Aufgaben

Die Mutter ist beunruhigt. DER JUNGE rennt seit einiger Zeit nur noch durch die Schule und die Schulbegleiterin hinterher. So schildert es jedenfalls die Schulbegleiterin.

Was ist los? Die Mutter sucht ein Gespräch mit den Lehrerinnen.

„Ja, Ihr Sohn ist wirklich sehr unruhig zurzeit. Er springt immer wieder auf. Er versucht, aus dem Klassenzimmer zu laufen. Er ist dann oft so aufgeregt, dass er vergisst, zur Toilette zu gehen…“, berichtet eine der Lehrerinnen.

Die Mutter ist ratlos. „Ich verstehe das nicht: Eigentlich rechnet er doch so gerne mit dem Material, das Sie ihm immer wieder geben. Und Erdkunde liebt er ja über alles. Stundenlang kann er sich zu Hause mit dem Globus beschäftigen.“

„Ja, aber, damit wir ihm all das überhaupt anbieten können, muss er erst einmal lernen, sitzen zu bleiben und zuzuhören“, ergänzt die andere Lehrerin.

„Moment“, fragt die Mutter nach, „Sie bieten ihm das zur Zeit gar nicht an?“

„Nein“, bestätigt die Lehrerin. „Wir hatten das doch schon einmal ausführlich beim Thema Englisch besprochen: Erst wenn er gescheit Deutsch sprechen kann, kann er auch Englisch lernen. Und so ist das auch hier: Zuerst sitzen bleiben, dann Rechnen und Erdkunde.“

„Dann verstehe ich auch, warum er rumrennt, wenn er doch gar keine Aufgaben bekommt!“, seufzt die Mutter.

„Doch, die bekommt er“, korrigiert die Lehrerin. „Aber zuerst muss er sitzen bleiben. Und nicht mehr in die Hose machen!“

Die Geschichte vorgelesen …

5 Kommentare

  1. Meilenzugehen sagt:

    Diese Geschichte riecht : nach Eltern, die bildlich gesprochen einen roten Punkt auf der Stirn haben versus Medikamentenkoffer Lehrkraft. Sieht so Professionalität und Loesungskompetenz im Jahr 2022 aus?

  2. Claudia sagt:

    Oh je, wieder mal so eine Geschichte bei der ich heulen könnte. Das sind Pädagogen! Was bitte schön lernen die im Studium?

  3. Anonymous sagt:

    Der Junge möchte einfach in der Schule LERNEN. Nach seinen Möglichkeiten. Warum wird es ihm in dieser Geschichte verwehrt? Weil man es ihm nicht zutraut oder weil man es ihm nicht zutrauen will? Wie muss es sich für ihn anfühlen, so behandelt zu werden. Durch die Worte, die er in diesem Zusammenhang im Schulbereich mitbekommt, wird es sicherlich auch nicht einfacher für ihn. Auch eine Methode, stur nach 08/15 zur arbeiten. Schade, denn wenn ein Kind sich gerne mit Rechenmaterial und dem Globus beschäftigt, so sollte die Förderung doch gerade hier ansetzen. Denn dann klappt das auch mit dem ruhig sitzen. Und das Lernen gibt es dann noch obendrauf.

  4. Anonymous sagt:

    Diese Geschichte könnte auch von uns sein. Dieser Teufelskreis. Wie das Altbekannte: obdachlos weil ohne Arbeit und ohne Arbeit weil obdachlos. Schüler* hat nicht die “richtige Haltung” zum Arbeiten, solange bekommt Schüler* auch kein Angebot et vice versa.
    Die Haltung ging verloren ohne Angebot…, bis die Inklusion…

  5. Moma sagt:

    Grandioses Bild. ♥️
    Geschichte zum Seufzen.

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