Kategorie: Geschichten


Schwarz

DER JUNGE trägt am liebsten schwarz: Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, schwarze Jacke.
Dunkelgrau geht auch. Hellgrau ist schon schwierig.
Seinen Lehrerinnen ist das seit langem ein Dorn im Auge.
Immer wieder geht es in den Förderplangesprächen um das Thema „Bekleidung“.
Ob die Mutter nichts gegen diese Eintönigkeit tun könne.
Die Mutter verweist auf die Jungs, die immer im Fußball-Shirt ihres Lieblingsvereins erscheinen.
Unhygienisch sei das, jeden Tag dieselben Klamotten.
Nicht dieselben, die gleichen, erklärt die Mutter. Dass sie einige Shirts zweimal hat, und anderes über Nacht wäscht.
Auch heute ist es wieder Thema.
„Aber wir bleiben dran“, erklärt die Sonderpädagogin, „ich habe sehr schöne Arbeitsblätter mit ganz bunten Anziehsachen vorbereitet. Und in Kunst machen wir jetzt eine Collage mit Ausrissen aus Modezeitschriften. Ich bin optimistisch: Wir kriegen das hin!“

Die Geschichte vorgelesen …

Der Aufzug

„Mama“, sagt DAS MÄDCHEN, „ich mag Bio überhaupt nicht.“
„Warum denn nicht?“ Die Mutter ist überrascht. „Das war doch immer eines deiner Lieblingsfächer.“
„Ich muss da immer mit meiner Freundin im Klassenraum bleiben und schriftliche Aufgaben lösen. Die anderen gehen in den Fachraum und machen total tolle Experimente. Aber dorthin gibt es keinen Aufzug.“
Die Mutter kann es kaum glauben. Als das Mädchen ans Gymnasium kam, konnte es noch ein bisschen laufen. Jetzt braucht es einen Rollstuhl. Deshalb hatten die Eltern extra eine barrierefreie Schule ausgesucht. Der Neubau, gerade eröffnet, hat natürlich einen Aufzug.
Es dauerte eine Weile, bis das Mädchen den auch nutzen konnte. „Schüler dürfen damit nicht fahren“, heiß es am Anfang, und dann: „Da muss immer erst ein Lehrer kommen und ihn aufschließen.“ Inzwischen war das geklärt. Und nun das! Die Mutter seufzt.
Sie ruft die Lehrerin an:
„Warum kann meine Tochter nicht mit in den Fachraum Biologie?“, fragt sie.
„Der ist leider im Altbau“, antwortet die Lehrerin.
„Aber da gibt es doch auch einen Aufzug! Das wurde uns zumindest so gesagt, als die barrierefreie Schule vorstellt wurde.“
„Ja und nein. Es gibt einen Aufzug im Altbau. Aber der wurde schon vor über zehn Jahren zum reinen Lastenaufzug zurückgebaut.“

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Die Geburtstagskarte

Der Vater möchte, dass DER JUNGE MANN eine Karte bastelt und schreibt.
Für die Mutter zum Geburtstag.
Immer wieder erinnert er ihn. Schließlich gibt er auf.
Doch auf dem Geburtstagstisch steht dann doch eine Karte für die Mutter.
Vom jungen Mann.
„Habe ich in der Arbeit gemacht“, erzählt er.
„Und alle haben mir geholfen beim Schreiben. Die aus meiner Abteilung. Und die aus der Nachbarabteilung auch.“
Die Mutter denkt:
„Eigentlich soll er dort ja arbeiten!“
Und:
„Na, super, jetzt weiß die ganze Firma, wie alt ich geworden bin!“
Aber dann lacht sie, nimmt den jungen Mann in den Arm und gibt ihm einen Kuss.

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Der Trainer

„Komm, wir gehen ein bisschen joggen! Das Wetter ist so schön“, schlägt die Mutter DES JUNGEN vor.
„Keine Lust“, mault der Junge.
Die Mutter überlegt: „Du kannst mein Trainer sein! Ich brauche dringend etwas Gymnastik. Ich bin alt und eingerostet.“
Der Junge lacht und zieht sich blitzschnell an.
Auf den Wegen durch die Felder absolvieren sie an jeder Ecke eine Übung, die der Junge vormacht.
Der Junge hat erstaunlich viele auf Lager.
Ein Spaziergänger bleibt stehen.
„Super! Bewegung hält fit!“, sagt er zum Jungen.
Als die beiden wieder zu Hause sind, ist die Mutter völlig fertig.
Und der Junge sehr zufrieden.

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