Sportunterricht 2

DER JUNGE besucht eine allgemeine Schule.
Seine Körperbehinderung spielt im Unterricht keine große Rolle.
Ausnahme: Der Sportunterricht.
Weil er im vergangenen Halbjahr bei vielem nicht mitmachen durfte und deshalb auch nicht benotet wurde, hatte die Mutter das Gespräch mit der Lehrerin gesucht.
Die Lehrerin versprach, den Sportunterricht künftig „inklusiv“ zu gestalten.
Als die Mutter den Jungen eine Woche später fragte, ob er denn jetzt immer noch auf der Bank sitzen müsse, schüttelte der den Kopf: Nein, nein…
Die Mutter war beruhigt. Dann gab es Zeugnisse. „Sport: ausreichend“, stand da.
Eine Vier? Weshalb denn das? Die Mutter schüttelt den Kopf.
Wieder spricht sie mit der Lehrerin und lässt sich erklären, wie der Sportunterricht jetzt läuft:
Wenn die anderen Fußball spielen, schießt der Junge Soft-Bälle auf eine Torwand.
Wenn die anderen einen Parcours machen, absolviert der Junge seinen leichten Parcours am Rand.
Und wenn die anderen turnen, macht er alleine seine Übungen an der Sprossenwand.
„Na ja“, sagt die Lehrerin abschließend, „und eine Vier habe ich ihm gegeben, weil er bei all dem wirklich nicht sehr motiviert war!“

Die Geschichte vorgelesen …

13 Kommentare

  1. Anonym sagt:

    Es hört sich im Text oben klar nach einer Verpflichtung für jeden Lehrer an: "dafür haben Sie einen Pädagogischen Eid geschworen". So einen Eid gibt es nicht. Es gibt einen Diensteid für Beamte. Ferner gibt es den Eid des Herrn Hentig, eine Art Selbstverpflichtung mancher Lehrer oder Schulen.

  2. Anonym sagt:

    Hartmut von Hentig hatte einen Sokratischen Eid vorgeschlagen, der teilweise freiwillig geleistet werden konnte.
    Ob der Originalschreiber diesen meint, weiß ich allerdings nicht

  3. Anonym sagt:

    Von welchem Eid sprechen Sie? Mir ist nicht bekannt, dass Pädagogen einen "Pädagogischen Eid"zu schwören haben.

  4. Philipp Robinson sagt:

    Es gäbe Möglichkeiten, dass der Schüler nicht nur am Unterricht teilnimmt, sondern auch am Klassenverband im Unterricht. Inwieweit seine körperliche Einschränkung ihn bei Bewegungsabläufen behindert, können wir hier keinesfalls klären.
    Es wurden die folgenden Beispiele genannt:
    – Fußball / Soft-Bälle auf eine Torwand
    – Parcours / seinen leichten Parcours
    – turnen / seine Übungen an der Sprossenwand

    Die Aufgaben gleichen sich zwar thematisch meistens (Sprossenwand ist nur ein kleiner Teil des Turnens; beim Fußball ebenso), aber eine gemeinsame Lernerfahrung ist so nicht möglich.

    Unterschiedliche Parcours mit verschiedenen Schwierigkeiten können von allen gemeinsam durchgeführt werden.
    Fußball ist eine Teamsportart. Wenn hier keine Aussicht auf gemeinsames Spielen besteht (warum nicht mit einer Abwandlung, sodass alle ähnliche Startvoraussetzungen haben, möglicherweise Sitzfußball?), macht das Schießen auf eine Torwand alleinestehend keinen Sinn.
    Turnen ist vielfältig möglich. Nicht jeder muss die Flugrolle können. Man könnte auch Bändertanzen (ich hätte dies gerne mal im Unterricht gehabt anstatt ausschließlich nur Fußball zu spielen).

    Wer nach Teilhabe sucht, wird Möglichkeiten finden. Wenn nur das Abhaken des ToDos "Kind mit Körperbehinderung macht auch was" im Vordergrund steht, ist dieser Prozess deutlich abgekürzt. Doch zu welchem Preis?

