Chancen

DER JUNGE möchte ein Ferienpraktikum machen.
Die Mutter hört sich um. Dann bekommt sie von Freunden einen Tipp:
Da gibt es einen sehr aufgeschlossenen Unternehmer, aufgeschlossen auch für das Thema Behinderung.
Sie bekommt dort auch sofort einen Vorbesprechungs-Termin.
Nachdem sie viel über den Jungen, sein Leben und seine Interessen erzählt hat, erzählt der Chef:
Davon, dass er einen erwachsenen Sohn hat. Einen Sohn mit Behinderung. Der auf einer Sonderschule war und jetzt in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist . Sehr glücklich sei er dort.
Und dann sagt er: „Dass er hier mitarbeiten könnte, das habe ich nie in Erwägung gezogen.“
„Naja, wenn das hier nicht klappt…“, sagt die Mutter.
„Nein, nein…“, unterbricht sie der Chef, „ich werde darüber nachdenken und mich melden.“
Nach ein paar Tagen ruft er die Mutter an:
„Ich habe es mir überlegt“, sagt er, „das geht nicht, dass ich hier Ihrem Sohn eine Chance gebe. Meinem eigenen Sohn habe ich diese Chance nie gegeben. Das wäre nicht gerecht!“
Und dann fügt er noch hinzu: „Ich wollte eigentlich für meinen Sohn auch immer etwas anderes. Aber inzwischen ist mir klar: Die Werkstatt ist genau das Richtige! Aber ich kann natürlich nur für meinen Sohn sprechen…“

Die Geschichte vorgelesen …

4 Kommentare

  1. Fan des Illustrators sagt:

    Brillante Illustration!
    Ein Unternehmer präsentiert sein Unternehmen gleich einer Festung: Unerreichbar, unnahbar.
    Man sieht förmlich, wie die Mutter entsetzt zusammenzuckt über das Gebaren des Unternehmers und die ausbleibende Solidarität.

  2. Anonym sagt:

    Ich habe mich manchmal auch gefragt,wie manche Eltern behinderter Kinder mit Förderschulen und Behindertenwerkstätten zufrieden sind. In vielen Sonderschulen dürfen sie nicht zur Bildung kommen und in Behindertenwerkstätten verdienen viele 1,65 Euro die Stunde

  3. Anonym sagt:

    Leider sind manchmal die größten Feinde von Eltern mit behinderten Kindern andere Eltern mit behinderten Kindern.
    Vielleicht hadert man insgeheim mit der Förderschule, mit der Werkstatt usw..
    Dann hat man sich damit zufrieden gegeben, schließlich ist ja das eigene Kind glücklich in der Förderschule oder Werkstatt.
    Aber wenn man selbst sich damit abfinden mußte, dann sollen sich andere gefälligst auch damit abfinden.
    Leider maßen sich dann auch andere Eltern ein Urteil darüber an, zu urteilen ob ein Kind für die Inklusion "geeignet" sei oder nicht.
    Was ja schon ein Widerspruch in sich ist.

  4. Anonym sagt:

    Solche Menschen wie der Mitarbeiter in der Geschichte kenne ich auch. Ich schnupperte letztes Jahr in einem Forum für Angehörige schwerstbehinderter Kinder. Als ich das Thema Inklusion ansprach und befürwortete ,da gingen welche Mütter auf mich los. Manche argumentierten ähnlich wie der Mitarbeiter oben in der Geschichte.Manche können es anderen nicht gönnen,und das nur weil ihre Kinder diese Chance nicht haben oder hatten Hinzu kommt es dass manche in Forum sich streiten wessen Kinder behinderter sind und welche nicht so schlimm betroffen sind.Es geht dann darum sich zu messen wen das Schicksal schlimmer getroffen hat.
    Die Administratorin schrieb mich zwei Tage später an,ich solle das Thema Inklusion im Forum nicht mehr erwähnen,da es in der Vergangenheit immer zur Unruhe kam.

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