Hallo

DER JUNGE ist in der Abschlussklasse. Dort wird er inklusiv unterrichtet.
Das heißt an dieser Schule: Alle Stunden ist er mit seinem Schulbegleiter in einem Extra-Raum.
Viele Gespräche gab es zu dieser Situation.
Die Lehrer sagten: „Wir können ihm nicht gerecht werden. Er ist hier falsch. Und wir haben das nicht gelernt.“
Das Schulamt sagte: „Ja, da können wir auch nichts machen.“
Zu den Lehrern hat der Junge also keinen Kontakt. Und zu den anderen Kindern nur in der Pause.
Als die Mutter einmal etwas in die Schule bringt, sieht sie, wie der Junge den Lehrern, die er auf dem Weg in „seinen“ Raum trifft, „Hallo“ sagt. „Hallo“ und immer wieder „Hallo“. Keiner der Lehrer reagiert.
Nun steht die Abschlussfahrt an.
Die Mutter meldet ihn ab. Er wird in dieser Zeit ein freiwilliges Berufspraktikum machen.
„Ach, das ist aber schade, dass er nicht mitfährt“, sagt die Klassenlehrerin.
Die Mutter runzelt die Stirn: „Sie kennen ihn doch gar nicht mehr! Sie haben seit über einem Jahr kein einziges Wort mit ihm gewechselt! Wie soll ich es da als Mutter verantworten, ihn in Ihre Obhut zu geben?“
Die Lehrerin schweigt.

Die Geschichte vorgelesen …

7 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Der arme Junge, das muss schrecklich sein, so isoliert vom allgemeinen Klassen- und Schulgeschehen und vom gemeinsamen Unterricht ausgeschlossen zu sein! Das kann nicht mit Inklusion gemeint sein.

    Was haben wir dagegen für ein Glück gehabt! Neun Jahre lang haben wir das so ganz anders erlebt, als unser Junge mit Down-Syndrom mit vier weiteren Schüler*innen mit verschiedenen Handicaps als Außenklasse zuerst an der Grundschule und danach an einer Gemeinschaftsschule am Unterricht und allen Freizeitaktivitäten der Regelschulen teilgenommen hat. Dass dies so gelingen konnte, dafür waren die sehr engagierten und kompetenten Lehrer*innen sowohl der Förder- als auch der Regelschulen verantwortlich. Als Gruppe waren “unsere” Schüler*innen sehr präsent und zudem weitgehend in den Unterricht einbezogen. Höhepunkte waren jeweils Band-Workshops und zweiwöchige gemeinsame Aufenthalte im Ausland – in Sizilien und in der Türkei bei Olivenernte und Bau einer Kletteranlage in einer Partnerschule. Das gelebte Miteinander beförderte gegenseitigen Respekt sowie Rücksichtnahme auf beiden Seiten. Der Erfolg dieser Art von Integration ist mir heute allemal lieber als Inklusion, die vielleicht nur aus einem beiläufigen (oder verweigerten) “Hallo” besteht.

    • Anonymous sagt:

      Ich weiß zu wenig über den Jungen, um die Situation zu beurteilen. Braucht er vielleicht eine reizarme Umgebung? Ist der Junge vielleicht sehr laut? Das wissen wir leider alles nicht.

      • Svenja B. sagt:

        dann wäre es für die Lehrer aber weder überraschend noch bedauerlich dass die Mutter den Jungen von der Abschlussfahrt abgemeldet hat…

  2. anonym 55 sagt:

    Die Lehrerin einer Abschlussklasse hat die primäre Aufgabe, ihre Schülerinnen und Schüler optimal auf die Prüfung vorzubereiten. Dies wird von der Schulleitung, den Eltern (nicht nur der Mütter!) und vor allem von den Schülern erwartet. In diese Aufgabe steckt die Lehrerin zurecht ihre ganze Kraft und Energie. In der Regel gibt es jetzt andere Organisationsformen, der Stundenplan ist aufgehoben, das Lernen wird individueller. Die Lehrerin sieht den JUNGEN mit seiner individuellen Betreuung gut aufgehoben. Die nächste gemeinsame Aktion ist die Vorbereitung und Durchführung der Klassenfahrt – und ausgerechnet hier ist der JUNGE nicht mit dabei! ( wurde er überhaupt dazu befragt??)

    Wenn Inklusion gelingen soll, braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Die Lehrerin sagt zurecht ‚ das kann ich nicht alles leisten!‘ Ich bin ein großer Befürworter von kooperativen Organisationsformen: Ein Regel- und ein Sonderschullehrer leiten eine Klasse im Team. Sozialformen und Lerninhalte werden den Bedürfnissen der Schüler angepasst.

    Glaubt die Mutter allen Ernstes, ein gelingendes Miteinander beginnt in einer Abschlussklasse? Wo sind die Mitschüler, die Lehrer der letzten 8 bis 10 Jahre?
    Nein !! Hier hilft keine Schlichtung!

    • Anonymous sagt:

      Wenn der Junge den Lehrern Hallo sagt und ihn diese scheinbar ignorieren, zumindest nicht grüssen wollen, dann liegt das sicher nicht daran, dass sie gerade an die Prüfungsvorbereitungen denken. Nein, das ist Ignoranz pur. Das zeigt auf, dass es hier zwischenmenschlich enorme Defizite gibt. Nicht von Seiten des Jungen, denn dieser grüsst ja mit einem Hallo. Unglaublich so etwas. Oder werden die Lehrer in diesem Moment nicht bezahlt? Grausam wäre es, den Jungen bei solchem Personal in ein Lager zu geben. Denn dort ist er der Ignoranz ausgeliefert!

    • Juliane sagt:

      Ich lese den Text ganz anders. Ich lese, dass nicht erst seit einem Jahr, im Abschlussjahr, versucht wurde, eine echte Inklusionssituation zu schaffen, und zwar von Seiten der Mutter, nicht von der Schule, wo anscheinend keine einzige Lehrkraft (!) sich imstande sah, den JUNGEN zu integrieren. Seit Jahren! Nicht mal eine Begrüßung. Was die Lehrkräfte nicht Vorleben, können die Mitschüler*innen nicht ausbügeln, insofern ist die Aussage der Lehrkraft an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.

  3. Immerwiedermontags sagt:

    Hier sollten einmal Struktur-, Schulrechts-, Ablaufanalysten eine Analyse mit konkreten Handlungsempfehlungen erstellen und wem auch immer präsentieren. Mein Bauchgefühl sieht hier ganz viele Stellschrauben, welche dringendes bearbeitet werden müssen. Dies alles kann nicht alleinige Elternarbeit sein. Aber auch nicht der Lauf der Zeit. Dem jungen MANN samt Familie für die Zukunft nur das Beste! Ich empfehle eine Schlichtungsstelle rund ums Behindertenrecht auf Kreisebene. (Schulrecht=Laenderrecht , d.h. die zuständige Stelle in Berlin ist weit weg und nicht weisungsberechtigt). Es soll sogar Landtage geben, welche in diesem Jahr eine Einrichtung einer Schlichtungstelle abgelehnt haben.

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