  5. Anonym sagt:

    Sportunterricht in der Schule ist grundlegend dazu da, SuS an die vielen verschiedenen Bewegungsarten- und Formen heranzuführen. Vielleicht schlummern dort Talente oder aber die SuS erkennen für sich was ihnen liegt und was nicht. Für das staatlich verordnete Benoten (auch-)im Sportunterricht können Sie nichts, aber denken sollten Sie als Pädagogen schon selbst, dafür haben Sie einen pädagogischen Eid geschworen. Benotung im Sport-U ist das allerletzte, weil hier persönliche Grundfähigkeiten anhand normierter Tabellen verglichen werden. Die paar Minuten die ein Kind die geforderten Techniken erlernen/üben darf, sind nun wirklich nicht ausreichend um sie gerecht bewerten zu können. Allenfalls könnte man den Lernfortschritt bewerten (Individuelle Bezugsnorm). Benotung im Sport führt selten zu mehr Bewegung. Und so ist es mit dem Denken in Niveaus, das einsortieren in Schublädchen. Gerade aber im Sportunterricht hat man unglaubliche Möglichkeiten, alle Schüler*innen Bewegungserfahrungen machen zu lassen. Das Beispiel Fußball birgt hervorragende Übungen, in denen Sie mit hoher Intensität und gleichzeitigen unterschiedlichen Rollenanforderungen in spielerischer Form einen hohen Übungseffekt erzielen können. Um ein konkretes Beispiel, wie von Ihnen gefordert zu nennen, ist die Übung "Doppelspielmacher". Kleines Feld (z.Bsp. 10m x 12m), je ein Torwart, Torgröße eher klein aber variabel, je drei Feldspieler und ein Spielmacher, der für beide Mannschaften spielt. (Vereinsspieler z.B.)Eine Spielvariante von bestimmt über 100 ist: Der Spielmacher darf keine Tore schießen, er darf nur vorbereiten. Fällt ein Tor, oder wechselt der Ballbesitz, wechselt der Spielmacher sofort auch die Mannschaft. Nun kann ich hervorragend Schüler*innen mit einer Behinderung einsetzen und verändere je nach Fähigkeiten die Regeln (z.B. habe ich bei einem Jungen mit Down-Syndrom der noch sehr unsicher und langsam ist, die Regel eingeführt, dass dieser nicht aktiv angegriffen werden darf, jedoch aber seine Passwege zugestellt werden dürfen.) Dies führte unter anderem dazu, dass die SuS ganz schnell gemerkt haben, sich freilaufen zu müssen u.s.w..) Sie können dies nun ganz variabel den Bedürfnissen und Fähigkeiten Ihrer Sportklasse anpassen ohne einzelne SuS separieren zu müssen. Die verrückteste Regel war, dass nur der/die vermeintlich schwächste Spieler*in die Tore schießen dürfen. Da ist was los auf dem Feld. Damit können sie tolle Ergebnisse für alle erreichen. Mitschüler*innen lernen sehr schnell, wie wichtig und wertvoll alle Ihre Mitschüler*innen sind. Dieses Beispiel können Sie nun auf so ziemlich alle Sportarten und Bewegungsformen anwenden. Da ist natürlich Krips gefragt und gute Vorbereitung, die nur Sie als verantwortliche Pädagogen leisten können. Diese Arbeit macht keiner für Sie. In der Sportwissenschaftlichen Literatur finden Sie hierzu genügend Material. Sie müssen es aber letztlich auf Ihre Sportklasse beziehen und so verändern, dass alle teilhaben können. Das ist nicht leicht, aber 28 Kinder oder mehr sind kein ausreichendes Argument für separierenden Unterricht. Im Gegenteil, je mehr Kinder, desto mehr Spiel- und Bewegungsvarianten auf engstem Raum sind möglich. Tipp: Setzen Sie sich mit Ihren Sportkolleg*innen mal zusammen und entwickeln solche Spiel- und Bewegungsformen selbst. Ziel ist die Variabilität und die Regelmöglichkeiten. Es lohnt sich. Zum Schluss: Weil Sie ja Noten machen müssen, werden Sie überascht sein, wie stetig und schnell sich durch dieses dann auch inklusive Angebot alle verbessern. Zaubern muss niemand, aber immer die alten Fehler zu wiederholen ist ein "No Go". Inklusion ist in jeder Klasse geboten, auch ohne Menschen mit Behinderung. Das Recht aller SuS auf Teilhabe im Sportunterricht sollte auch ohne das Einfordern von bereits längst verankerten Menschenrechten selbstverständlich sein. Nur Sie selbst sind verantwortlich für guten oder schlechten Sportunterricht, nicht die SuS einer Sportklasse.

  6. Anonym sagt:

    Das würde mich auch interessieren, aber da wird es hier keine konstruktive Antwort geben. Eigentlich hat die Sportlehrerin alles richtig gemacht, sie hat das Niveau den Möglichkeiten des Schülers angepasst und ihm so eine eigene Teilnahme am Unterricht ermöglicht. Aber ich vermute mal, das reicht nicht, weil Sport nicht "Unterricht" ist. Ist leider doch so, da erlernen Schüler Sportarten, Techniken usw., sie werden dafür benotet, und diese Noten sind im Zeugnis nicht immer egal. Sportunterricht ist nicht "wir toben alle herum und haben Spaß und alle machen mit". Die so oft propagierte Variante "Anforderungen des Unterrichts herunterbrechen auf die Möglichkeiten des Kindes" scheint beim Sportunterricht nicht zu gelten.

