Kategorie: Geschichten


Der Zaun

„Heute haben wir den Zaun bemalt“, erzählt DAS MÄDCHEN, als es aus der Schule nach Hause kommt.
Gemeint ist der Bauzaun des Schulneubaus.
„Das ist ja eine gute Idee!“, sagt die Mutter.
„Naja“, sagt das Mädchen, „geht so.“
Die Mutter hakt nach und erfährt nach und nach:
Es war die Idee der Kunstlehrerin, die Siebtklässler und Achtklässler gemeinsam unterrichtet. Im Kunstkunst sind auch zwei Mädchen mit Behinderung: Das Mädchen und ihre Freundin.
Die Lehrerin bespricht das Projekt mit den Schülern. Dann wird entschieden: Die Siebtklässler bemalen ein eigenes Zaunfeld. Die Achtklässler bemalen ein eigenes Zaunfeld. Und die beiden Mädchen mit Behinderung bemalen ein eigenes Zaunfeld, das die Lehrerin ihnen zuweist.
„Warum denn das?“, fragt die Mutter.
Das Mädchen zuckt mit den Achseln. „War so.“
Und nach einer Weile fügt es hinzu: „Die anderen fanden sowieso blöd, was wir malen wollten.“
„Und was wolltet ihr malen?“
„Peace-Zeichen und Schmetterlinge!“

Die Geschichte vorgelesen …

Tagesmutter

DAS MÄDCHEN ist noch klein.
Aber dass es niemals laufen wird, steht schon fest.
Ihre Eltern möchten, dass es so normal wie möglich aufwächst.
Deshalb haben sie eine Tagesmutter gefunden.
Sie ist bereit, das Mädchen aufzunehmen.
Beim Amt ist stundenweise eine zusätzliche Unterstützungskraft beantragt.
Immer wieder geht es hin und her.
Es gibt Nachfragen des Amtes.
Es gibt Nachfragen der Eltern.
Nach vielen Monaten ist positive Bescheid angekündigt.
Als die Mutter wieder einmal wegen eines Details mit dem Sachbearbeiter telefoniert, sagt dieser:
„Das war ja wirklich ein Riesenaufwand! Ich verstehe überhaupt nicht, warum Sie Ihre Tochter nicht im Sonderkindergarten angemeldet haben. Die nehmen dort auch schon die ganz Kleinen. Und das wäre doch wirklich für alle am einfachsten!“

Ein kleines Nixklusionsmännchen im Rollstuhl, ein großes, das sein Hand hält.

Die Geschichte vorgelesen …

Sommer-Liebling 6: Fieber

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten3. Kirsten 3 ist unser Blog-Administrator und technischer Berater, der eigentlich nicht Kirsten heißt, vor allem, weil er ein Mann ist.


Englisch-Unterricht. Alle Kinder bereiten sich auf eine kleine Präsentation vor.
Auch DER JUNGE. Er bastelt ein Plakat, schreibt, was er kann und lernt gemeinsam mit seinem Schulbegleiter den Text von den Karteikarten.
Zu Hause sagt er zu seiner Mutter: „Ich habe Englisch-Fieber!“
Es dauert eine ganze Weile, bis klar wird, was er genau hat: Er hat Lampenfieber.
Auch seine Lehrerin spürt das.
Sie stellt eine kleine Gruppe aus sechs Schülern zusammen, die der Junge besonders mag.
Vor ihnen hat der Junge gestern seine Präsentation geübt.
Heute war er dann vor der ganzen Klasse dran.
„Ich hatte Angst“, sagt er zu Hause. Und er sagt auch: „Ich hatte viel Mut!“
Vom Schulbegleiter erfährt die Mutter, dass der Junge seine Präsentation fast ganz alleine gehalten hat.
„Und alle haben geklatscht“, erzählt der Junge. „Zweimal. Am Anfang und am Ende!“

Die Geschichte vorgelesen …

Sommer-Liebling 5: Goldene Wasserhähne

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten2.

DER JUNGE will Skifahren lernen.
Die Eltern sind skeptisch und versuchen, es ihm auszureden.
Sie haben Angst, dass keine Skischule bereit ist, ihn zu unterrichten.
Dann ist Jubiläumsfest des Sportvereins im Stadtteil.
Die Skiabteilung verkauft Softeis und zeigt Videos von ihren Skikursen.
Die Eltern geben sich einen Ruck und fragen, ob sie den Jungen zum Anfängerkurs anmelden können.
Sie bieten an, gleich zwei oder drei Plätze zu buchen.
Der Skischulleiter schaut sie verwundert an: „Aber dann müssten Sie ja auch den doppelten oder dreifachen Preis bezahlen…“
Die Eltern nicken und erklären: Das wäre, um den Mehraufwand auszugleichen. Der Junge braucht bestimmt eine intensive Anleitung und viele Wiederholungen.
Da lacht der Skischulleiter: „Das brauchen viele! Wenn wir von allen Anfängern mit wenig Talent mehr Geld verlangen würden, könnten wir uns die Wasserhähne vergolden lassen!“
Dann wird er kurz ernst: „Ich glaube Ihnen schon, dass es mehr Arbeit macht, Ihrem Sohn etwas Neues beizubringen. Aber wenn Sie das als Familie schaffen, dann können wir das doch auch probieren!“
Und so einigt man sich, es mit dem Jungen einfach einmal zu versuchen.
Inzwischen saust der übrigens mit Bravour alle Hänge hinunter und will im Winter immer nur eins: In die Berge fahren!

Die Geschichte vorgelesen …

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