Das Tablet

DER JUNGE geht seit einem Jahr in den Kindergarten.
Weil er da ist, konnte der Kindergarten eine zusätzliche Kraft einstellen.
Der Junge spricht nicht mit dem Mund. Er kommuniziert über ein Tablet. Auf das Tablet ist eine besondere App geladen.
Dreimal hat die Mutter die Erzieherinnen in die Benutzung eingewiesen. Auch eine Beraterin für Unterstützte Kommunikation war schon da.
Trotzdem wird das Tablet kaum benutzt.
Wenn die Mutter nachfragt, warum nicht, hört sie:
„Heute waren wir nur zu zweit.“
„Das Tablet geht ja immer wieder aus…“
oder
„Wir haben heute nur draußen gespielt, da stört es.“
Vor den Ferien gab es wieder einmal ein ausführliches Gespräch darüber, wie wichtig das Tablet für den Jungen ist. Denn nur so kann er sich ausdrücken.
Nun sind die Ferien vorbei und die Mutter ist gut erholt und guter Dinge. Sie bringt ihren Sohn in die Gruppe und legt das Tablet auf den Erzieherinnen-Tisch.
Eine Erzieherin, die zusätzliche Kraft, schaut mit großen Augen erst auf das Tablet, dann auf die Mutter und sagt:
„Also, ob wir das mit dem Tablet diese Woche schaffen, kann ich nicht garantieren. Wir gewöhnen jetzt doch die neuen Kinder ein!“

Die Geschichte vorgelesen …

3 Kommentare

  1. Fan des Illustrators sagt:

    Und wer sich noch nie Gedanken darüber gemacht hat, wie wichtig Kommunikation für Kinder ist, dem schlage ich vor, den Kurzfilm „Das stille Kind“ anzuschauen.
    Das wirkt… und ist meiner Meinung nach ein absolutes Muss für Erzieherinnen wie in dieser Geschichte!

  2. Anonym sagt:

    Uns ging es ganz ähnlich: unser Sohn war auch in der Kiga-Zeit auf unterstütze Kommunikation angewiesen. Er könnte toll gebärden, aber obwohl ich jede Woche einen Zettel mit Gebärde und Beschreibung mitgegeben habe, hat sich nur eine Erzieherin dafür interessiert. Und als die wegging, wollte mein Sohn kaum noch in den Kiga. Als er 5 war, bekam er einen Talker und der Kiga hat sogar abgelehnt, dass eine Studentin, die ihn dabei unterstützt hat, in den Kiga kommen kann. In der Schule lief es zum Glück viel besser. Ich bin in einer Talker-Elterngruppe und kann sagen, dass es auch sehr positive Beispiele gibt – zum Glück.
    Und für Eltern: trotzdem dranbleiben – es ist so wichtig für die Kinder. Unser Sohn spricht mittlerweile, aber ohne Gebärden und Talker wäre es bis dahin geistig verkümmert. Und falls das Kind nicht sprechen lernen kann, ist es umso wichtiger. Oft besteht das Vorurteil, dass unterstützte Kommunikation die Kinder von der Sprache abhält – das ist Unsinn. Aber jeder Mensch will verstanden werden.
    Am meisten gehasst habe ich den Satz: Wir brauchen das nicht – wir verstehen uns auch so. Was übersetzt heißt: das Kind versteht ja, was ich will. Und was das Kind mir sagen möchte, ist mir herzlich egal. Ist ja auch bequemer so.

  3. Anonym sagt:

    Da könnte ich schreien vor lauter Wut…
    Ich wünsche dem jungen, dass er einen weg findet, diesen Menschen mit engem Horizont klar zu machen, dass alle was von gelingender Kommunikation haben.

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