Der Polizist

DER JUNGE ist viel unterwegs: Schon früher ist er alleine zur Schule gefahren. Auch den Arbeitsweg schafft er gut. Und auch in der Freizeit nutzt er öffentliche Verkehrsmittel.
Auf seinen regelmäßigen Wegen kommt er an einer Polizeiwache vorbei. Die Mutter hat ihm eingeschärft: Wenn es einmal Probleme gibt, gehst Du da rein. Die Polizei – dein Freund und Helfer!
Jetzt ist die Mutter zu Hause, und das Telefon klingelt.
Ein Polizist ruft an. Der Mutter bleibt kurz das Herz stehen:
„Ist meinem Sohn etwas passiert?“, fragt sie erschrocken.
„Nein, nein“, beruhigt sie der Polizist, „er ist hier, aber wir wissen nicht so genau, was er will. Wir verstehen ihn nicht so gut.“
Dann ist der Junge am Telefon und erklärt laut und aufgeregt. Aber auch die Mutter versteht ihn nicht wirklich. Erst abends wird sich aufklären, dass er auf dem Weg einen 10-Euro-Schein verloren hatte, aber unbedingt noch einkaufen wollte.
Die Mutter wendet sich wieder an den Polizisten: „Ich verstehe auch nicht so genau, was los ist. Er soll einfach nach Hause kommen.“
Der Polizist druckst ein bisschen herum: „Na ja, was ich Sie eigentlich fragen wollte: Hat es denn seine Richtigkeit, dass er alleine unterwegs ist ohne…“
„Ohne Eltern?“, lacht die Mutter, „ja, klar. Er ist ja schon ein junger Mann!“
„Nein“, sagt der Polizist, „so ganz ohne Betreuer oder Pfleger.“

Die Geschichte vorgelesen …

15 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    Wenn ich manche Kommentare so lese, frage ich mich, ob die Kommentatoren eigentlich das Konzept dieses Blogs verstanden haben: ZWISCHEN Inklusion und Nixklusion. Es gibt doch im Leben selten schwarz – weiß, sondern viele Grautöne. Auch in vielen Geschichten hier. Natürlich ist es umsichtig und aufmerksam, dass der Polizist nachfragt. Aber er hat eben auch – wie so viele – viele Klischees über Menschen mit Behinderung verinnerlicht.

    • Anonymous sagt:

      Ihr Blog hat vermutlich keine Kommentarfunktion.
      Manche hier haben es anscheinend nicht verstanden warum Kommentare in einem Blog wichtig sind.
      Dass Nutzer über Themen, die Sie bewegen, diskutieren sich austauschen können, ist ein wichtiger Baustein einer jeden Gemeinschaft. Jeder hat seine eigene Erfahrungen, ähnlich wie der Polizist, in seinem Leben gemacht und darf es zum Ausdruck bringen. Warum nicht?

      • kirsten1 sagt:

        Unser Blog hat, wie Sie sehen, natürlich eine Kommentarfunktion, und zwar vom ersten Tag an. Kommentare, die von uns freigegeben werden. Sie können gerne unsere Geschichten kommentieren. Wenn Sie sich zu (anderen) “Themen austauschen” möchten, die “sie bewegen”, machen Sie bitte einen eigenen Blog oder wählen Sie andere Formate im Internet.

        • Daniel Rehbein sagt:

          Ich sehe seit den Urlaubsgeschichten zum ersten Mal, daß hier wieder Kommentare unter den Geschichten stehen. Bei den früheren Geschichten war häufig schon am Montagabend eine zweistellige Anzahl Kommentare eingegangen, bei den Sommergeschichten hatte ich immer nur die Anzeige “0 Kommentare” gesehen. Jetzt sehe ich unter einige Geschichten doch Kommentare. Standen die tatsächlich schon in der Woche der Veröffentlichung der jeweiligen Geschichte dort, oder sind sie erst kürzlich freigeschaltet worden?

          Ich bin (bis noch gerade eben) davon ausgegangen, daß die Kommentarfunktion in diesem Blog kaputt ist. Denn es steht dort “Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht”. Es gibt aber nur die beiden Eingabefelder “Kommentar” und “Name”, kein Eingabefeld für eine E-Mail-Adresse.

