Die Hauptsache

Die Familie fährt U-Bahn. Die Mutter steht mit DEM JUNGEN im Gang. Er ist noch ganz klein und liegt im Kinderwagen.

Seine beiden großen Brüder sitzen neben zwei älteren Damen. Die Damen unterhalten sich sehr nett mit ihnen.

Als sie aussteigen müssen, zeigt eine der Damen auf den Kinderwagen und sagt zur Mutter:

“Na, da haben Sie jetzt hoffentlich ein Mädchen drin!”

Die Mutter lacht. “Nein, auch einen Jungen! Das kann man sich ja nicht aussuchen!”

“Da haben Sie recht”, sagt die Frau, “Hauptsache gesund!”

Dann schaut sie in den Kinderwagen. Dann sagt sie nichts mehr. Sie murmelt nur noch etwas.

Sie zieht die andere Dame mit sich, und beide steigen sehr schnell aus.

Die Geschichte vorgelesen …

13 Kommentare

  1. Anonym sagt:

    Mit der Floskel "Hauptsache gesund" ist doch eigentlich immer "Hauptsache nicht behindert" gemeint.
    Als Elternteil eines Kindes mit Behinderung verletzt es dich jedes mal aufs Neue. Denn es heißt auch "Das Kind ist nicht Willkommen".

  2. Anonym sagt:

    Das sehe ich nicht so, aber wenn eine unbedachte Frage dich mitten ins Herz trifft und das immer wieder und wieder, das ist so anstrengend. Für "Außenstehende" ist das oft nicht nachzuvollziehen. Warum fängt sie denn an zu heulen, ich habe doch nur was gefragt. Ja, genau das war das Problem, weil dahinter ja irgendwo steht DU BIST ANDERS ALS WIR!
    Übrigens, krank heißt nicht behindert. Ein Kind mit Down Syndrom ist vielleicht krank, wenn es Schnupfen hat.

  3. Anonym sagt:

    Eigentlich lernt man hier nur, dass man sich von Kindern und deren Eltern im Alltag fernhalten sollte. Jede freundliche Ansprache kann immer missinterpretiert werden. Ja, es gibt die Allgemeinplätze, ein Mädchen nach 3 Jungen gewünscht, ein Junge nach 3 Mädchen gewünscht. Und ein gesundes Kind darf man nun auch nicht mehr wünschen, ohne was falsch zu machen. Am besten, so weit wie möglich Abstand von Eltern und Kindern halten, so lieb es gemeint sein könnte, man macht es immer verkehrt. Im Alltag fernhalten von Eltern und Kindern, und niemals nicht was sagen.

  4. Anonym sagt:

    Die Welt ist kompliziert. Vielleicht liegt im Kinderwagen aber ein Junge mit einer noch nicht geschlossenen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte?! So wie einst unser Kind. Dann kommt es zu solchen Reaktionen.

  5. Anonym sagt:

    Antwort an Daniel Rehbein
    In der Geschichte geht es ehere um die Reaktion der Damen,nachdem die eine Dame in den Kinderwagen reingeschaut hat."Dann schaut sie in den Kinderwagen.Dann sagt sie nichts mehr.Sie murmelt nur noch etwas.
    Sie zieht die andere Dame mit sich,und beide steigen sehr schnell aus"
    Vermutlich zog die eine Dame die andere schnell aus der Bahn mit sich,weil es ihr vielleicht wegen ihrer Aussage Hauptsache gesund peinlich war.Sie bemerkte vermutlich,dass sie ins Fettnäpfchen getreten hatte.

  6. Ich verstehe die Geschichte nicht. Wieso ist der Dame das Geschlecht des Kindes im Kinderwagen so wichtig? Wie kommt sie auf diese vorwurfsvolle Formulierung "Da haben Sie jetzt hoffentlich…", so als wäre ein dritter Junge etwas Schreckliches und als könnte die Mutter das Geschlecht der Kinder gezielt aussuchen?

    Und was sieht die Dame schlimmes in dem Kinderwagen, das sie verstummen und die Flucht ergreifen lässt? Ist da irgendetwas, was im Widerspruch zu ihrer Aussage "Hauptsache gesund" steht? Das in Großbuchstaben geschriebene "DER JUNGE" ist in diesem Blog ja meist ein Zeichen dafür, daß es sich um ein Kind mit einer Behinderung handelt, aber nicht mit einer Krankheit. Wo ist der Bezug zu der Aussage "Hauptsache gesund"?

    Die Überschrift des Textes "Die Hauptsache" legt nahe, daß die Aussage "Hauptsache gesund" eine Kernaussage des Textes sein soll. Aber wie passt es zusammen? Die Aussage "Hauptsache gesund" wird ja erst getroffen, nachdem die Mutter sagt, daß in den Kinderwagen ein Junge liegt. Wenn in dem Kinderwagen ein Mädchen läge, wäre es dann egal, ob dieses gesund oder krank ist?

    Als die Dame in den Kinderwagen hineinschaut, sieht sie dann vielleicht etwas, was bei ihr den Eindruck erweckt, es wäre doch ein Mädchen? Glaubt die Dame also, die Mutter hätte sie angelogen? Hat der Junge vielleicht ein Schleifchen im Haar, also etwas, was nicht den traditionellen Rollenbildern der Geschlechter entspricht? Aber das würde doch im Text stehen?

