Der Zettel

Zwei Nixklusionsmännchen und ein Schild Anmeldung

DER JUNGE ist in einer Jugendgruppe. Endlich trifft sie sich wieder.
Die Mutter holt den Jungen und seinen besten Freund immer ab.
Diesmal erzählt der Junge etwas von „Wochenende“ und „Anmeldung“.
Die Mutter versteht ihn nicht recht und fragt den Freund.
Daraufhin zieht dieser einen Anmeldezettel aus der Tasche.
Es geht um ein Wochenende, das die Gruppe bald gemeinsam verbringen will. Mit Übernachtung.
„Und wo ist Dein Zettel?“, fragt die Mutter den Jungen. Sie denkt, dass er bestimmt vergessen hat, ihn mitzunehmen. Er vergisst öfter mal Dinge im Gruppenraum – seine Jacke oder Mütze.
Der Junge zuckt mit den Achseln. „Ich glaube, er hat gar keinen bekommen… “, überlegt sein Freund.
Zu Hause ruft die Mutter die Gruppenleiterin an und fragt nach dem Zettel.
„Wir können uns das nicht vorstellen, dass er mitkommt“, sagt diese.
Die Mutter ist einen Moment sprachlos. „Und deshalb haben Sie ihm gar keinen Zettel gegeben? Wir hätten doch gemeinsam überlegen können…“
Die Gruppenleiterin unterbricht sie: „Sie haben mich wohl nicht richtig verstanden: Wir können uns nicht vorstellen, dass er mitkommt!“

Zwei Nixklusionsmännchen und ein Schild Anmeldung

Die Geschichte vorgelesen …

3 Kommentare

  1. elikoeln sagt:

    Für Eltern von Kindern ohne Behinderung kaum vorstellbar, dass man so unsanft vor die Tür schubst? Aber doch, da gibt es Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder von Sinti und Romafamilien, da gibt es Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und Tics, die nicht als Behinderung eingestuft werden – und für alle steht die Ausgangstür aus der gesellschaftlichen Teilhabe ganz weit offen!
    Das ist kein arrogantes Sozialarbeitergeplauder, mein Sohn hat auch eine schwere Behinderung und diese und ähnliche Erfahrungen sind leider über Jahre ständige Begleiter .. und in Zeiten von Inklusion und AGG interpretiere ich sie als blanke Diskriminierung.

  2. Anonymous sagt:

    Sehr, sehr traurig. Ich überlege gerade was ich dann im Anschluss gemacht hätte. Aus Trotz möchte man am liebsten das Kind von der Gruppe anmelden, aber damit ist ja keinem geholfen. Die Organisatoren wird das nicht stören und dem Kind wird eine weitere Möglichkeit geraubt andere Kinder zu treffen. Wie kann man solchen Leuten die Augen öffnen, dass es doch Möglichkeiten gibt, wenn sie alles blockieren. Ein wenig hoffe ich noch auf ein Happy End, dass die Mutter dafür eine Lösung gefunden hat…

  3. Anonymous sagt:

    Das ist sooo traurig! “Wir können uns nicht vorstellen, dass er mitkommt.” ist im Grunde genauso eine euphemistische Floskel wie “Wir können uns nicht vorstellen, dass das Kind vom Gemeinsamen Unterricht profitiert.” und heißt eigentlich “Wir wollen das Kind nicht dabei haben!”

    Und wir Eltern haben doch gefälligst dankbar dafür zu sein, dass das Kind gelegentlich an bestimmten Aktivitäten teilnehmen darf.

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