Fördern (zum Welt-DS-Tag)

Die Mütter haben sich auf einen Kaffee verabredet.
Beide haben sie Kinder mit Down-Syndrom.
„Du“, sagt die eine zur anderen, „neulich habe ich DAS MÄDCHEN wieder einmal getroffen.“
Ihre Kinder waren mit dem Mädchen gemeinsam in der Frühförderung.
„Es spricht doch immer noch kein einziges Wort“, sagt die Mutter.
„Noch immer nicht?“, fragt die andere entsetzt, „ja war es denn nicht bei der Logopädie?“
„Doch, ich glaube schon – aber viel zu spät. Da gehen ja ganz wichtige Zeitfenster zu, wenn man sich nicht rechtzeitig kümmert.“
Die andere Mutter nickt:  „Und es ist natürlich auch wichtig, wirklich die besten Therapeuten zu finden. Ich fahre dafür jede Woche viele Kilometer. Und zu Hause muss man ja auch noch viel machen. Es gibt so viele tolle Sprachfördermaterialien, da kommt man kaum hinterher.“
„Also, wenn das Mädchen nicht spricht, dann kann man das ja mit der Inklusion auch vergessen…“
„So ist es“, bestätigt die andere Mutter, „das war auch immer mein Ziel: Meinen Sohn so fit zu machen, dass er in eine inklusive Klasse kann.“
„Dafür ist auch Ergotherapie gut. Damit er auch bewegungsmäßig mithalten kann…“, ergänzt die Mutter.
„Ja, von nichts kommt nichts“, sagt andere Mutter, „ich habe mir da nichts vorzuwerfen!“
Und dann seufzt sie zufrieden.

Die Geschichte vorgelesen …

11 Kommentare

  1. Anonym sagt:

    Das ist sehr gut geschrieben. Ich sehe es im großen Ganzen wie Sie. Doch ist mir bei Menschen mit Down Syndrom aufgefallen,dass es eine noch größere Bandbreite gibt. So kenne ich einige, die lange Zeit Logopädie bekommen haben und nie sprechen gelernt haben. Meist haben sie die Diagnose Down Syndrom plus Autismus. Andererseits habe ich auch einige kennen gelernt, die ohne Logopädie gut sprechen gelernt haben, und auch ohne besonders fördernde Umwelt, schon vor einigen Jahrzehnten.
    Entwicklung hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, und manchmal ist ein Kind mit Down Syndrom so schwach, dass es gar nicht sprechen lernen kann und auch sich kaum mit Kommunikationshilfen ausdrückt. So geht es unserem Kind und seinem Freund. Beide wachsen in Familien mit mehreren Geschwistern und viel Kommunikation auf, und haben viel Förderung von Anfang an erhalten. Bei unserem Kind wird das Nichtsprechen in Zusammenhang mit einer sehr ausgeprägten Hypotonie gesehen. Auffallend ist, dass es zu lautieren beginnt in Phasen sehr guter Gesundheit.

  2. Anonym sagt:

    Naja, ganz so würde ich das mit den Therapien nicht unterschreiben. Logopädie kann schon sehr helfen beim Spracherwerb, Physiotherapie beim Laufen lernen etc. Die Behinderung kann man nicht heilen, aber Entwicklung unterstützen kann man schon.
    In der Geschichte geht es darum, dass die Mütter das Kind als Projekt sehen und als "Mütterwettbewerb".
    Kinder sind verschieden, ob mit oder ohne Behinderung, mit 46 oder mit 47 Chromosomen. Wenn ein Kind mit Down-Syndrom früh spricht, ist das erfreulich: es hat vielleicht in Hinblick auf die Sprache weniger Einschränkungen als andere, die Familie mag es gut gefördert haben, auch die Logopädin. Trotzdem kann es sein, dass ein anderes Kind mit Down-Syndrom bei gleicher Förderung erst sehr spät sprechen lernt. Da muss niemand etwas verpasst oder falsch gemacht haben. Es wird ja auch bei guter Förderung nicht aus jedem mit Normalsyndrom ein Einstein – und muss ja auch nicht.

    Für unsere Familie versuche ich als Richtschnur zu nehmnen: soviel Förderung wie ich das Gefühl habe, dass es uns gut tut, es unserem Kind Spaß macht und noch Zeit bleibt für Spaß, Familienleben, Schule etc. Frei nach dem Motto: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Aber ganz ohne Wasser, Erde und Nährstoffe eben auch nicht.

    Das ist auch nicht anders für Kinder ohne
    Behinderung.
    Und meine Erfahrung ist: irgendwann ist der Zeitpunkt da, dann geht das Erlernen leicht und schnell. Und vorher steht Aufwand zu Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis.
    Das kann aber sicher bei anderen Kindern auch anders sein.
    Mein Eindruck ist häufig: es wird als zu wichtig wahrgenommen, dass das Kind spricht – nicht, ob das Kind kommunizieren kann. Wichtig ist, den Austausch zu ermöglichen. Und wenn Sprache noch nicht geht, frühzeitig Gebärden, Talker oder sonst. Methoden der unterstützen Kommunikation nutzen, bis die Sprache dann kommt.

