Praktikum

DER JUNGE geht in die 8. Klasse einer Gemeinschaftsschule. In seiner Klasse sind noch drei weitere Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Nun stehen die ersten Praktika an. Dazu gibt es heute ein Elterngespräch mit der Mutter des Jungen.
„Sie hatten ja bereits im vergangenen Schuljahr gesagt“, beginnt die Sonderpädagogin, „dass Sie ein Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, das wir eigentlich vorgesehen hatten, ablehnen.“ Die Lehrerin verzieht ein wenig skeptisch das Gesicht: „Ihr Sohn, so hatte ich Sie verstanden, hat Interesse für Technik und soll sich auf dem ersten Arbeitsmarkt ausprobieren.“
Die Mutter nickt.
Die Sonderpädagogin fährt fort und lächelt stolz: „Ich habe jetzt die optimale Lösung für alle gefunden: Ich werde gemeinsam mit allen vier Schülern zwei Wochen lang hier im Stadtteil im Kinderhaus hospitieren!“
Die Mutter schaut sie entgeistert an. Dann widerspricht sie energisch: „Aber mein Sohn hat null Interesse an Kinderbetreuung oder Hauswirtschaft! Außerdem soll er in seinem Praktikum so selbständig wie möglich arbeiten! Wir werden ihm selbst etwas Passendes suchen.“
Die Lehrerin reagiert verschnupft: „Wenn Ihnen das, was ich anbiete, nicht gut genug ist, können Sie das natürlich tun. Aber ich verstehe Sie, ehrlich gesagt, überhaupt nicht: Das Kinderhaus ist doch eine Einrichtung des ersten Arbeitsmarktes. Und irgendwelche handwerklichen oder technischen Aufgaben hätte ich dort für ihn schon gefunden!“

Die Geschichte vorgelesen …

23 Kommentare

  1. Fan des Illustrators sagt:

    Eine sehr berührende Illustration einer durchaus realistischen Geschichte!

    Alle meinen es gut und geben sich Mühe, es recht zu machen.
    Leider wird der gesellschaftlich vorherrschende Blick auf "die Menschen mit Behinderung" als Gruppe,

    wie er auch im Teilhabegesetz mit dem Begriff "Poolen" manifestiert wird,

    hier verkörpert durch die Lehrerin,

    dem Individuum selten gerecht.

  2. Anonym sagt:

    Verständlich, aber trotzdem schade. Kurz ist ein gutes Stichwort. Ich habe wenig Lust endlos lange Kommentare zu lesen.

  3. Anonym sagt:

    (gekürzt)… Mich stören nicht nur die Wörter "hohe Rente",die sie im Zusammenhang mit einem Einkommen bezieht sondern auch das Wort VORTEIL.Wo bitteschön sehen Sie ein Vorteil darin? Die meisten Menschen mit Behinderungen sind im hohen Alter auf die finanzielle Hilfe vom Staat angewiesen und das nicht nur im Rentenalter sondern auch wenn sie in den jungen Jahren in Behindertenwerkstätten für 1,65 die Stunde arbeiten müsse.Selbst mit der"hohen Rente"sind sie immer noch auf die finanzielle Hilfe vom Staat angewiesen. Diese "hohe Rente" fließt eh in den Taschen der Behinderternwohnheime und NICHT in die der behinderten pflegebedürftigen Menschen!…(gekürzt)

  4. Anonym sagt:

    Schade, dass Sie den Kommentar von Anonym 20:02h nicht richtig gelesen haben. Ich finde den Kommentar sehr differenziert. Es ist von einer relativ hohen Rente die Rede (im Vergleich zum vorherigen "Einkommen" äh Taschengeld). Nirgends steht, dass Menschen mit Behinderung in Saus und Braus leben. Den verwendeten Begriff "armselig" in Zusammenhang mit dem Kommentar einer anderen Person, empfinde ich als wenig wertschätzend und vor allem unpassend von einer Person, die das Fehlverhalten anderer gerne anprangert.

