Leistungsträger

Mänchen in einem Haus, die kleine Bömmel tragen. Das größte, rote, Männchen trägt sehr viele Bömmel in beiden Händen.

Die Mutter DES JUNGEN trifft eine Bekannte.
Die Söhne kennen sich von klein auf.
Der Sohn der Bekannten ist in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
„Und wie läuft es bei euch?“, fragt die Mutter des Jungen.
„Och, ganz gut, mein Sohn ist jetzt im Arbeitsbereich der Werkstatt. Er fühlt sich dort wohl.“
„Aber wolltet ihr nicht, dass er nach dem Berufsbildungsbereich einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt bekommt?“
„Ja, eigentlich schon. Man hatte uns ja gesagt: Alles ist offen! Wenn er einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt will, dann suchen die ihm einen. Ich muss mich nicht kümmern. Dafür haben sie Fachleute, Jobcoaches und andere…“
„Ja“, sagt die Mutter des Jungen, „ich erinnere mich. Ich habe damals gedacht: Warum mache ich das eigentlich alles selbst – die Suche nach einem Job, die vielen Praktika, der Kampf um die Fördermöglichkeiten.“
„… aber das war nicht so. Das war alles Quatsch. Nur Gerede“, erzählt die andere Mutter weiter. „Gar nichts haben die gemacht. Am Ende des Berufsbildungsbereichs haben sie gesagt: Der Arbeitsbereich ist genau richtig für ihn. Da ist er jetzt einer der Leistungsträger!“

Die Geschichte vorgelesen …

5 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    Ich halte das Alles-ist-möglich-Gelaber auch für Augenwäscherei. Selbst an Außenarbeitsplätze schaffen es die Wenigsten. Man braucht doch nur mal nachfragen, wieviele Schüler nach dem Berufsbildungsbereich außerhalb der Werkstatt arbeiten oder wieviel an Außenarbeitsplätzen.( Teilweise werden diese Außenarbeitsplätze dann erst extra von den Eltern geschaffen und die Werkstatt gibt dann damit an).

  2. Renate sagt:

    Der Junge in der Werkstatt: “Er fühlt sich dort wohl.”
    Die Eltern wollen, “dass er nach dem Berufsbildungsbereich einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt bekommt.”
    Was meint Ihr: Wessen Wunsch sollte man da nun vorrangig erfüllen???

  3. Graugrüngelb sagt:

    Ich fühle das so sehr. Meine Tochter ist 17 und jede Praktikumssuche ein Graus, die Frage, was nach der Schule kommt, steht hier mit riesigen Fragezeichen im Raum. Ich glaube, dass eine WfbM für sie der falsche Platz wäre – zumindest auf Dauer. Derzeit ist sie aber leider auch nicht fit genug für den ersten Arbeitsmarkt. Laut Werkstatt sind nach dem Berufsbildungsbereich alle Wege offen … diese und viele ähnliche Geschichten lassen mich daran leider heftig zweifeln.

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