  7. Anonym sagt:

    Und wie soll denn eine Sportstunde mit ca. 28 lebhaften Kindern und dem Jungen konkret aussehen? Würde mich sehr interessieren, aber nur umsetzbare Vorschläge, für ALLE.

  8. Fan des Illustrators sagt:

    Mir kommt es vor, als wollte die Lehrerin den Jungen dafür bestrafen, dass er eine Behinderung hat.

    Motivation hat etwas zu tun mit Anreiz, Identifikation und Anerkennung – hier: durch Lehrer und Mitschüler.
    Der Junge muss seine Übungen im Abseits machen.
    Er braucht aber die Gemeinschaft, um ein positives Feedback zu bekommen.

    Solche Kenntnisse sind Grundlagen der Pädagogik, die jeder Lehrer wissen müsste, ob „Sonder“ oder nicht…

    Sehr plakative Zeichnung!

  9. Anonym sagt:

    Habe heute morgen ein Bericht auf Bild.de über Inklusion gelesen."Eeine Lehrerin packt aus-das läuft bei der Inklusion falsch".Sie hat auch ein Buch geschrieben.Sie sagt" Inklusion ist ein typisches Beispiel dafür,wie Bildungspolitik auf dem Rücken der Lehrer und zulasten des Bildungsniveau der Schüler ausgetragen wird!.
    Ich bin Mutter eines behinderten Kindes und würde auch gerne Mal Berichte lesen wie behinderte Kinder um ihre Bildung in Sonderschulen gebracht werden.Die Förderzustände in Sonderschulen sind noch katastrophaler als in Regelschulen!Oder Berichte wo Eltern behinderter Kinder klagen,mit Überschriften,wie" Politiker haben Angehörige behinderter Kinder im Stich gelassen!".
    Inklusion wird doch nicht nur in Schulen gemacht! Eltern sind auch verpflichtet und versuchen tagtäglich ihre Kinder inmitten der Gesellschaft zu integrieren.Eltern kämpfen tagtäglich damit sie mit ihren behinderten Kindern weiter kommen. Das ist auch Inklusion! Dass Eltern viel mehr leisten als Lehrer und das sie wie so oft in Stich gelassen werden, darüber wird in den Medien nicht geschrieben!

  10. Anonym sagt:

    Die Note sagt eindeutig mehr über den Verfasser aus als über das Kind!
    Was soll man von einer Lehrerin erwarten, dass sie versteht was Inklusion bedeutet, wenn meiner meinung nach eine Präsidentin der Special Olympisc Inklusion nicht versteht( Siehe Kommentar Anonym 11.02.2019, 21:20:00 zu der Geschichte Sportunterricht 1).In Deutschland wird das Wort Inklusion mehr und mehr missbraucht! Nur weil ein behindertes Kind einen Raum,den Boden betritt wo nicht behinderte Menschen betreten dürfen und die selbe Luft ein und ausatmet, bedeutet es schon lange nicht, dass wir Inklusion in Deutschland machen! Keiner darf überhaupt das Wort Inklusion dann in den Mund nehmen!Traurig noch ,dass es an den Medien dann so verkauft wird mit Worten wie: Deutschland bewegt sich mit großen Schritten Richtung Inklusion! Es ist eine Unverschämtheit!Es ist als ob man in einer vollkommenen Diktatur sich mit Worte wie Freiheit brüsten würde!

  11. Anonym sagt:

    Wenn einzelne Pädagogen die Leistung eines Schülers nicht anerkennen , und dann noch einen Schüler mit Behinderung , da kann man wirklich nur noch sagen : der letzte macht das Licht aus ! Leider viel zu oft bis heute grausame Realität !

  12. Anonym sagt:

    Wieder einmal ein wunderbarer Beweis dafür , das es mit dem Thema Inklusion immer noch schlechter geht als vorher !
    Solange es Pädagogen ermöglicht ist , und der Gesellschafft vorgegaukelt wird man würde ausreichende Inklusion betreiben , wird sich nichts ändern . Wir reden hier immer noch von einem Menschenrecht das auch in 2019 nicht durchgesetzt wird ! Deutschland macht wieder alles , nur nichts richtig ! Generationen haben darunter zu leiden . Wo soll das hinführen ? Es wird einem Angst und Bange !

  13. Anonym sagt:

    Unbegreiflich , immer wieder , das die Menscheit es nicht lernt !
    Es ist genug für alle da aber es muss immer die Unterschicht erhalten bleiben !
    Behindert ist man nicht , behindert wird man !
    Kinder sind unsere Zukunft ! Alle ! Ausnahmslos ! Und so wird mit Ihnen umgegangen

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