Große Sorgen

Die Mutter trifft eine Freundin in der Stadt.
„Und, wie geht’s so?“, fragt diese.
Sie hatte immer den Weg der JUNGEN FRAU interessiert mit verfolgt.
„Na ja… nicht so gut“, antwortet die Mutter vorsichtig.
„Ja“, antwortet die Freundin seufzend, „wir machen uns ja alle Sorgen, und es geht uns irgendwie allen nicht so gut, so ohne die sozialen Kontakte: Kein Kino, keine Konzerte – nur ein bisschen Shopping und mal was gemeinsam kochen mit Freunden ist mir geblieben!“
„Meiner Tochter ist irgendwie gar nichts geblieben“, sagt die Mutter, „dabei war sie schon so weit!“
Und sie erzählt, dass die junge Frau schon seit Wochen nicht mehr arbeitet, weil der Betrieb geschlossen ist. Dass sie nicht mit zum Einkaufen geht, weil sie zur Risikogruppe gehört. Dass sie wieder zu Hause bei den Eltern wohnt, weil ihr ganzer gewohnter Alltag weggebrochen ist und die Mitarbeiter der Dienste, die sie unterstützt haben, nicht kommen dürfen. Und dass sie die paar Freunde, die sie hat, gar nicht mehr sieht.
„Und meine größte Sorge ist“, beendet die Mutter die Aufzählung, „wie es nach dem Ende der Pandemie weitergeht für sie. Wird sie es schaffen, ihr Leben wieder eigenständig zu gestalten? Und wenn sie es schafft, wie lange wird es dauern?“
„Oh je“, sagt die Freundin mitfühlend. Und nach einer kleinen Pause: „Das sind wirklich große Sorgen!“

Die Geschichte vorgelesen …

4 Kommentare

  1. Anonym sagt:

    Warum schreiben die beiden Kirstens hier diese Geschichten? Ich glaube man nennt es (auch) Öffentlichkeitsarbeit und Interessensvertretung. Diese darf durchaus einseitig und deutlich sein. Bsp: die Autolobby schreibt auch nicht über die Gesundheit des Waldes. Vielleicht war die Behindertenlobby viel zu lange zu still und zu brav.

  2. Sabine sagt:

    Sorgen sind etwas sehr persönliches. Was für den einen ein großes Problem darstellt, ist für den anderen ein Staubkorn, Ich kann mich sorgen, ob ich am 3. Advent im Supermarkt noch Backzutat x für die Weihnachsbäckerei problemlos bekomme oder ob mein jugendliches geistig beeinträchtigtes Kind mit 16 Jahren vielleicht doch noch in die Impfempfehlung der STIKO zur COVID Impfung aufgenommen wird. Von daher unterscheide ich für mich schon in große und kleine Sorgen – völlig ohne Wertung über andere.
    In der Geschichte kommt eher eine (Für)Sorge für eine dritte Person – nicht die eigene Person- rüber. Diese Fürsorge dürfte wahrscheinlich gesamtgesellschaftlich positiv besetzt sein.

  3. Momar sagt:

    Das Bild trifft es mal wieder großartig!

  4. Anonymous sagt:

    Auch ich kann Sorgen anderer oft nicht nachvollziehen, im Vergleich zu meinen, die mit einer Behinderung zusammenhängen.
    Aber auch Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen sollten sich nicht anmaßen, über Sorgen anderer Menschen zu urteilen.

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