  5. Anonym sagt:

    Mich verwundert an der Geschichte, dass die Praktikumsstellen von Seiten der Schule zugeteilt werden. Bei uns ist das so, unabhängig von der Schulart, dass sich die Kinder selbst (bzw. mit Hilfe der Eltern) einen Platz suchen. Und nur für die, die keinen Erfolg bei den eigenen Bemühungen haben, schlägt die Schule einige Firmen vor, mit denen es gute Erfahrungen gibt und stellt gegebenenfalls auch den Kontakt her. Es ist ja auch eine Vorbereitung für die spätere Bewerbung/Berufswahl.

  6. Anonym sagt:

    Lieber Anonym 20:02 ich gehöre im Gegenteil zu denen.die hier sehr oft über positive Erfahrungen,die ich bei meinem Kind zum Thema Inklusion gemacht habe. Sehr oft war ich die einzige. Warum kommen Sie den nicht mit Beispiele zur gelungener Inklusion.Würde Sie gerne lesen!Sie würden ebenfalls für eine positive Atmosphäre beitragen!

  7. Anonym sagt:

    Eine Freundin von mir hat eine behinderte Tochter,die gerne in einer Kindertagesstätte arbeiten würde. Sie wäre da gerne aufgenommen. Das Problem ist,dass Sie keine Fahrgelegenheit hat um dorthin anzukommen.Diese Unterstützung durch ein Fahrdienst würde Sie nur dann bekommen wenn sie sich für eine Behindertenwerkstatt entscheidet.Egal wo meine Freundin anruft und um Hilfe bittet,reagieren die meisten ähnlich wie die Lehrerin oben in der Geschichte,nämlich"verschnupft". Alle versuchen ihr einzureden, dass eine Behindertenwerkstatt besser für ihr Kind sei! Die Tochter ist deswegen ganz niedergeschlagen!

  8. Anonym sagt:

    Lieber Anonym 20:02 sie sind ähnlich wie die Lehrerin oben in der Geschichte. Die Lehrerin kann nicht nachvollziehen, dass Angehörige auch mal für ihr Kind bestimmen möchten, welchen Praktikumsplatz für ihr Kind das Beste ist und reagiert verschnupft.Sie können auch nicht mit Kritik an Lehrer umgehen!
    Ich kenne so viele Eltern in meinem Bekanntenkreis wo ihnen die Entscheidungsfreiheit weggenommen wird. Ich kann nur hoffen, dass die Mutter oben in der Geschichte es schafft sich durchzusetzen!
    Und übrigens, wenn die beiden Kerstin hier im Blog Geschichten schreiben über Lehrer,die sich daneben verhalten,weil sie die Behinderung der Kinder nicht verstehen(weil sie meist unqualifiziert sind), dann bedeutet es schon lange nicht, dass sie die Lehrer als Feinde betrachten. Lehrer sind keine Götter. Daher müssen Sie auch Kritik einstecken müssen,so wie jeder andere es auch in seinem Beruf tut!Wie soll man in seinem Beruf wachsen wenn man nicht kritikfähig ist?Die Lehrer meines Kindes in der Regelschule freuten sich immer über Kritik. Sie bestanden darauf kritisiert zu werden. Es ist eine Schule bei der Inklusion groß geschrieben wird.Eine Schule,Einrichtung kann nur dann zeitgemäß arbeiten,wenn sie auch kritikfähig ist. Nur so kann man Verbesserungen durchführen!
    Und zum Thema hohe Renten behinderter Menschen, die sie hier in ihrem Kommentar erwähnen ist einfach nur armselig.Möchte sie wirklich nicht kränken, aber befassen Sie sich bitte damit bevor sie solch ein Kommentar schreiben. Es hinterlässt bei vielen Unwissenden den Eindruck dass die behinderten Menschen im hohem Alter in Saus und Braus leben.Was leider nicht der Fall ist!

