Die Nachhilfelehrerin

DAS MÄDCHEN tut sich am Ende seiner Grundschulzeit sehr schwer.
Die Klassenlehrerin trifft sich mit der Mutter und macht ihr einen Vorschlag:
Man könne für das Mädchen eine „Nachhilfelehrerin“ beantragen. Die würde dann immer zwei oder drei Stunden in der Woche kommen und mit dem Mädchen arbeiten.
Die Mutter findet das eine gute Idee und unterschreibt die dafür nötigen Formulare.
Und die Nachhilfe wirkt: Das Mädchen schreibt immer bessere Zensuren.
In seinem Zeugnis in der vierten Klasse werden sogar einige Einsen stehen.
Aber die Mutter erhält nicht, wie die anderen Eltern, eine Grundschulempfehlung zugeschickt.
Sie fragt die Nachhilfelehrerin: „Ich brauche die doch für die Anmeldung in der weiterführenden Schule!“
„Sie können Ihre Tochter gar nicht selbst irgendwo anmelden“, erklärt diese, „das läuft bei den Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf doch alles übers Schulamt.“
„Auch nicht auf unserer Hauptschule? Sie hat doch jetzt so gute Noten!“ Die Mutter kann es nicht fassen.
„Das sind ja die Noten auf Förderschulniveau. Das Mädchen hatte doch immer viel leichtere Klassenarbeiten als die anderen“, erklärt die Lehrerin weiter. „Ich selbst komme ja auch von der Förderschule!“
Die Mutter schüttelt den Kopf. „Jetzt verstehe ich gar nichts mehr…“

Die Geschichte vorgelesen …

13 Kommentare

  1. anonym sagt:

    Ja, es ist wirklich unglaublich, dass die Mutter erstens so im Unklaren gelassen wurde und das sie sich zweitens nicht näher danach erkundigt hat, welche Arbeiten ihr Kind nun schreibt oder was das für eine Lehrerin ist, die da kommt. Das es nicht auffällt, wenn die Arbeiten plötzlich so viel leichter sind als früher, kann ich mir nur so erklären, dass die Mutter nicht so darauf geachtet und nur gesehen hat, dass da jetzt eine bessere Note steht als früher und das sie gedacht hat: " Super, mein Kind hat sich durch die Nachhilfe verbessert".

  2. Anonym sagt:

    Ich verstehe rein gar nichts mehr! Geht es den Müttern (wo bleiben die Väter?), Kindern, Lehrern nur um Vergleiche? Vergleiche mit wem oder was? – Noten sind bei keinem Kind, Schüler oder Schülerin ein angemessener Gradmesser. Sie sind für ALLE ein gleichermaßen unmenschlicher Maßstab und widersprechen dem Prinzip der Inklusion; genauso wie die Begrifflichkeit „zielgleich“, „zieldifferent“. Dieses Denken, Urteilen oder „Verurteilen“ in den Köpfen muss aufhören, wenn es unser aller Ziel ist, Sonderwelten wie „Sonderschulen“, Werkstätten o.ä abzuschaffen.

  3. Anonym sagt:

    Ich bin der Anonym vom 04.06.2019 11:40
    Ich antworte gerne darauf, was ich gemeint habe.
    Es handelt sich hier ja nicht um gewöhnliche Nachhilfe (die meistens darauf ausgerichtet ist das Klassenziel zu erreichen), sondern um eine Feststellung eines Sonderpädagogischen Förderbedarfs. Das zu erreichende Lernziel wird abgesengt, was bedeutet das Kind wird nicht mal mit dem Hauptschulabschluß von der Schule gehen. Festgestellt wird der sonderpädagogische Förderbedarf auch nicht erst am Ende der Schulzeit, sondern bereits in der Grundschule.
    Ich frage mich jetzt, ob nicht auch ein System möglich wäre, in welchen zusätzliche Lehrer in der Grundschule zur Verfügung gestellt werden, die spezialisiert sind, auf z.B. Dyskalkulie, LRS usw. Die Grundschulklassenlehrerin agiert hier so wie ein Allgemeinarzt und für manche Kinder gibt es dann noch die besonderen Hilfen durch die spezialisierten Lehrer.
    So hätten vermutlich viel mehr lernschwache Kinder die Möglichkeit doch noch einen Schulabschluß zu erreichen.

  4. Anonym sagt:

    Wieso haben die Lehrerin und die Mutter so aneinander vorbei geredet? Sonderpädagogischem Förderbedarf nennt hoffentlich keine Lehrerin Nachhilfe. Konnte die Mutter nicht grob verstehen, was sie da unterschreibt? Von der Mutter müssen doch auch die Klassenarbeiten unterschrieben werden, es fällt doch auf, wenn diese plötzlich so viel einfacher als davor sind. (gekürzt)

  5. Anonym sagt:

    Lieber Anonym 11.40, ich verstehe den Satz nicht"Was haben"lernschwache"Kinder von diesem System?
    Schüler sind in der Schule nicht in allen Fächern Einserschüler.Es gibt genug Kinder, die in Mathematik Viererschüler(lernschwach) sind aber in Biologie oder Geographie,zum Beispiel, Einserschüler sind.Kann man dann über diese Schüler, die in Mathe keine Einserschüler sind, sagen"Was haben diese"lernschwache" Kinder,eigentlich von diesem System?

  6. Anonym sagt:

    An Anonym,11:40 Jedes Kind, egal ob behindert oder nicht, hat Vorteile durch Nachhilfeunterricht. Kinder lernen, doch nicht für Noten, sondern fürs Leben.Wenn Kinder lesen und schreiben können werden sie selbständiger. Mein Kind hat kein Abschluss geschafft, aber es ist durch Förderung im Lesen,Schreiben,Rechnen selbständiger geworden!