  3. Anonym sagt:

    Man kann zum Beispiel ein autistisches Kind durch Therapien nicht zu einem nichtautistischen Kind therapieren. Therapien sind nicht da um ein Kind zu heilen.Die Mütter in der Geschichte denken,dass ihre Kinder wegen den vielen Therapien die Sprache erlangt haben. Man kann einem Kind mit Down Syndrom durch Therapien,das Syndrom und die Probleme die mit sich bringen ,auch nicht weg heilen. Therapien sind da um den Kindern mit Behinderungen und deren Angehörige zu helfen mit der Behinderung besser zu leben,es besser zu verstehen.Einem Kind das ohne Beine zur Welt kommt ,werden durch Therapien nicht die Beine wachsen. Kindern,die nicht sprechen,die wegen einer Sprachstörung nie das Sprechen erlangen werden, wird geholfen mit unterstützten Kommunikation sich auszudrücken. Eltern lernen damit umzugehen und benutzen Piktogramme oder Talker.Sie belesen sich, besuchen Kurse die Ihnen helfen Talker zu benutzen. So ist es mit den Lehrern auch. Sie brauchen auch Fortbildungen um die behinderten Kinder besser zu verstehen.Ich habe ein behindertes Kind und habe von den Lehrern oder Therapeuten nie erwartet,dass sie mein Kind heilen.War dankbar wenn sie sich die Mühe gemacht hatten es zu verstehen. Nur so konnten sie dann mit ihm auch arbeiten.

  4. Anonym sagt:

    Diese "Mein Kind ist besser als deins, weil ich die bessere Mutter bin"-Mentalität stößt mich ab. Aber hier in den Zusammenhang irritiert mich die Story trotzdem. Das Kind soll doch so viele Fähigkeiten wie möglich vermittelt bekommen. Deshalb ja die Forderung an Schule und Lehrer, das mögliche Potential des Kindes nicht zu unterschätzen und zu fördern. Aber warum gilt das nicht für die Therapien, die das Kind fördern und es ihm ermöglichen, sich aufzubauen, seine Stärken zu unterstützen und es weiterzubringen?

  5. Anonym sagt:

    In manchen Bundesländern in Deutschland ist es vorgegeben, dass die Kinder mit sechs eingeschult werden müssen. Vor ein paar Jahren war es so,dass Eltern noch die Entscheidungsfreiheit hatten zu wählen ob Ihre Kinder mit sechs oder sieben eingeschult werden sollten.Ein Schuleignungstest wurde auch noch durchgeführt.Man hat dies dann geändert. Die Schulen müssen die Kinder jetzt so nehmen, wie sie sind. Sie verpflichten sich den Kindern die Stifthaltung beizubringen. Es wird nicht mehr erwartet, dass die Kinder sich dem Schulsystem anpassen, ihren Namen aufschreiben können, Buchstaben schon kennen u.s.w. Das ist auch Inklusion!Jeder wird so genommen wie er ist!
    Die Mütter in der Geschichte denken dass Sie ihre Kinder für Inklusion vorbereiten müssen,indem sie die Kinder zu zig Therapien schicken, damit sie sich den anderen Kindern anpassen können. Es ist so als ob die afroamerikanische Bevölkerung, als deren Kindern auf Schulen für Weiße zugelassen worden sind,vorher ihre Kinder zur Therapien geschickt hätten um ihre Haut zu bleichen, damit sie sich den Weißen in Schulen anpassen sollen.

  6. Anonym sagt:

    Na klar, schließlich sind wir alle Automaten: man muss nur das Passende oben reinwerfen, dann kommt auch das Gewünschte unten raus.

  7. Anonym sagt:

    Ob Stillen, Arbeiten oder nicht oder bei behinderten Kindern fördern – das Schlimmste für Mütter sind oft Mütter.
    Das wichtigste für Kinder ist, geliebt zu werden und akzeptiert zu werden, wie man ist. Das gilt nicht nur für "besondere Kinder". Daneben: Spaß haben und Leben – und fördern kann auch der Alltag hervorragend. Jeder muss seinen Weg finden. Es gibt tolle Förderangebote, aber man muss gucken was für einen selbst, das Kind und die restliche Familie passt. Das ist bei jeden anders. Einfach nicht verrückt machen lassen von anderen.
    Und Inklusion hängt nicht davon ab, was ein Kind kann, sondern ob sie gelebt wird.
    Und nur so, weil es vielleicht manchen Mut macht: unser Sohn ist 8, hat super gebärdet, aber bei Einschulung (Inklusion trotz fehlender Sprache) nur 2 Worte gesprochen – jetzt spricht er ganze Sätze, zwar noch sehr undeutlich, aber auch das wird besser. Auch ohne Lautsprache war er gut integriert, hat super gelernt und geht gerne zur Schule. Und weil auch immer mal wieder manche meinen (oder leider das auch so gesagt bekommen): auch Windeln sind kein Inklusionshindernis (und waren bei uns in der Klasse noch nie Thema).
    Einfach nicht beirren lassen… Jedes Kind, jeder Mensch und jede Familie ist wie sie ist – solange es für die Betroffenen passt, ist es gut.

  8. Anonym sagt:

    Man sollte in dieser Geschichte das Wort Mutter auch in Grossbuchstaben schreiben!

  9. Anonym sagt:

    Muss es oben in mein Kommentar präziser ausdrücken.Bitte das Wort Mütter grossschreiben,die über die Mutter des MÄDCHEN lästern.

  10. Anonym sagt:

    Wieder mal solche Mütter,die sich für was besseres halten! Solche Mütter trifft man auch in Foren von behinderten Kindern auf FB. Sie klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und halten sich für was besseres. Weder eine noch die andere hat verstanden was Inklusion ist! Weder eine noch die andere hat die Bedeutung der Therapien verstanden. Man schämt sich einfach fremd wenn man das liest. Man hätte sich gewünscht dass die Wörter in der Geschichte der beiden Mütter groß geschrieben worden wären. So hätten sie für ihre Einstellung wenigstens eine Entschuldigung!So kann man deren Haltung einfach nur als Arroganz bezeichnen!

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