  9. kirstenzwei sagt:

    die Kirstens wollen gar nicht moderieren. Dies soll aber kein Forum für allgemeine Diskussionen werden! Deshalb wieder einmal an Alle: wir freuen uns über eure Kommentare, aber bitte schreibt direkt zu den Geschichten, zu euren eigenen Erfahrungen mit dem Thema…und schreibt kurz!

  10. Anonym sagt:

    Ich kann nirgendwo lesen, dass irgendeine Person irgendeiner anderen Person Vorschriften macht, was sie schreiben darf oder nicht. Eigentlich hat anonym 19:51h lediglich um gegenseitige Anerkennung geworben, mehr nicht. Vielleicht kann ich ja auch nicht richtig lesen. Aber jetzt driftet die Diskussion schon wieder ab. Eigentlich findet hier auch keine Diskussion statt. Die Lehrer*innen werden kritisiert, starr, respektlos und überheblich zu sein. Leider empfinde ich hier viele Kommentare genauso. Es wirkt so als würde es nur darum gehen hier mal Dampf abzulassen. Vielleicht könnten die "Kirstens" stärker moderieren?

  11. Anonym sagt:

    Ich möchte mir der Meinung von Anonym 20.05.2019, 19:51:00 anschließen, dass es hilfreich wäre, wenn man "die Lehrer", "die Werkstatt" etc. nicht nur als Feindbilder betrachtet.
    Die Mutter in der Geschichte hat Recht und richtig reagiert, indem sie sagt, dass sie dann selbst einen Platz suchen werden.
    Auch die negativen Erfahrungen der Kommentatoren möchte ich nicht in Frage stellen. Aber daraus abzuleiten, dass alle faul, inkompetent etc sind, finde ich überzogen und auch nicht zielführend.
    Und oft hilft es, wenn man versucht, sich auch in die anderen und deren Situation hineinzuversetzen und dann das Gespräch sucht und versucht, Lösungen aufzuzeigen.
    Ich mache auch ständig die Erfahrung, dass es an vielen Stellen hakt, wir uns ständig kümmern müssen, damit es läuft, was viel Kraft kostet. Aber dann mache ich auch viele durchaus positive Erfahrungen, Menschen lernen dazu, ändern ihre Standpunkte, dass Inklusion nicht funktionieren kann.
    Es muss sich vieles noch verbessern, aber man kann auch selbst dazu beitragen – und wenn man immer nur das Schlecht sieht, wird man selbst pessimitisch, negativ und zynisch.
    Ich mag diesen Blog sehr gerne und finde es wichtig, die Geschichten zu teilen. Aber die Kommentare sind oft sehr verallgemeinernd negativ – und positive Geschichten werden kaum kommentiert. Das finde ich schade. (Jeder darf natürlich schreiben, was ihm widerfahren ist, aber das sind nicht alle Lehrer, alle Werkstätten. Und ständig wird der niedrige Lohn der Werkstatt erwähnt (zurecht), aber keiner schreibt, dass die Werkstattz.B. den Vorteil bietet, nach relativ kurzer Zeit eine relativ hohe Rente zu bekommen – es werden immer nur die negativen Seiten aufgezählt). Für manche Menschen passt die Werkstatt gar nicht, für andere aber sehr gut – das gleiche gilt für Regel- und Sonderschulen. Beiden Gruppen muss man gerecht werden.

  12. Anonym sagt:

    Überdurchschnittlich viele hochqualifizierte Menschen mit Behinderung sind ohne Arbeit. Wir haben fast Vollbeschäftigung. Wo liegt denn Ihrer Ansicht nach die Ursache, dass diese Menschen keine Arbeit haben, obwohl sie welche suchen?
    Den letzten Absatz Ihres Kommentars möchte ich aber nur mehrfach unterstreichen. Wobei man ja auch nicht weiß, welche Kommentare aufgrund von Despektierlichkeit nicht veröffentlicht werden.

