Ein Fehler

Der Weg an die allgemeine Schule war für DAS MÄDCHEN nicht leicht.
Vor allem die Lehrer, allen voran der Direktor, waren sehr skeptisch.
Doch die Eltern ließen nicht locker, und auch das Schulamt blieb klar.
Einige Jahre ist das Mädchen nun schon dort. Es läuft gut.
Die Eltern versuchen, alles richtig zu machen: Natürlich gehen sie zu jedem Elternabend oder Sprechtag, erfüllen alle Wünsche der Schule nach Begleitung oder zusätzlichem Material.
Wenn sie sich einmal ärgern, dann nur leise.
Immer versuchen sie, kooperativ zu sein.
Nun hatte die Mutter den Direktor um einen Termin gebeten, um einiges für das nächste Schuljahr zu besprechen. Es war hin und her gegangen, bis endlich ein Tag vereinbart war. Doch ausgerechnet an diesem Tag hatte die Mutter den Termin total vergessen.
Am Nachmittag klingelt das Telefon, und der Direktor beschwert sich laut und lange.
„Es tut mir leid“, sagt die Mutter, „das kommt nicht wieder vor!“
Als sie auflegt, ist sie den Tränen nahe.
„Ich habe es immer gewusst“, sagt sie zu ihrem Mann, „wir können uns hier keinen Fehler erlauben. Keinen einzigen!“

Die Geschichte vorgelesen …

8 Kommentare

  1. Paul sagt:

    Schulrecht ist Länderrecht. Leider gibt es bisher nur eine Schlichtungsstelle für Behinderte für Bundesrecht. Aber vielleicht sieht manch einer hier eine Notwendigkeit zur Umsetzung auf Länderebene, wenn ich so quer über alle Geschichten und Kommentare lese.
    Wäre ein struktureller Ansatz.

  2. Anonym 55 sagt:

    Diese Geschichte hat mit ˋNixklusion‘ wenig zu tun. Es gibt sie in jeder Schule – sog. Helikopter-Mütter! Mütter, die weder Vertrauen in ihre Kinder noch in die Fähigkeiten von Pädagogen haben. In Schulen sind sie gefürchtet, weil sie die ganze Verantwortung für ihr Kind übernehmen. Ich wünsche dem MÄDCHEN Mut und viele positive Begegnungen.

  3. Liin sagt:

    Das tut mir leid für die Familie.
    Ich kann das Gefühl verstehen. Unser Sohn hat keine Beeinträchtigung – trotzdem empfinde ich das Schulsystem als unerbittlich. Ich habe genau das gleiche Gefühl: Mach keine Fehler! Funktioniere!
    Wie muss sich das erst für die Schüler selbst anfühlen- vor allem für die, die es wegen einer Behinderung noch viel mehr Mühe kostet, den Schulalltag zu meistern.

  4. Anne sagt:

    Der Direktor war sauer, weil ein lange geplanter Gesprächstermin geplatzt ist. Was hat das mit Nixklusion zu tun? Ein Direktor wäre immer verärgert in dieser Situation, egal um welches Kind es geht. Jeder kann einen Termin vergessen, keine Frage. Aber wie wäre wohl die Story hier aufgezogen worden, wenn der Direktor das geplante Treffen vergessen hätte?

    • Lisa sagt:

      Wenn man genau liest geht die Story, das Empfinden und Kooperieren über mehrere Jahre.
      Die schwarze Gesprächsblase des KÜNSTLER finde ich treffend und nachdenkenswert.
      Menschliche Fehler passieren aller Orten und auf allen Ebenen.

    • Juliane sagt:

      Der Ton macht die Musik… den Tränen nahe … es lastet offenbar ein deutlich höherer Druck auf den Eltern. Mit welchem Recht geht der Direktor die Eltern so an. Würde er das mit allen Eltern so machen? Wir wissen es nicht. Ist auch unerheblich. So redet man nicht mit Eltern auf Augenhöhe! Egal ob zu inkludierendes Kind oder nicht.

    • Anonymous sagt:

      ….”wie wäre wohl die Story hier aufgezogen worden, wenn der Direktor den geplanten Termin vergessen hatte?….”
      Richtig, so muss man schon auch fragen. Einfach den Blickwinkel ändern. Von verschiedenen Seiten anschauen.
      Mir fällt auf, dass hier oft Vorstellungen von Regelschulen bestehen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Nach dem Motto: wenn mein Kind auf die Regelschule geht, dann wird alles gut.
      Aber Sonderschulen sind ja ein “Schonraum”. Und Regelschulen sollen sich den Schülern anpassen. Allen. Wie soll das gehen? Passt der Direktor der Sonderschule sich immer an?

  5. Juliane sagt:

    Ich wünsche der Familie weiter viel Kraft und Stärke und viele positive Begegnungen!

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