Der Bericht

Praktikumswoche in der Schule.
Auch die Schüler mit Behinderung haben mit Hilfe ihrer Eltern Praktikumsplätze gefunden.
Danach geht es um die Auswertung.
Die Sonderpädagogin teilt DEM MÄDCHEN einen Bogen aus, den sie aus der Sonderschule mitgebracht hat.
Zwei Uhren sind dort abgebildet. Auf denen soll das Mädchen einzeichnen, wie lange es gearbeitet hat.
Dann gibt es drei Spalten für: „Das habe ich gemacht“.
Und am Ende die Auswertung: „War dein Chef zufrieden mit dir?“ Drei Smilies zum Ankreuzen.
Zu Hause schaut sich die Mutter das Blatt an. Etwas ratlos dreht sie es um. Nein, mehr gibt es nicht auszufüllen.
Als sie die Sonderpädagogin das nächste Mal sieht, fragt sie: „Warum wurde meine Tochter denn nach dem Praktikum beim Auswertungsbericht gar nicht gefragt, wie es ihr gefallen hat?“
„Das fand ich nicht so wichtig“, sagt die Lehrerin, „viel Auswahl haben die Behinderten später ja ohnehin nicht!“

Die Geschichte vorgelesen …

11 Kommentare

  1. Kerstin sagt:

    Aber – und dies ist leider Fakt und gehört hier erwähnt – auch ein behinderter Mensch hat ein Recht darauf sich mitteilen zu dürfen und will, kann und MUSS ernst genommen werden!
    Mich macht das betroffen und ich finde das zutiefst bedauerlich.
    Dieser Mensch hat genauso gearbeitet, genauso das Praktikum absolviert und höchstwahrscheinlich genauso viel Freude, Frust und unterschiedliche Eindrücke erhalten wie alle anderen auch.
    Das wir im Jahre 2021 noch immer solche Unterschiede ziehen ist traurig. Aber Hauptsache wir können uns angemessen auf Genderebenene unterhalten.

  2. Wolf-Dietrich Trenner sagt:

    Ja, und Schule ist ja so unersetzlich und gut. Da wird mir als Vater der Vorteil der inklusiven Beschuhlung aber nicht so recht deutlich.

  3. Anonym sagt:

    Wenn es die Mutter interessiert, kann sie doch ihre Tochter selber fragen, ob ihr das Praktikum gefallen hat. In der Arbeitswelt ist das wenig relevant. Die Lehrerin denkt realistisch.

    • Marie sagt:

      Mag sein. Ich wette, spätestens dann hat die Mutter ihr Kind gefragt 😉
      Aber ehrlich. Sowas als Lehrkraft zu fragen, gehört zum pädagogischen 1×1, der Realismus kommt früh genug…

  4. Anonym sagt:

    Die Antwort der Lehrerin war sehr ungeschickt, unpassend. Nur, was würde es ändern, ob dem Kind das Praktikum gefallen hat oder.nicht. Am Ende entscheidet die Firma, der Chef, ob das Kind gefallen hat, überzeugen konnte. In den Unterlagen für die Praktikumsfirmen wird eher selten gefragt, was die Praktikanten denken. Das mag ein Defizit sein, gilt aber für alle. Hashtag Inklusion

    • HFA 2016 sagt:

      Es wäre für die berufliche Orientierung interessant, ob es dem “Kind” gefallen hat. Man kann auch im Schülerpraktikum feststellen, dass der bisherige Traumberuf nicht das ist, was man sich vorgestellt hat, oder dass es das Richtige ist. Deshalb finde ich es auch wichtig, beide Seiten anzuhören. Es wäre interessant, ob die Mitschüler ohne Behinderung gefragt wurden. In dem Fall würde wieder mit zweierlei Maß gemessen.

  5. Robert sagt:

    Manchmal „ darf“ man schon zufrieden sein, dass ein schriftlicher „ Bericht“ überhaupt ausgehändigt wurde. Über die Qualität schweigen wir dann besser einmal. Wo keine Lobby, wenig Schulaufsicht und gesetzlich. Vertretungsrechte in der Politik ….

  6. Marie sagt:

    Schlimm. Ich weine und tobe innerlich. Kann mir hier auch beim besten Willen nicht ausmalen, welche gut gemeinten Gründe dafür als Entschuldigung dienen könnten…

  7. 0mega ☠ [hz] sagt:

    @kirsten1 Wow, das ist übel :/@⛳ rebel 👍

  8. Svenauskr sagt:

    @kirsten1 Was für eine blöde Kuh ist das denn bitte schön??? Also da hätte ich mich als Elternteil direkt an die/den Schuldirektor-in gewannt. Sowas geht ja mal gar nicht. 😡

  9. ɟloʍ sagt:

    @kirsten1 was für “gute” Pedagog:innen wir doch haben.

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