Maßnahmen

Die Mutter des JUNGEN bekommt eine Befragung zugeschickt. Sie kommt von einer Universität und es geht um „Maßnahmen im Unterricht“.
Schüler sollen sie ausfüllen. Der Junge kann das nicht, aber vielleicht sein bester Freund, der schon so lange mit ihm in eine inklusive Klasse geht.
Die Mutter zeigt ihm den Fragebogen. Sehr ausführlich wird da ein Schüler beschrieben, der stört: Er läuft herum, wirft mit seinem Mäppchen, redet laut, macht Geräusche oder wippt auf seinem Stuhl. Er ruft rein, isst während des Unterrichts und macht Faxen.
„Ist der behindert?“, fragt der Mitschüler.
„Ich weiß nicht“, sagt die Mutter. „Vielleicht…“
Der Mitschüler soll jetzt alle Maßnahmen ankreuzen, die er von seinen Lehrern kennt: Ermahnungen, Belohnungen, Diskussionen, laute knappe Anweisungen, Vorwürfe, Verweis aus dem Klassenraum und einiges mehr.
„Hm…“. Der Mitschüler des Jungen grübelt über dem Blatt: „Das meiste sind ja Strafen, die klappen nie…“
Dann schaut er auf: „Das Wichtigstes fehlt doch: Die Frage, warum der Schüler sich so verhält! Wir fragen uns das immer, wenn einer so heftig reagiert. Und wir fragen uns das alle gemeinsam im Klassenrat und suchen nach einer Lösung! Ich finde das hier gar nicht…“
Die Mutter nimmt sich den Bogen. „Nein, davon steht da nichts. Es geht nur um die Lehrer und den Störer.“
Der Mitschüler gibt der Mutter den Fragebogen zurück. „Voll blöd. Muss ich da mitmachen?“
„Natürlich nicht!“
„Gut“, sagt der Mitschüler. Und dann sucht der den Jungen, um mit ihm zu spielen.

Ein Blatt mit Ankreuzfeldern. Ein grummeliges Männchen, das darauf zeigt. Rechts ein pinkes Männchen, das die Arme hochreißt und oben viele Kreise als Verlängerung der Arme hat.

Die Geschichte vorgelesen …

6 Kommentare

  1. Philipp sagt:

    Ich habe den Film nicht gesehen. Aber ebenso wie Pädagogen sind auch "Systemsprenger", sprich: Kinder, keine Maschinen.

    Wer glaubt, dass jede*r Pädagog*in ALLE Kinder erreichen muss, liegt falsch. Diese Erwartung wäre unmenschlich gegenüber den Pädagogen. Aber alle Kinder müssen erreicht werden. Alles andere ist unmenschlich gegenüber den Kindern.

    Wir alle sind Menschen. Wir alle haben Fehler.

    Was wir uns aber nicht leisten können, ist, dass unser System seine Fehler hat und weiter untermauert oder gar ausbaut. Daher bin ich sehr froh, unter anderem mit diesem Blog, die Fehler zu bestimmen und dagegen zu arbeiten.

  2. Anonym sagt:

    Hatten Sie schon mal persönlichen Kontakt zu einem Kind wie "Benni"? Kein System und kein Pädagoge der Welt kann jedes Kind erreichen. Menschen sind keine Automaten, die programmiert werden können. Auch das müssen wir akzeptieren. Am Verhalten des Kindes im Film waren die Eltern nicht ganz unbeteiligt.

  3. Anonym sagt:

    In Lehramtstudium wird den Studenten gelehrt ihre Arbeit zu hinterfragen.
    Leider zeigt uns das deutsche Schulsystem das Gegenteil. Wenn ein Schüler die Erwartungen einer Schulform nicht nachkommt, dann wird es in die nächste Schulform abgeschoben. Von Gymnasium auf Gesamtschulen. Von Gesamtschulen auf Realschulen oder Hauptschulen. Von Hauptschulen auf Förderschulen Schwerpunkt Lernen. Und was lernen die Schüler davon? Sie lernen einfach die Probleme weiter zu schieben, sie lernen keine Verantwortung zu übernehmen. Wenn Probleme auftauchen sollen sie die am liebsten nicht hinterfragen sondern aus dem Auge aus dem Sinn abschieben.
    Ein toller Film kam dieses Jahr raus. Er heisst Systemsprenger! Hier wird ganz deutlich gezeigt wie das System in Deutschland funktioniert. Das neunjährige Mädchen wird von einer Schule zur anderen abgeschoben. Nirgendwo findet es ein Halt. Da das Mädchen keine Untegrationsmöglichkeiten in Deutschland erhält und immer wieder die Erfahrung macht in Deutschland abgeschoben zu werden, wird sogar mit dem Gedanken gespielt es in ein Flugzeug zu setzen, ihr im Ausland "Hilfe" zu bieten. Hauptsache das Kind aus dem Auge aus dem Sinn abschieben. Wobei das Kind sich nichts anderes möchte als geliebt zu werden!

  4. Anonym sagt:

    Ein tolles Kind!

  5. Anonym sagt:

    Hoffentlich hat die Mutter das der Universität zurückgemeldet!

  6. Elli Wilfling sagt:

    Pflichtlektüre beim Lehramtsstudium und für alle Lehrerzimmer

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