    Wie ich es auch drehe und wende – ich finde keine logische Zugang dazu, was da passiert sein soll. Ich habe den Eindruck, in dem Text fehlen noch ein paar Informationen, die zum Verständnis notwendig sind.

  7. Anonym sagt:

    Diese Floskel "Hauptsache gesund!",müssen sich so oft auch werdende Eltern anhören,wenn sie nach dem Geschlecht des Kindes gefragt werden. Viele werdende Eltern können diese Floskel auch nicht mehr hören. Diese Erfahrung machen,denke ich, die meisten Eltern.Ich fragte mich manchmal auch was diese Menschen damit meinen? Denken sie dass die Eltern sich lieber ein krankes Kind wünschen mit Wunschgeschlecht als ein gesundes mit dem nicht Wunschgeschlecht ? Ich denke dass sehr oft diese Sprüche unbedacht vor sich hin gesagt werden,ohne viel darüber nachzudenken. Vielleicht wollen sie ihren Mitleid zum Ausdruck bringen oder trösten .Sie denken vermutlich dass solch ein Spruch angebracht ist. Solch ein Spruch ist aber so oft fehl am Platz!

  8. Anonym sagt:

    Dumme Redewendungen: Na, alles gesund und munter! beim Erstkontakt nach der Geburt
    Mein Zahnarzt fragte mich dies, nach der Geburt meines Kindes, da ich ganz ordentlich ja auch in der Schwangerschaft zur Zahnarztkontrolle war und er Smalltalk machen wollte. Selbst Mediziner – und Jungvater – denken einfach nicht nach: Gesund zur Welt zu kommen ist ja so normal!
    Ich antwortete damals: ja alles ist munter, gesund nicht so ganz(jetzt bitte keine politische Korrektheit einfordern). Immerhin merkte der Arzt in welches Fettnäpfchen er getreten war. Deshalb Öffentlichkeitsarbeit- no goes im Zusammenleben – Sätze die wir nicht mehr hören können usw usw veröffentlichen ; scheinbar eine never ending story

  9. Anonym sagt:

    Das finde ich gut. Ich habe Depressionen und eine Angststörung und bin mir sicher, dass viele Menschen mit Down Syndrom oder Lernschwierigkeiten wesentlich glücklicher sind als ich. Glücklich sein hat nichts mit einer Behinderung zu tun.

  10. Anonym sagt:

    Das kann ich nicht so bestätigen. Wir haben das anders erlebt. Insgesamt erleben wir sehr viele positive Reaktionen auf unser behindertes Kind, auch gerade von älteren Menschen. Negative Reaktionen, die selten vorkommen, oder absolute Ignoranz erlebt man genauso von Jüngeren. Ich kann da keinen altersabhängigen Unterschied erkennen…

  11. Anonym sagt:

    Und sehr vielen gerade geistig Behinderten sieht man ihre Behinderung gar nicht an . Es sind wie beim Autismus meist sogar recht hübsche Kinder. Und da die Mitmenschen immer gerne erst nach dem ersten Blick beurteilen , wundert sich manch einer das dieses oder jenes eben nicht selbstverständlich gekonnt wird . Dann wird sehr gerne mal die Argumentation herausgeholt , das Kind sei ja sehr schlecht erzogen . Behinderte Leben heutzutage noch immer viel zu sehr unter ihresgleichen und werden aussortiert. Sehr sehr traurig !

  12. Anonym sagt:

    Wir saßen neulich in einer größeren Gruppe beim Kaffeetrinken, dabei auch einige Erwachsene mit Down-Syndrom und einige mit einer Lernbehinderung. Das Gespräch kam auch auf solche blöden Situationen. Wir haben beschlossen, dass eine gute Antwort auf so eine Reaktion "Hauptsache glücklich!" ist. Eine Behinderung kann man schließlich jederzeit im Lauf des Lebens erwerben.

  13. Anonym sagt:

    Oh ja! So was kenne ich bei meinem behinderten Sohn auch. Wenn wir mit dem Bus unterwegs sind erleben wir ähnliches. Mein Sohn führt manchmal Selbstgespräche,summt Lieder vor sich hin oder wedelt mit den Händen.Sehr oft erleben wir,dass die älteren Herren und Damen den Sitzplatz wechseln.Interessant ist zu sehen,dass wir diese Erfahrung nur mit der älteren Generation machen. Viele junge Menschen nehmen das wie selbstverständlich hin .Sie stellen Fragen .Sie wollen dann wissen,welche Behinderung mein Sohn hat.Sie erzählen von behinderten Kindern aus ihrem Bekanntenkreis. Wir stellen immer wieder fest,dass die junge Generation diese Berührungsängste nicht haben. Sie gehen offener damit um. Es zeigt uns ,wie wichtig Inklusion ist. Viele von den älteren Damen und Herren,die im Schulzeitalter des Separatismus aufgewachsen sind, fehlt diese Begegnung mit behinderten Menschen.Die neue Generation,die im Schulzeitalter der Integration und dem bisschen Inklusion aufwachsen, gehen mit Behinderung ,mit Menschen,die anders sind, viel offener und toleranter damit um.

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