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Mitbewohner

Die Mutter DES JUNGEN MANNES trifft eine andere Mutter.
„Ich habe gehört, deine Tochter zieht dieses Jahr in eine WG“, sagt sie.
„Ja“, antwortet die andere, „endlich hat es geklappt! Das war ja gar nicht einfach.“
„Und mit wem zieht sie zusammen?“, fragt die Mutter.
Die andere Mutter zählt drei Namen der künftigen Mitbewohner auf.
„Die ersten kenne ich, mit denen macht deine Tochter ja auch viel, aber den letzten kenne ich gar nicht.“
„Nein, wir auch erst seit kurzem“, sagt die andere Mutter, „aber wir brauchten noch einen wirklich schwer behinderten Mitbewohner, der Anspruch auf viele Leistungen rund ums Wohnen hat. Sonst hätte das mit den Betreuungsstunden für die WG einfach nicht gereicht.“

Die Geschichte vorgelesen …

Chic

DER JUNGE MANN hat ein Vorstellungsgespräch.
Auf der Seite des Unternehmens sind der Chef, der Abteilungsleiter und eine Dame vom Personalwesen dabei.
Die Eltern begleiten den jungen Mann, der auf einmal sehr schüchtern ist.
Zum Glück hatte er viele Unterlagen und Fotos eingereicht.
Und eine gute Bewerbung.
Deshalb wird man sich schnell einig.
Auch wenn der junge Mann kaum einen Satz sagt.
Aufregt ist er, das merken alle.
Erst als das Gespräch zu Ende ist, entspannt er sich.
Auf dem Flur geht er auf die Dame aus der Personalabteilung zu.
Er verabschiedet sich von ihr und sagt: „Sie sind wirklich sehr chic!“
Der Chef und der Abteilungsleiter lächeln.
Denn es stimmt: Die Personalerin ist eine hübsche Frau.

Die Geschichte vorgelesen …

Engagiert

Die Mutter DES JUNGEN trifft eine Freundin. Die Kinder waren zusammen in einer inklusiven Grundschulklasse.
„Du“, sagt die Mutter, „ich habe gehört, Deine Tochter geht jetzt wieder an die Sonderschule.“
„Ja“, antwortet die andere Mutter, „es gab irgendwie keine andere Möglichkeit.“
„Nach so vielen Jahren Engagement für Inklusion…“, gibt die Mutter zu bedenken.
„…was sehr mühsam war“, ergänzt die andere Mutter. „Ich habe mich an der Sonderschule jetzt gleich in den Elternbeirat wählen lassen!“
„Und für Inklusion engagierst du dich gar nicht mehr?“, fragt die Mutter des Jungen.
„Nein“, sagt die andere Mutter, „alles gleichzeitig geht nicht!“

Die Geschichte vorgelesen …

Nichts

Die Mutter DER JUNGEN FRAU trifft eine Freundin.
„Und“, fragt diese, „hat das jetzt mit dem geförderten Job für deine Tochter geklappt?“
„Ach, das weiß ich noch nicht“, sagt die Mutter seufzend. „Das Unternehmen hat gleich gesagt: Sie nehmen unsere Tochter, aber nur für den Förderzeitraum von drei Jahren. Auf keinen Fall länger. Sie haben schon einen Mitarbeiter mit Behinderung. Und zwei sind zu viel. In drei Jahren steht sie dann wieder vor dem Nichts.“
„Na ja, immerhin drei Jahre…“, wirft die Freundin ein.
„Aber wie wird unsere Tochter das aufnehmen“, antwortet die Mutter, „wenn es dann zu Ende ist? Schon bei der vorigen Firma hat sie sich so schrecklich zu Herzen genommen, dass sie nicht weiterbeschäftigt wurde. Sie hat sich die Schuld gegeben. Dachte, sie hätte besser arbeiten müssen. Dabei hat das alleine an einer Umstrukturierung gelegen. Und daran, dass der Abteilungsleiter, der sie unbedingt halten wollte, gekündigt hat. Sie versteht diese Unterschiede einfach nicht.“
„Ja, das klingt wirklich nicht gut. Ich glaube, dann würde ich das jetzt auch nicht machen“, überlegt die Freundin.
„Nein, wir wollen das eigentlich auch nicht“, sagt die Mutter. „Aber dann steht sie schon jetzt vor dem Nichts!“

Die Geschichte vorgelesen …

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