          Aufgrund des Textes “Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht” bin ich davon ausgegangen, daß es eigentlich auch ein Eingabefeld für die E-Mail-Adresse geben müsste, dieses Eingabefeld aber (aufgrund irgendeines Fehler) im Browser nicht sichtbar ist. Daraus habe ich geschlossen, daß es nicht möglich ist, einen Kommentar abzuschicken. Denn man kann ja das Feld mit der E-Mail-Adresse nicht ausfüllen (da es nicht sichtbar ist), aber es wird ja offensichbar eine E-Mail-Adresse erwartet (welchen Sinn sollte sonst der Text “Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht” haben?). Da ich auch immer nur die Anzeige “0 Kommentare” gesehen habe, bin also davon ausgegangen, daß die Kommentarfunktion kaputt ist, und ich abwarten muß, bis irgendwann die Kommentarfunktion wieder repariert ist.

          Nun habe ich doch das Kommentarfeld ausgefüllt. Vielleicht habe ich ja Glück, und der Text “Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht” ist völlig ohne Bedeutung. Barrierefrei ist die Kommentarfunktion so jedenfalls nicht.

          • kirsten3 sagt:

            Danke für den Hinweis. Die Kommentarfunktion hat durchgehend funktioniert. Nach dem Umzug war sie allerdings nicht auf der Startseite sichtbar, sondern nur direkt auf der Seite der Geschichte. Das haben wir recht schnell behoben.
            Da wir keine Daten erheben ist es am Besten, erst gar keine zu haben. Daher haben wir von Anfang an die Angabe des Namens und der Mailadresse unterdrückt. Der Text mit der Mailadresse kam von der Vorlage, und die haben wir bis eben nicht weg bekommen. Nun ist sie weg. 🙂
            Es wurde aber nach der Möglichkeit gefragt, seinen Namen bzw. Pseudonym angeben zu können. Das wäre zwar schon die ganze Zeit direkt im Text möglich gewesen, aber deshalb haben wir den Namen als optionales Eingabefeld wieder aktiviert.
            Die Einführung der Podcastseiten und der gemeinsamen Darstellung auf einer Seite mit den neuen Geschichten hat dann die Kommentare an die Podcastseite gehängt – und schon waren sie nicht mehr auf der Startseite zu sehen. Auch das haben wir vor wenigen Tagen behoben und seitdem wird die Kommentarfunktion auch wieder reger genutzt.
            Auch wir lernen dazu und versuchen die Seite immer besser und Nutzerfreundlicher zu machen.

    • Anonymous sagt:

      Lieber Anonym 20:01.
      Ich möchte Sie wirklich nicht beleidigen, aber Sie haben diesen Blog nicht verstanden.
      Die Geschichten zeigen den Chaos, den wir in Deutschland zum Thema Inklusion haben. Wir befinden uns seit Jahren ZWISCHEN den Stühlen. Die beiden Kerstin wollen durch ihre Geschichten (Erfahrungen Eltern behinderter Kinder) nicht damit bewirken, dass wir uns Leser mit den grautönen(wie Sie sie nennen) zufrieden geben sollen.
      Inklusion ist kein Obstsalat, wo man sich das rausnehmen kann was man will. Inklusion soll kein entweder-oder(Grautöne) sein] . Inklusion ist ein Menschenrecht!
      Warum soll ich als Mutter eines behindertem Kindes Toleranz zeigen gegenüber Menschen die mein behindertes Kind nicht akzeptieren,? Warum darf ich diese Menschen nicht kritisieren? Warum soll ich ein Auge zudrücken?Warum soll ich mich mit Grautöne zufrieden geben? DIESE Geschichten hier im Blog zeigen uns dass wir zum Thema Inklusion noch sehr viel tun müssen…. , weil wir uns leider nicht mal auf der Startlinie befinden.
      Es heißt in den Medien immer wieder dass wir uns in Deutschland auf dem Weg zu Inklusion gemacht haben. Tja, wir haben uns in Deutschland auf dem Weg gemacht um zur Startlinie anzukommen. Wir sind von Inklusion,bzw Startlinie weit entfernt. Wären wir zur Zeit an der Startlinie dann würde die Finanzierung zumindest stehen. Aber, nicht Mal die ist leider gegeben