  7. Anonym sagt:

    Was mich hier irritiert:es gibt doch zielgleiche und zieldifferente Beschulung. Warum wurde die zieldifferente Beschulung der Mutter nicht mitgeteilt??? Das ist unglaublich…

    Aber selbst bei zielgleicher Beschulung ist es so, dass die Möglichkeiten eingeschränkt werden, weil selbst ein Kind das zielgleich gute Noten hat dann Schwierigkeiten bekommen wird auf einem Gymnasium akzeptiert zu werden, selbst mit uneingeschränkter Gymnasialempfehlung. Hier gibt es offiziell nur vier GL- Gymnasien in der Großstadt und zwei davon haben mir mitgeteilt sie seien „nur aus Versehen“ auf der GL- Liste gelandet, „solche“ Schüler nähmen sie nicht.

    Ganz super…(gekürzt)

  8. Anonym sagt:

    An unserer Hauptschule gibt es Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Sie schaffen überwiegend keinen Hauptschulabschluss. Wir lösen den Förderschwerpunkt nur ab, wenn wir sicher sind, dass der Abschluss geschafft werden kann. Denn mit dem Ablösen des Förderschwerpunkts entfallen möglichen Hilfen für die Berufsschule oder Ausbildung nach Klasse 10.
    Ich finde es auch einen Fehler Noten zu vergeben, wenn das Kind nicht die gleichen Arbeiten/Tests geschrieben hat, wie die Regelschulkinder. Denn dann kommt es zu solchen Missverständnissen, wie in der Geschichte beschrieben.

  9. Anonym sagt:

    Habe in meinen Freundeskreis Mütter,die ein ähnliches Problem bei ihren Kinder haben. Die Kinder besuchen Sonderschulen.Deren kognitive Fähigkeiten sind besser als bei denen die schwersTbehindert sind. Die Kinder weigern sich Zuhause mehr zu lernen,weil ihnen in der Sonderschule von den Sonderlehrern immer wieder gesagt wird,dass sie Einserschüler sind.Sie können kaum lesen und schreiben!Die Eltern sind am Verzweifeln.Die Kinder haben keine Motivation mehr zu lernen weil sie kein Vergleich haben mit den Kindern,die nicht behindert sind.

  10. Anonym sagt:

    In der Geschichte steht, daß das Mädchen sehr gute Noten auf Förderschulniveau hat.
    Da fragt man sich doch, ob nicht auch ein Hauptschulabschluß möglich gewesen wäre?
    Welcher Vorteil hat das Mädchen eigentlich davon, daß es nun Förderschwerpunkt Lernen hat oder das einmal die Woche zwei Stunden eine Sonderschullehrerin kommt?
    Es wurde nur das Niveau abgesenkt, hat das Mädchen jetzt aber dadurch auch mehr und besser gelernt?
    Äußerst fragwürdig ist auch, daß die Mutter nicht wirklich über die Konsequenzen aufgeklärt wurde.
    Was haben "lernschwache" Kinder eigentlich von diesem System?
    Besser wäre es doch, mit verbesserten diktaktischen Methoden die Kinder zumindest zum Hauptschulabschluß zu bringen.

  11. Anonym sagt:

    "In Deutschland ist es auch nicht besser. Die Eltern sind ,wie die Mutter oben in der Geschichte ratlos.Ich bin mit meinem Kind in einer ähnlichen Situation! Es gibt kaum eine Unterstützung. Nach der 10 Klasse in Regelschulen ist Schluss.Ausnahme macht Hamburg(bis 11 Klasse) Es gibt keinen Abschluss weder auf einer Regelschule noch auf einer Sonderschule. Behinderte Kinder haben kein Recht sich weiter bilden zu können. Es gibt nur die Behindertenwerkstatt oder die Tagesstätte.Wenn Sie Glück haben kriegen manche die Chance ihren Hauptschulabschluss auf einer Berufsschule nachzuholen. Und wer schafft das, wenn diese Kinder während der Jahre davor kaum zur Bildung kommen durften?."…(gekürzt)

  12. Anonym sagt:

    "Es ist leider ,wie bei den meisten Kindern mit Förderbedarf in Deutschland. Aus den Förderpläne und dem Zeugnis ist kaum sichtbar auf welchen Niveau das Kind sich in Vergleich zu gleichaltrigen nicht behinderte Kinder befindet. In den Zeugnissen der Kinder mit erhöhtem Förderbedarf auf Schulen Schwerpunkt geistige Entwicklung ist es noch schlimmer. Die Zeugnisse lesen sich bei manchen Kindern wie Abenteuerbücher zu Ausflüge zu Ikea, Roller, Stadtbummel,Zoo, Kochrezepte,Sportaktivitäten…" (gekürzt)

  13. netmyller sagt:

    In Österreich ist das die "SPF-Falle": tappt man in sie, dann gibt es keine Vorschule mehr, kein Wiederholen einer Schulklasse, und die schiefe Ebene vom ASO-Lehrplan (allgemeiner Sonderschul-Lehrplan) in den "Lehrplan der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf" (füher S-Lehrplan, "S" für "Schwerstbehinderten-Lehrplan") gibt die weitere "Entwicklung" vor.
    Letzteren "Lehrplan" bekommt man, wenn man zwei Jahre lang nicht in die Jahres-Scheibenwelt des Pädagogiksystems passt. Ein grausliches Aussondersystem! Besonders perfid, mit 15 Jahren ist Schluss mit Schule – ausser man kann sich eine Privatschule leisten.

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