Träum weiter

DIE MUTTER des Jungen hat in einer Online-Zeitung über die Träume ihres Sohnes mit Behinderung geschrieben. Und dass Martin Luther King mit seinem berühmten Satz „I have a dream!“ sein großes Vorbild ist.
Nun sammeln sich die Kommentare unter dem Artikel:
„Träume sind Schäume“, schreibt einer.
„I have a dream – hat ihm ja nicht viel genützt. Erschossen haben sie ihn“, schreibt ein weiterer Leser.
Und eine Leserin kommentiert:
„Einen Sinn für die Realität sollte man den Behinderten beibringen, und nicht, ihnen irgendwelche Flausen in den Kopf setzen!“
Die Mutter liest einer Bekannten die Kommentare vor. Auch sie hat ein Kind mit Behinderung. „Schrecklich, was da alles steht“, sagt diese.
Und dann fügt sie hinzu: „Wenn ich das so alles lese, bin ich ja richtig froh, dass mein Sohn keine Träume hat. Dazu ist er einfach zu behindert!“

Die Geschichte vorgelesen …

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Zuerst

DIE MUTTER des Mädchens macht den Garten winterfest.
Dabei hört sie das Gespräch zweier Nachbarinnen mit an.
Die erste sagt: „Na, das mit dem Impfstoff, das wird noch schrecklich!“
„Wie meinst Du das?“, fragt die andere.
„Diese ganzen Diskussionen darum, wer ihn zuerst bekommt. Ich mag mich gar nicht daran erinnern, wie das gerade bei der Grippeimpfung gelaufen ist!“
„Hast Du Deine beiden denn nicht impfen lassen?“, fragt die andere.
„Ich wollte es ja!“
Nun wird die erste Nachbarin laut: „Aber Du glaubst gar nicht, wie ich mit der Sprechstundenhilfe aneinander geraten bin. ‚Wir haben nicht genug Impfdosen‘, hat die gesagt, ‚gegen Grippe geimpft werden zuerst nur die kranken und behinderten Kinder.‘ ‚Na, das ist ja super!‘, habe ich geantwortet, ‚dann sind meine beiden Gymnasiasten weniger wert als die Behinderten??? Sie sind es doch, die Deutschland voranbringen!‘“

Die Geschichte vorgelesen …

Das Schöne

Die Mutter trifft eine Bekannte beim Einkaufen. Sie weiß, dass diese immer mal wieder Menschen mit Behinderung betreut hat. Einmal war sie mit DEM MÄDCHEN, das inzwischen eine junge Frau ist, auch auf einer Freizeit.
Die Mutter steht bei den Lebkuchen und den weihnachtlichen Süßigkeiten.
Da spricht die Bekannte sie an: „Na, decken Sie sich auch ein? Jetzt geht es wieder mit großen Schritten auf Weihnachten zu!“
„Ja“, sagt die Mutter, „wir freuen uns schon auf die Weihnachtstage. Auch wenn wir sie diesmal nur in unserer kleinen Familie verbringen.“
„Ach ja“, seufzt die Bekannte, „diese leuchtenden Kinderaugen…“
„Das ist schon ein bisschen her… “, lacht die Mutter.
„Na ja“, sagt die Bekannte, „das ist doch das Schöne bei den Behinderten: Dass man immer ein Kind zu Hause hat!”

Ein Tannenbaum mit Stern, ein kleines Männchen daneben.

Die Geschichte vorgelesen …