Studientag

Als es um die Einschulung DES MÄDCHENS ging, haben die Eltern lange mit sich gerungen.
Dann schließlich haben sie sich für die Sonderschule entschieden.
Die Ganztagsschule, die umfassende Förderung und die kompetenten Sonderpädagogen hatten den Ausschlag gegeben.
Heute nun bringt die Tochter einen Zettel mit nach Hause.
Ein „Studientag“ wird darauf angekündigt. Die Mutter liest neugierig.
Dann schüttelt sie den Kopf. „Hör mal“, sagt sie zu ihrem Mann, „da steht: Bedauerlicherweise sind derzeit viele Lehrkräfte erkrankt, auf Fortbildung oder auf schulischen Veranstaltungen außer Haus. Wir verfügen nicht mehr über ausreichend Vertretungskräfte. Ihre Kinder werden also für Mittwoch mit Aufgaben versorgt und vom Unterricht in der Schule befreit.“
„Und das nennt sich ‚Studientag‘?“, fragt der Vater ungläubig.
„Ja“, antwortet die Mutter, „das steht oben groß drüber. Wer studiert denn an dem Tag mit unserer Tochter, wer beaufsichtigt sie, erklärt ihr die Aufgaben und kümmert sich?“
„Ich fürchte“, antwortet der Vater, „einer von uns. Der, der sich Urlaub nehmen kann!“

Die Geschichte vorgelesen …

Ein Kommentar

  1. Türkis sagt:

    Genauso schaut`s aus: MitarbeiterInnen werden krank, auch schwanger, und bilden sich beruflich fort. Alles legitim, die Schwangerschaft erfreulich, die Fortbildung wesentlich.
    Lösen kann man dieses Problem natürlich, das Zauberwort heißt “Überhangpersonal” und als solches gern auch in notwendiger Anzahl. Lange wollte das niemand bezahlen, inzwischen gäbe es wohl tatsächlich zu wenig Berwerbungen, selbst wenn man plötzlich wollte.
    Jetzt wird die Mutter oder der Vater des Mädchens zu Hause bleiben müssen. Arbeiten die Eltern auch als LehrerInnnen, in der (ambulanten) Kranken- oder Altenpflege, in Kinderheimen und -gärten, als ÄrztInnen oder anderen personenbezogenen Berufen, die kein Home office zulassen, dann tragen sie dasselbe Problem munter in ihre eigenen Kollegien weiter – denn auch dort wird es kaum Überhangpersonal geben.

    Man sollte das Problem also beim Namen nennen:
    “Notprogramm” statt “Studientag”

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