Kategorie: Geschichten


Sommerkurzgeschichte 2

DER JUNGE hat Quatsch gemacht.
Der Lehrer setzt ihn dafür in die Ecke auf einen Stuhl.
Niemand darf eine Stunde lang zu ihm gehen und mit ihm sprechen.
Auch seine Schulbegleiterin nicht.
Die atmet tief durch und sagt: „Das ist aber mein Job!“
Dann nimmt sie ihren Stuhl und setzt sich dicht neben den Jungen.

Die Geschichte vorgelesen …

Sommerkurzgeschichte 1

DER JUNGE ist neu an der allgemeinen Schule.
Gemeinsam mit seinem Schulbegleiter erkundet er das Schulhaus.
Sie treffen einen der Lehrer. Der hat viele Fragen an den Schulbegleiter,
bis dieser sagt: „Fragen Sie den Jungen doch selbst!“
Der Lehrer stutzt: „Wie, der kann sprechen?“

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Die Operation

Die Krabbelgruppe trifft sich. Auch die Mutter des KLEINEN JUNGEN ist dabei. Nicht immer kann sie kommen. Oft geht es ihrem herzkranken Sohn zu schlecht. Auch heute trägt er die ganze Zeit eine Sauerstoffbrille.
„Es wird Zeit, dass er endlich operiert wird“, seufzt sie, als sie sich auf den Spielteppich setzt.
Und als die anderen Mütter nachfragen, erklärt sie, wie kompliziert alles ist, dass die Chirurgen entscheiden, wann der Zeitpunkt für die große Operation günstig ist. Und dass sie für viele Voruntersuchungen mit dem Kleinen immer wieder ins weit entfernte Kinderherzzentrum fahren muss.
„Wie finanziert ihr eigentlich die ganze Behandlung?“, fragt eine der Mütter, „die muss doch wahnsinnig teuer sein!“
Die Mutter des Jungen stutzt: „Die zahlt natürlich die Krankenkasse! Zum Glück! Wir könnten das gar nicht bezahlen.“
Die andere Mutter ist etwas verlegen: „Ja, das klingt logisch. Ich dachte nur: Ihr habt euren Sohn mit Behinderung schließlich freiwillig bekommen. Ihr hättet ja auch die Möglichkeit gehabt, die Schwangerschaft abzubrechen. Also, da dachte ich: Vielleicht müsst ihr ja jetzt auch für die Kosten selber aufkommen.“

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Studieren

Die Elterngruppe hat eingeladen.
Viele haben ihre Kinder noch an der Grundschule oder gerade in der weiterführenden Schule.
Trotzdem finden Sie spannend, was der Behindertenbeauftragte der Universität zu sagen hat.
Auch die Mutter DES MÄDCHENS, das bald sein Abitur macht.
Der Behindertenbeauftragte kommt im Rollstuhl und erzählt von seinen Aufgaben: Von Informationskampagnen, Barrierefreiheit und vielen Einzelberatungen:
„Dabei fällt mir schon auf: Die jungen Leute werden immer anspruchsvoller und verlangen den Ausgleich aller behinderungsbedingten Nachteile“, sagt er.
„Ist das nicht der Sinn der Inklusionsbemühungen der Universität?“, fragt die Mutter irritiert nach.
„Nicht ganz“, erklärt der Behindertenbeauftragte, „es gibt einfach Grenzen, je nachdem, wie hoch der Aufwand ist. Es kann sich ja im Uni-Betrieb nicht alles nach den Behinderten richten!“
„Wie meinen Sie das?“, fragen jetzt auch andere Eltern nach.
„Nehmen Sie mich“, antwortet der Beauftragte, „es ist ja mein persönliches Pech, dass ich einen Rollstuhl brauche. Dafür kann die Uni nichts. Ich musste mich immer besonders anstrengen und besser sein als meine Kollegen. Bei uns geht es um Leistung. Und wer dafür zu behindert ist, der gehört nun mal nicht an eine Universität!“

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