viel verstanden, oder?“
Nun lacht auch der Klassenkamerad: „Ja, logisch!“

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Oh wie schön

Die Mutter DES MÄDCHENS trifft eine Freundin.
„Du, sag mal, wo geht Deine Kleine jetzt eigentlich zur Schule?“, fragt diese.
„Na, bei uns im Dorf. In die Grundschule“, antwortet die Mutter.
„Wolltest du sie nicht in die Sonderschule geben?“, fragt die Freundin nach.
„Doch, eigentlich schon… “ Die Mutter erzählt:
„Als die Anmeldungen an der Grundschule bevorstanden, habe ich einen Termin mit der Direktorin gemacht. Eigentlich wollte ich ihr nur sagen, dass ich meine Tochter da nicht einschulen will. Aber dann hat sie mich gleich begrüßt mit ‚Oh, wie schön, dass Ihre Jüngste jetzt auch zu uns kommt! Ich hab schon alles rausgesucht, wie das mit der Inklusion geht. Wir müssen sicherlich viel lernen, aber ich bin sicher, das kriegen wir hin!‘ Und, weißt du, ich war so positiv überrascht und ein bisschen überrumpelt, dass ich das dann wirklich gemacht habe!“
„Ja, und kriegen sie es hin?“, fragt die Freundin.
Die Mutter lacht.
„Ja, sie kriegen es wirklich toll hin!“

Die Geschichte vorgelesen …

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