Ein Rat

Die Mutter DES MÄDCHENS trifft eine Bekannte.
Nach der Begrüßung sagt diese:
„Gut, dass ich Dich treffe, ich wollte Dich schon anrufen. Und um einen Rat fragen. Ich bekomme nächsten Monat eine Mitarbeiterin mit Behinderung. Und ich will ja nichts falsch machen!“
Die Mutter ist verwirrt. „Wie jetzt? Was meinst Du mit ‚Rat‘? Ich kenne Deine neue Mitarbeiterin doch gar nicht.“
„Naja“, antwortet die Bekannte, „die ist natürlich etwas anders als Deine Tochter, aber Vieles ist doch bestimmt ähnlich bei den Behinderten, oder?“

Die Geschichte vorgelesen …

8 Kommentare

  1. Sybille sagt:

    Seid barmherzig – die Gesellschaft lernt noch . Eine Mitbürgerin sagte einmal selbstkritisch zu mir: „ da muss man vorsichtig sein, da kann man viel falsch machen .

  2. kipa sagt:

    Sie ist doch so einfach, diese Welt: Hier die Mehrheit, das sind wir, die das Glück haben, wenn es denn ein Glück ist, nicht-behindert zu sein [jedenfalls bis jetzt, bis uns vielleicht ein Unfall, eine Krankheit oder eine Altersdemenz ereilt], dann die anderen, die alle irgendwie gleich sind in ihrer Behinderung.
    Man kann sie einfach über einen Kamm scheren. Ich will der Bekannten nichts Böses unterstellen, aber „behindert“ ist eben „behindert“. Behinderte werden so vielleicht auch unbewusst ihrer Individualität beraubt.
    Ich sage das als Mutter zweier unterschiedlich behinderter erwachsener Kinder, von denen eins im letzten Jahr verstarb.

    • Anonymous sagt:

      Die Mutter ist zu bedauern, dass sie bisher solche Freunde hatte 😭

      • Anonymous sagt:

        Es ist eine Bekannte, aber ich bin der gleichen Meinung wie Sybille: Wenn man noch keinen persönlichen Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigung hatte, wirkt mancher Kommentar reichlich unbedarft. Wenn ich die Dame mal ressourcenorientiert und defizitorientiert betrachte, muss ich sagen, sie ist offen und sie fragt eine Expertin. Die wird dann sagen, dass Menschen mit Beeinträchtigung SEHR unterschiedlich sind. Die Bekannte hat etwas gelernt und die neue Kollegin wird nicht mit allzu vielen unpassenden Fragen bombardiert.
        Ich lebe übrigens mit “Migrationshintergrund” und Beeinträchtigung und kenne ausreichend unpassende Fragen.

        • Anonymous sagt:

          Genau so ! Unbedarfte Fragen mögen das Gegenüber nerven oder auch kränken, aber die Motivation der Bekannten ist eine gelingende Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin !

  3. Marie sagt:

    Ich frage mich immer, ob ich auch so kurz denken würde und sicher tue ich das ab und zu. Aber immerhin lese ich hier jeden Montag mit, vielleicht bewahrt mich das vor allzu seltsamen Bemerkungen…

    • Anonymous sagt:

      Nun ja, es soll ja ein wahres Erlebnis sein, mit verfremdeten Einzelheiten. War es im richtigen Leben so, dass die Bekannte nach dem Motto “alle Behinderten sind gleich” gefragt hat? War es eher die Frage “Du hast doch Erfahrung zum Thema, was kannst du mir raten?”….”wo kann ich mich informieren”. Warum werden hier immer primitive Beweggründe unterstellt unterstellt?

      • Anonyma sagt:

        Danke für diese differenziertere Sichtweise. Ich fand es nämlich eigentlich sehr schön, dass sich hier jemand offensichtlich im Vorfeld Gedanken darüber gemacht hat, wie sie ihrer künftigen Mitarbeiterin den Einstieg erleichtern könnte.

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