Probleme

Die JUNGE FRAU arbeitet seit einiger Zeit in einem Büro.
Die Eltern sind sehr glücklich über diesen Arbeitsplatz.
Jetzt hat der Chef die Mutter zum Gespräch gebeten.
Es gebe Probleme.
Tatsächlich hatte sich die junge Frau in letzter Zeit immer wieder darüber beklagt, dass die Arbeit zu langweilig sei.
Jetzt sitzt die Mutter mit flauem Gefühl beim Chef.
Sie fürchtet Vorwürfe, ihre Tochter würde nicht mehr engagiert und gut genug arbeiten.
Den ganzen Tag schon hatte sie darüber nachgedacht, wie sie diplomatisch rüberbringen könne, dass ihre Tochter mehr Abwechslung und zusätzliche Aufgaben braucht.
„Ich habe das Gefühl, dass Ihre Tochter zur Zeit etwas unzufrieden mit Ihrer Arbeit bei uns ist“, eröffnet der Chef das Gespräch, „meinen Sie nicht auch?“
Die Mutter beginnt, zu antworten: „Ja, doch, irgendwie, ich denke, vielleicht ist…“
Da unterbricht sie der Chef auch schon: „Wir haben deshalb im Team überlegt, was denn das Problem sein könnte. Wir glauben, der Arbeitsablauf ist zu eintönig. Und wir haben uns auch schon überlegt, wie wir das ändern könnten. Soll ich Ihnen einfach mal unsere Ideen erzählen?“
„Ja, gerne“, sagt die Mutter. Und sie ist sehr erleichtert.

Die Geschichte vorgelesen …

15 Kommentare

  1. Celina Kühnen sagt:

    Ich finde die Geschichte wirklich schön.
    Hätte der Chef zuerst mit der jungen Frau sprechen können? Ja.
    Hätte die junge Frau bei dem Gespräch teilnehmen können? Ja.
    Aber nichtsdestotrotz hat er sich Mühe gegeben. Er hat aufmerksam beobachtet und die Situation richtig eingeschätzt. Er sieht nicht eine faule Mitarbeiterin, sondern er sieht, dass jemand mit Unzufriedenheit zu kämpfen hat und möchte das ändern. Er macht das nicht auf die perfekte Art und Weise, aber wer kann das schon?
    Bezieht man das Ganze auf Lehrer, ist es doch schön, wenn wir schon LehrerInnen haben, die so handeln. Die sich Alternativen überlegen und versuchen, allen Bedürfnissen gerecht zu werden und die Kinder nicht einfach nur irgendwie zu beschäftigen.
    Wäre man in dieser Situation, könnte man sicherlich mit dem Chef sprechen und ihm den Tipp geben, doch nächstes Mal die junge Frau persönlich anzusprechen. Da er sehr offen rüberkommt, würde er bestimmt daraus lernen und sein Verhalten dann anpassen. Und mehr als so eine offene und lernbereite Handlung kann man nicht erwarten.

  2. Anonym sagt:

    Vielleicht liegt hier ein Missverständnis vor. Mein Kommentar bezieht sich auf anonym 30.01.2020, 13:46:00.

  3. Unterschied Fachkraft - Laie sagt:

    Sie vergleichen aber gerade Äpfel mit Birnen. Pädagogen und die entsprechenden Einrichtungen sind zu diesem Zweck gebildet und ausgebildet worden. Da habe ich natürlich eine ganz andere Erwartungshaltung dran. Übrigens unabhängig davon ob "Sonder" oder nicht. Abgesehen davon: viele Beiträge handeln ja auch bei den Pädagogen davon dass eben nicht einzeln geschaut wird wo man beim Kind was verbessern kann, sondern davon dass alles gleich gehalten wird und eben keine Förderung da ist. (und ja, ich habe auch alle Beiträge gelesen). Hier ist aber gerade das Gegenteil der Fall, der Chef tut das was ich auch von Lehreren erwarte: sehen wo das Problem ist (Langeweile durch Unterforderung) und eine Lösung suchen.

  4. Anonym sagt:

    Sie haben ja sicher einerseits Recht, da ich hier aber schon lange mitlese, ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Kritik an Sonderpädagogen und Sonderschulen oft sehr unsachlich und einseitig ist. Gegen sachliche Kritik hat ja niemand was. Aber dass sie oft eher einem Verriss gleicht, muss man auch ansprechen dürfen.

