Sommer-Liebling 3: Die Leiter

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten3. Kirsten 3 ist unser Blog-Administrator und technischer Berater, der eigentlich nicht Kirsten heißt, vor allem, weil er ein Mann ist.

Erlebnistag der Klasse im Wald.
Gemeinsam mit einem Trainer geht es um Teambildung.
Die Kinder sollen eine freistehende Leiter besteigen.
Die Leiter wird von den Kindern selbst gut gesichert, ist aber ziemlich wackelig.
DAS MÄDCHEN mag steile Treppen, Leitern und ähnliches überhaupt nicht.
Trotzdem geht es nach vorne.
„Super“, freut sich der Trainer.
„Du schaffst das!“, ruft die Klassenlehrerin.
Die Mitschüler feuern das Mädchen an.
Es steigt die Leitersprossen hoch.
„Du entscheidest, wie weit“, sagt der Trainer.
„So weit“, sagt das Mädchen, lässt sogar mit einer Hand los und winkt den anderen zu.
Die klatschen noch lauter.
Als das Mädchen wieder unten ist, wird es von allen fröhlich abgeklatscht.
Die Lehrerin nimmt es in den Arm.
Als Erinnerung hat sogar jemand ein Foto gemacht:
Wie das Mädchen da steht,
ganz stolz,
auf der dritten Leitersprosse.

Die Geschichte vorgelesen …

Sommer-Liebling2: Prognosen

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten2.


Die Mutter bekommt ein kleines Video per WhatsApp geschickt.
Direkt von der Abschlussfahrt DES JUNGEN.
Zu sehen ist eine hohe Brücke über einem rauschenden Fluss.
Unter der Brücke hängen in gut zwanzig Meter Höhe an Seilen viele bunte Punkte, die sich bewegen.
Es sind, gut gesichert und mit Helm, die Kinder der Klasse. Ganz rechts der lila Punkt ist der Junge.
Adventure-Tour als Vorbereitung auf einen neuen Lebensabschnitt. Viel Action, viel Outdoor, Erlebnispädagogik.
Die Mutter denkt zurück:
An den Gynäkologen, der dem Jungen wegen seines Herzfehlers das Leben und Leiden ersparen wollte.
An die Nachbarn, die prophezeiten, ein behindertes Kind würde die Ehe zerstören und sei doch auch furchtbar für den älteren Bruder.
An die Kindergartenleiterin, die den lange zugesagten Platz über Nacht kündigte, weil der Junge mit drei Jahren noch nicht alleine laufen konnte.
An den Grundschullehrer, der sich für überfordert erklärte, den Jungen in die Fußball-AG aufzunehmen.
Dann lässt sie das Handy sinken.
Wer es da hoch schafft, der schafft es auch noch viel weiter. Da ist sie sich ganz sicher.
Und ist für ein paar Momente einfach nur glücklich und stolz.

Die Geschichte vorgelesen …

Sommer-Liebling1: Mamas Seele

Dies ist eine der beiden Lieblingsgeschichten von Kirsten1.

Die Mutter DES JUNGEN ist geschafft.
Heute war einfach alles zu viel.
Die sonderpädagogische Versorgung an der allgemeinen Schule, in die der Junge geht, ist im nächsten Schuljahr wieder mal völlig ungeklärt.
Dann hat sie heute lange mit einer anderen Mutter diskutiert, deren Kind mit Behinderung in einer Sondereinrichtung lebt. Begründung: Es soll nicht den Blicken der Menschen auf der Straße ausgesetzt sein.
Und dann ist abends, als die Mutter sich im Garten etwas entspannen wollte, eine Brombeere beim Pflücken direkt auf ihre helle Hose gefallen.
Nun sitzt sie frustriert am Küchentisch.
Der Junge kommt mit seinem Kinder-Arztkoffer. Er will helfen: Er guckt der Mutter in die Ohren, horcht sie ab und prüft mit dem Hammer die Reflexe.
Er findet nichts. „Wo bist du denn krank?“, fragt er die Mutter.
„Nicht am Körper, Schatz“, sagt die Mutter, „ein bisschen an der Seele.“
Da holt der Junge ein großes Pflaster aus der Küchenschublade, geht damit zur Mutter und klebt es ihr mitten auf den Bauch.
„Da sitzt Mama Seele?“, fragt der Vater lachend, als er in die Küche kommt, „bist du sicher?“
„Ja!“, sagt der Junge entschieden.
Am nächsten Morgen geht es der Mutter wieder deutlich besser.

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Olympia

Nach ihrer Gymnastik-Stunde sitzen die Frauen noch etwas zusammen, auch die Mutter DES MÄDCHENS.
Eine Frau meldet sich zu Wort: „Habt ihr das mitbekommen? Da startet eine ganz junge Läuferin aus unserer Gegend bei Olympia! So toll!“
„Und wie toll sie all die Jahre von ihren Eltern unterstützt wurde“, ergänzt eine andere, „jeden Tag haben die sie zum Training ins Leistungszentrum gefahren. Ich habe da neulich eine Reportage gesehen: So viel Zeit und Geld mussten sie aufwenden. Sogar den Trainer haben sie eine Zeitlang selbst bezahlt, dann die ganze Ausrüstung und so.“
Die Mutter des Mädchens zögert erst ein bisschen. Dann sagt sie: „Ich dachte, Du magst solche ‚Eiskunstlaufmüttter‘ nicht. Das hast Du doch mal über mich gesagt, weil ich meine Tochter jeden Tag zu ihrem Wunsch-Praktikum gefahren habe, private Fortbildungen finanziert und immer wieder auf vieles verzichtet habe.“
Die Angesprochene guckt irritiert.
„Aber“, sagt sie, „das ist doch etwas ganz anderes: Deine Tochter ist doch behindert!“

Die Geschichte vorgelesen …