Sorgen

Die Sommerferien stehen vor der Tür.
Auf einer Feier trifft die Mutter DES MÄDCHENS eine langjährige Bekannte. Sie ist Schulleiterin einer Sonderschule etwas weiter weg. Regelmäßig erkundigt sie sich bei der Mutter, wie denn die Inklusion ihrer Tochter an der allgemeinen Schule so läuft.
„Du siehst bedrückt aus“, sagt sie jetzt zur Mutter, als beide am Kuchenbuffet stehen, „hast Du Sorgen mit dem Mädchen?“
„Nein, aber mit der Schule“, antwortet die Mutter. „Die Sonderpädagogin, die die Klasse unterstützt, hat angekündigt, dass sie nächstes Schuljahr nicht wieder kommt. Mit einer neuen Kraft fängt so vieles wieder von vorne an.“
„Ach, Gott, diese Sorgen kenne ich“, seufzt die Schulleiterin, „allerdings aus meiner Sicht:
Ich habe auch an meiner Schule noch niemanden gefunden, der in die inklusiven Klassen, die nächstes Schuljahr entstehen, gehen will.
Die einen wehren sich mit Händen und Füßen, und drohen mir mehr oder weniger offen, dass sie sich dauerhaft krankschreiben lassen, wenn ich sie schicke.
Die anderen sind nach einem Jahr draußen gerade wieder auf eigenen Wunsch zurückgekommen. Und ein zweites Mal kann ich sie gegen ihren Willen nicht schicken.
Die, die es gerne und mit Herzblut machen, sind schon seit Jahren an den allgemeinen Schulen und immer gleich wieder eingeplant.
Und dann sind da noch die Berufsanfänger. Die sind oft hoffnungslos überfordert. Und außerdem sind darunter auch wieder einige, die mir schon im ersten Gespräch gesagt haben: Alles, nur keine Inklusion! Eigentlich habe ich für die gar keine Verwendung… Du siehst – viel dazwischen bleibt nicht. Aber, das tröstet Dich nicht wirklich, oder?“
„Nein“, sagt die Mutter, und nimmt sich noch ein Stück Kuchen.

Die Geschichte vorgelesen …

7 Kommentare

  1. Anonym sagt:

    Tausendmal Entschuldigung wegen dem Schreibfehler von oben. Wollte schreiben Bundesministerin Frau Giffey. Leider hat die Autokorrektur am Handy Bildungsministerin umgewandelt…

  2. Anonym sagt:

    "Frau Giffey zeigt sich skeptisch Förderschulen zu schließen…."

    Da hat sie wohl recht.

  3. Anonym sagt:

    Frau Giffey ist nicht die Ministerin für Bildung, by the way…

  4. Anonym sagt:

    Das Problem liegt wie immer in der Führung! Ein Fisch fängt immer von Kopf an zu stinken.
    Unsere Bildungsministerin Frau Giffey zeigt sich skeptisch Förderschulen zu schließen. Wenn eine Bildungsministerin in Deutschland nicht verstanden hat was Inklusion,die UN Behindertenrechtskonvention bedeutet ,dann stellen sich Pädagogen in Schulen erst Recht sturr. Den schließlich zwingt keiner diese Pädagogen. Sie machen dann Inklusion nach Lust und Laune….so wie die Politiker auch. Solange es Förderschulen gibt wo man behinderte Kinder abschieben kann ,wird sich in Deutschland kaum was tun.
    Frau Giffey vertritt die Meinung dass an Förderschulen viel mehr möglich sei als in Regelschulen.
    Ich persönlich,würde ihr raten auch Mal eine Sonderschule Schwerpunkt geistige Entwicklung zu besuchen, denn dort erhalten die Kinder kaum Bildung.
    Diese Schulen behaupten weiterhin dass die Kinder differenziert,nach ihren Stärken gefordert werden.Vuelleicht sollte Frau Giffey uns dieses Phänomen beweisen und ihre eigene Kinder in solchen Einrichtungen stecken. Sie hat doch nichts zu befürchten oder?

  5. Sibylle sagt:

    @Anonym: Schön, dass es bei deinem Sohn klappt! Es gibt aber auch Berichte von Lehrer_innen, die frustriert sind, weil sie viel Diagnostik machen müssen und in dieser Zeit ihre Schüler_innen nicht unterrichten können. Oder dass Verwaltungsdinge Zeit und Nerven rauben (nicht ganz vergleichbar mit dem bürokratischen Aufwand, der sich durch ein behindertes Kind für Eltern ergibt aber trotzdem zeitraubend und nervend. Und ja, es gibt auch die Leute mit Null Motivation, ihren Job zu machen. Andere -motivierte – wollen die Kinder nicht hängen lassen und versuchen zu kompensieren, oft bis ins Burn-Out. Es gibt bös gesagt immer Leute, die keinen Handstreich zu viel machen aber so tun als wären sie Helfen der Arbeit. Gibt es die in anderen Branchen nicht auch?

  6. Anonym sagt:

    Ich weiß nicht, was aus Sicht eines Sonderpädagogen "so schlimm" ist, daß sich nur wenige finden lassen, die "das machen wollen".
    Bei meinem Sohn in der Inklusion arbeitet eine Sonderpädagogin, bei der ist es genau anders herum, die möchte "nur" in der Inklusion arbeiten.
    Sie sagt, daß die besonderen Kinder bei inklusiver Beschulung mehr lernen und selbstständiger werden.

    Ich selbst arbeite in der freien Wirtschaft und bei uns wäre es ein absolutes "No Go" mit Krankschreibung zu drohen, wenn einem was nicht paßt.
    Es wird vielmehr erwartet, sich an veränderte Verhältnisse anzupassen und Flexibilität zu zeigen.
    Ich muß die Bereitschaft haben, mich durch Fortbildung weiter zu bilden, um besser mit neuen Anforderungen fertig zu werden.

  7. Sibylle sagt:

    Das liegt anaber manchmal weniger an den Lehrer_innen, sondern an den fehlenden inklusiven Strukturen. Manche Kinder brauchen ab und zu Rückzugsräume oder zeitweise intensive Betreuung, also jemanden der sich auf sie einlassen kann ohne dass er/sie 700 Nebenpflichten hat. Natürlich geht das auch in inklusiven Settings. Allerdings: Wenn man sieht was das Kind bräuchte und lernen könnte, hätte man mehr Zeit seinen Job gut zu machen, kann aber nur gelegentlich auftauchen und eine Kollegin beraten,die sich leider nicht verfielfältigen kann, dann tut das niemandem gut.
    Vielleicht sollte man sich an Kanada und Südtirol orientieren, wie die das organisiert kriegen. Ich studiere in Österreich "Inklusive Pädagogik" auf Lehramt.

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