    • Cornelia sagt:

      Es gibt doch auch viele Menschen mit Behinderung, die ohne Begleitung nicht im öffentlichen Raum herumlaufen können. Insofern ist das Nachhaken des Polizisten vollkommen berechtigt. Es gehört zu seinen Aufgaben.
      Und es gibt auch Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen. Oder Kinder, die ausbüxen, auch behinderte schaffen das. Hat unser Kind auch schon gemacht. Kein Nachbar schien das bemerkt zu haben. Manche können gut laufen, haben aber keinen Sinn für Orientierung oder Gefahren.
      Da ist mir es lieber, jemand fragt einmal zuviel nach. Ich bedanke mich dann immer extra für die Aufmerksamkeit, auch wenn ich die Hilfe nicht in Anspruch nehme.

  2. Anonymous sagt:

    Ich finde es richtig, dass der Polizist vorsichtshalber nachfragt. Er kann den jungen Mann eben nicht einschätzen, gerade weil er ihn auch schlecht versteht. Natürlich wissen wir nicht, wie der Polizist am Telefon klang. Eher besorgt? Fragt er sicherheitshalber nach, ob alles seine Richtigkeit hat. Oder eher entsetzt „ So jemand kann man doch nicht alleine raus lassen. Ich persönlich vermute allerdings eher das Erstere und dann finde ich es ok. Wenn das 2. der Fall war, so konnte es es auch nicht besser wissen, weil er keine positiven Beispiele kennt und das würde mal wieder zeigen wie wichtig Inklusion ist. Auf jeden Fall hat der Polizist aber sicher mal wieder was dazugelernt.

  3. Anonymous sagt:

    Man müsse den Polizisten an die Hand nehmen und ihn in einer Klasse einer Förderschule mitten im Unterricht setzen, ihm ein Schulkonzept in die Hand drücken.
    In den Förderschulen werden an erster Stelle die Förderung der Alltagskompetenzen geübt. Die Kinder sollen selbständiger in ihre Handlungen werden.
    Was hat die Mutter falsch gemacht?
    Egal wie man handelt, man trifft immer auf einen der es besser weiß.
    Und übrigens, von welchen Betreuer redet denn dieser Polizist? Überall in Deutschland fehlt es an Betreuer und Pfleger und Schulbegleiter! Wenn ein Kind in der Schulzeit ein Schulbegleiter hat ist es ein King unter den vielen Bedürftigen!

  4. Anonymous sagt:

    Befremdlich ist das Bild des Illustrators zur Geschichte…..ein bedrohlicher knueppelschwingender Polizist …. … aber das soll wohl so sein.

  5. Anonymous sagt:

    Es gibt zur Situation zwei Sichtweisen. Die jahrelange Erfahrung der Eltern des Jungen und die reale Situation auf dem Polizeirevier, in der der Junge aus seiner Sicht in einer Notsituation war und das nicht formulieren konnte.

  6. Anonymous sagt:

    Welche Reaktion von Seiten der Polizisten auf die Situation wäre denn genehm gewesen?

    • Anonymous sagt:

      Vielleicht einfach den letzten Satz weglassen wäre angebracht gewesen.

      • Anonymous sagt:

        Nun ja, der letzte Satz. Wurden da real die Worte “Pfleger” und “Betreuer” gesagt oder war die Frage, ob es okay ist, dass die soeben im Polizeirevier eingetroffene Person mit einem unverständlichen Problem (welches auch die kontaktierten Eltern nicht aufklären konnten) ohne Hilfe unterwegs ist. Dass “der Junge” seit vielen Jahren problemlos unterwegs ist konnten die Polizisten nicht wissen.

    • Anonymous sagt:

      Man müsse den Polizisten fragen wie man einen Betreuer, Pfleger finanzieren soll? Bei meinem behindertem Kind im Rahmen der Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege wo die Krankenkasse die Kosten übernimmt, da ist das Geld im Nu weg.
      Die meisten Eltern behinderter Kinder hätten das Geld nicht für ein Bodyguard

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