Mindestlohn

Die Mutter DES MÄDCHENS fährt mit einer Bekannten zusammen im Auto. Auch die Bekannte hat ein Kind mit Behinderung.
In den Radio-Nachrichten geht es um den Mindestlohn.
„Ich finde das ja nicht gut, dass der bald auf über 10 Euro steigt…“, sagt die Bekannte.
„Warum nicht?“, fragt die Mutter.
„Dann ist es doch für unsere Kids noch schwerer, einen Job auf dem 1. Arbeitsmarkt zu finden!“
„Na ja“, gibt die Mutter zu bedenken, „dann steigen doch aber auch die möglichen Lohnkostenzuschüsse.
„Trotzdem“, erwidert die Bekannte, „ich finde, der Mindestlohn sollte für Behinderte nicht gelten! Es dürfen denjenigen, die bereit sind, Menschen wie unsere Kinder zu beschäftigen, doch nicht noch irgendwelche Steine in den Weg gelegt werden. Wir müssen doch dankbar sein, wenn überhaupt jemand sie einstellt!“
Die Mutter bleibt einen Augenblick still. Dann sagt sie langsam: „Nein…“

Zwei Nixklusionsmännchen, eins fröhlich, eins mit heruntergezogenen Mundwinkeln, und Geld, insgesamt 10,45 Euro.
Die Geschichte vorgelesen …

3 Kommentare

  1. Anonym sagt:

    Die TOCHTER meiner Freundin arbeitet in einer Kindertagesstätte als Kindergartenhelferin. Es ist ein ausgelagerter Arbeitsplatz der Behindertenwerkstatt. Sie erhält nicht den gleichen Lohn wie Ihre Kolleginnen die über den Träger der Kindertagesstätte arbeiten. Sie erhält deutlich weniger.
    Also, die Behindertenwerkstatt ist in diesem Fall wie eine Zeitarbeitfirma. Der Träger der Kindertagesstätte bezahlt die Behindertenwerkstatt und ein Bruchteil davon kommt bei der Tochter meiner Freundin an, dass bei weitem unter dem Mindestlohn sich befindet.
    Die Tochter meiner Freundin kämpft um aus der "Klaue" der Behindertenwerkstatt rauszukommen aber sie lassen sie nicht raus. Es ist ähnlich wie im Sonderschulsystem. Einmal drin, müssen Betroffene die rauskommen wollen kämpfen und kämpfen um aus diesem unterdrückten System rauszukommen.

  2. Fan des Illustrators sagt:

    Sehr anschauliche Illustration!

    Selbstverständlich müssen Menschen mit Behinderung in die Mindestlohndebatte mit einbezogen werden!
    Es wird viel Geld vom Bund in die Hand genommen, um Teilhabe am Arbeitsleben zu gewährleisten. Allerdings alleine in der Werkstatt, sprich in der Separation.
    Die Bemühungen sollten doch dahin gehen, Menschen mit Behinderung nicht in Sondersysteme abzuschieben, sondern inmitten der Gesellschaft am Arbeitsleben teilnehmen zu lassen.
    Die Einstellung von Menschen mit Behinderung sollten Wettbewerbsvorteile auf dem freien Arbeitsmarkt bringen!

  3. Anonym sagt:

    Sehr schön gezeichnet!

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