  5. Anonym sagt:

    Es ist sicher nicht so, dass hier Sondereinrichtungen und Sonderpädagogen diffamiert werden. Ganz und gar nicht. Es ist wichtig, dass es diese Einrichtungen gibt und die Pädagogen, welche hier arbeiten. Überall dort, wo die Kinder und Jugendlichen, später die Erwachsenen, gut gefördert und glücklich sind, sind sie am richtigen Ort. Aber überall dort, wo es scheinbar nicht klappt mit der Integration und Inklusion, obwohl es klappen könnte und sollte, ja sogar müsste, kommt eben eine Diskussion auf. Es ist immer schön, wenn Arbeitsplätze angeboten werden wie in diesem Beitrag. Es ist immer schön, wenn man hier auch darauf eingeht, dass es der Mitarbeiterin gefällt. Dass sie Freude hat an der Tätigkeit, egal ob nun sie selbst oder die Mutter zunächst über Veränderungen informiert wird. Wenn an einem anderen Ort eine gute und förderliche Beziehung entsteht, ist das auch super. In diesem Blog wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Doch stets sollte daran gedacht sein, dass das Wohl der Person im Vordergrund steht. Und dazu gehört eben auch, es zuzulassen, dass nicht jeder gleich ist und dabei nicht gleich eine Separation beginnen zu wollen.

  6. Anonym sagt:

    Es geht halt darum, dass mit so unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird. Wie oben jemand schreibt:"Würde ein Sonderschullehrer so vorgehen, der Verriss auf diesem Blog wäre ihm gewiss."
    Meine Tochter war auf der Sonderschule sehr glücklich und hat das gelernt, was für sie möglich war. Es ist sicher nicht viel, aber die Pädagogen haben ihr bestes gegeben. Nun ist sie im Förderbereich einer Werkstatt, und jeden Morgen freut sie sich darauf. Auch hier wird sie sehr gefördert. Für Menschen, die intensive Betreuung brauchen, ist eben das richtig.
    Menschen mit Behinderungen sind eben sehr verschieden. Warum also immer Sondereinrichtungen und Sonderpädagogen diffamieren??

  7. Anonym sagt:

    Warum negativ über so etwas Positives schreiben? Der Einbezug ist wichtig. Wer sagt denn, dass alles "nur" über die Mutter läuft? Es ist so schön zu lesen, dass sich im Team darüber Gedanken gemacht wird, wie die Arbeitssituation besser gestaltet sein kann. Positives auf sich wirken lassen ohne gleich etwas Negatives hineinzuinterpretieren bringt mehr Verständnis und Integration als alles zu hinterfragen. Ich freue mich für die Tochter! Und ich freue mich für die Mutter! Und für das gesamte Team mit dem tollen Chef! Denn hier wird gerne gearbeitet. Und das ist sehr schön.

  8. Nichts geht über Nacht sagt:

    Vielleicht ist die Gesamtsituation für den Chef Neuland, und er möchte sich erstmal rückversichern ob seine Ideen umsetzbar sind? Menschen lernen. Hier ist ein aufmerksamer Mensch der überlegt wie er eine Situation verbessern kann, das ist in der heutigen Arbeitswelt unabhängig von einer Beeinträchtigung alles andere als selbstverständlich. Irgendwann wird dann auch die Kenntnis da sein abzuschätzen was machbar ist und was nicht.

  9. Anonym sagt:

    Vielleicht ist er unsicher! Aber auch in dem Fall hätte er die betreffende Arbeitnehmerin dazu bitten können. Ich sehe das als Schritt in die Richtung Inklusion.

  10. Anonym sagt:

    Genau das habe ich mir auch gedacht, Anonym 22.01.2020 07:00h. Wenn er selbst sieht, dass die Arbeit eintönig ist, dann kann er das doch ohne ein "Elterngespräch" ändern bzw. in einem Gespräch mit der jungen Frau klären. Wir sind einfach immer noch sehr weit von Inklusion entfernt.

  11. Anonym sagt:

    Stimmt!Und er bittet die Mutter zum Gespräch mit der Erklärung, es gäbe "Probleme"! Das stimmt doch gar nicht wirklich!

  12. Anonym sagt:

    Nein! Ich wünsche mir keinen solchen Chef. Er macht sich Gedanken über die JUNGE FRAU, spricht mit dem Team über die JUNGE FRAU und bespricht dann mit der Mutter der JUNGEN FRAU weitere Vorgehensweisen. Kann der Chef nicht einfach mit der JUNGEN FRAU persönlich sprechen? Würde ein Sonderschullehrer so vorgehen, der Zerriss auf diesem Blog wäre ihm gewiss.

  13. Anonym sagt:

    Tränen in den Augen! Solche Chefs wünscht sich jeder ( mit und ohne Behinderung)

  14. Anonym sagt:

    Hallo,

    das ist so eine Geschichte, die richtig Hoffnung macht für die Zukunft meines Kindes. Danke dafür!
    Es ist wichtig, auch hier zu zeigen, dass es auch diese Chefs gibt, die den Menschen sehen und nicht nur Arbeitsergebnisse. Einfach wunderbar!

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