Gesucht: Die Geschichte des Jahres

Wieder einmal gibt es in unserem Blog eine kleine Verlosung: Wir suchen die Geschichte des Jahres 2020! Welche ist eure Geschichte des Jahres und warum? Mitmachen bis 12.1. hier unter “Kontakt aufnehmen”, per Mail, bei twitter und instagram. Alle Einsendungen landen in der Lostrommel. Zu Gewinnen: Dieses Original unseres Illustrators – “Nixklusionsmännchen und Virus”, Acryl auf Leinwand.

Zuerst

DIE MUTTER des Mädchens macht den Garten winterfest.
Dabei hört sie das Gespräch zweier Nachbarinnen mit an.
Die erste sagt: „Na, das mit dem Impfstoff, das wird noch schrecklich!“
„Wie meinst Du das?“, fragt die andere.
„Diese ganzen Diskussionen darum, wer ihn zuerst bekommt. Ich mag mich gar nicht daran erinnern, wie das gerade bei der Grippeimpfung gelaufen ist!“
„Hast Du Deine beiden denn nicht impfen lassen?“, fragt die andere.
„Ich wollte es ja!“
Nun wird die erste Nachbarin laut: „Aber Du glaubst gar nicht, wie ich mit der Sprechstundenhilfe aneinander geraten bin. ‚Wir haben nicht genug Impfdosen‘, hat die gesagt, ‚gegen Grippe geimpft werden zuerst nur die kranken und behinderten Kinder.‘ ‚Na, das ist ja super!‘, habe ich geantwortet, ‚dann sind meine beiden Gymnasiasten weniger wert als die Behinderten??? Sie sind es doch, die Deutschland voranbringen!‘“

Die Geschichte vorgelesen …

Das Schöne

Die Mutter trifft eine Bekannte beim Einkaufen. Sie weiß, dass diese immer mal wieder Menschen mit Behinderung betreut hat. Einmal war sie mit DEM MÄDCHEN, das inzwischen eine junge Frau ist, auch auf einer Freizeit.
Die Mutter steht bei den Lebkuchen und den weihnachtlichen Süßigkeiten.
Da spricht die Bekannte sie an: „Na, decken Sie sich auch ein? Jetzt geht es wieder mit großen Schritten auf Weihnachten zu!“
„Ja“, sagt die Mutter, „wir freuen uns schon auf die Weihnachtstage. Auch wenn wir sie diesmal nur in unserer kleinen Familie verbringen.“
„Ach ja“, seufzt die Bekannte, „diese leuchtenden Kinderaugen…“
„Das ist schon ein bisschen her… “, lacht die Mutter.
„Na ja“, sagt die Bekannte, „das ist doch das Schöne bei den Behinderten: Dass man immer ein Kind zu Hause hat!”

Ein Tannenbaum mit Stern, ein kleines Männchen daneben.

Die Geschichte vorgelesen …

Entscheidungen

In der Selbsthilfegruppe, die die Mutter DES MÄDCHENS regelmäßig besucht, haben alle schon ältere Kinder mit Behinderung. Trotzdem ist es für die Mutter immer spannend, zuzuhören.
„Meine Tochter“, seufzt die eine, „hat sich in der Wohngruppe schon wieder in einem Mitbewohner verguckt. Da bin ich mit ihr natürlich gleich zum Arzt…“
„Und“, fragt eine andere, „was macht ihr jetzt?“
„Erst haben wir das mit diesem Hormonstäbchen im Oberarm probiert“, erzählt die andere Mutter, „das hat sie aber nicht gut vertragen. Jetzt nimmt sie die Pille. Aber da muss ich immer ganz genau aufpassen…“
„So ein Risiko will ich nicht eingehen“, sagt die andere Mutter bestimmt, „ich habe lange mit meiner Tochter gesprochen. Und nun ist sie einverstanden mit einer Sterilisation!“
Die Mutter des Mädchens ist geschockt: „Aber deine Tochter ist doch noch so jung! Ist das ihr Wunsch oder hast Du sie gedrängt?“
„Drängen… “, antwortet die andere Mutter, „das sagt sich so einfach. Eine Schwangerschaft – das macht für sie nun wirklich überhaupt keinen Sinn! Komm Du einmal erst an den Punkt, an dem wir jetzt sind. Und dann sehen wir ja mal, was Du dann machst!“
„Das weiß ich jetzt wirklich noch nicht“, antwortet die Mutter des Mädchens ehrlich. Und sie denkt: „…aber nicht so.“

Drei Nixklusionsmännchen. Eins freut sich, eins ist schwanger, eins hat ein kleines Kind neben sich stehen.

Die Geschichte vorgelesen …