  13. Anonym sagt:

    Lieber Anonym 20:05, 19:51:00, ich bin Mutter eines behindertem Kindes, möchte sie nicht beleidigen, aber Sie verhalten sich ähnlich wie die Lehrerin oben in der Geschichte. Sie "schreiben uns vor",uns Erwachsenen was wir hier im Blog schreiben sollen?Warum soll ich über Schülerpraktika was positives schreiben, wenn ich keine gute Erfahrung diesbezüglich bei meinem Kind gemacht habe?
    Ich bin als Kind in einer schlimmen kommunistischen Diktatur aufgewachsen. Natürlich habe ich als Kind das nicht so schlimm empfunden wie die Erwachsenen es damals empfunden haben.Eine Diktatur bleibt aber eine Diktatur!In einer Diktatur arbeiten viele Menschen für einen Hungerlohn,viele müssen sogar hungern! In Behindertenwerkstätten arbeiten viele für 1,65 die Stunde!Sollte man so was schön reden, wenn Menschen keine Rechte haben? Ähnlich erleben es auch viele Eltern behinderter Kinder. Haben diese Eltern ein Recht ihr Kind auf die Schule ihrer Wahl zu schicken? Die meisten NICHT! Ähnlich wie oben in der Geschichte, werden viele Eltern bevormundet und behinderte Menschen ebenso!Die Geschichte oben berichtet über NIXKLUSION. Daher auch die Kommentare über NIXKLUSION!Lesen Sie sich bitte die Überschrift des Blogs nochmal durch!

  14. Anonym sagt:

    Lieber Anonym 19:51, warum sollen Eltern hier im Blog nicht die inkompetenten Lehrer kritisieren? Wenn Eltern behinderter Kinder ihre behinderte Kinder auf Regelschulen schicken wollen, dann lehnen viele Schulen dies ab,mit der Begründung seitens der Schulleitung, dass sie unqualifiziertes(inkompetentes) Personal haben(das heißt Lehrer die nicht die nötigen Fortbildungen besucht haben, um diese Kinder zu verstehen). Wenn aber Eltern behinderter Kinder in Sonderschulen den Anspruch haben, dass ihre Kinder auch zur Bildung kommen dürfen(das heißt nach den Lehrpläne der Regelschule mit Arbeitshefte und Schulbücher zu arbeiten, dann heißt es so oft von den Leitungen der Sonderschulen, dass sie dies nicht schaffen, weil sie nicht das nötige qualifizierte Personal haben um dies den Kinder zu ermöglichen!
    Wenn wir als Eltern behinderter Kinder dieses System(was die Lehrer auch beinhaltet) kritisieren, weil unsere Kinder nicht zur Bildung zugelassen werden,oder als Eltern wie so oft bevormundet werden, dann ist es nie richtig. Wie ist es den Ihrer Meinung nach richtig? Sollen wir alle die rosarote Brille aufsetzen und so tun als ob es keine Probleme gibt?Sollen wir alles schön ausmalen? Ich nehme an Sie gehören bestimmt zu den Menschen, die wie selbstverständlich es sehen, von einem Arzt(am besten Professor) untersucht und operiert zu werden,der die höchste Qualifikation hat und nicht von einer Krankenschwester!Für sich selbst möchten Sie vermutlich nur das BESTE!Würden Sie sich Ihre Augen von einer Krankenschwester operieren lassen?Warum sollten Eltern behinderter Kinder gefallen lassen von schlecht qualifizierten Personal vorschreiben zu lassen? Warum soll sich eine Mutter, wie die Mutter oben in der Geschichte sich gefallen lassen,bevormundet zu werden?Diese Geschichte oben ist aus DER SICHT DER MUTTER geschrieben und nicht der Lehrerin.Die Lehrerin hätte bestimmt die Geschichte anders geschrieben.Sie hätte vermutlich die Mutter als stur und hartnäckig,als"Beratungsresistent" bezeichnet!
    Diese Geschichten und die Erfahrungen der Eltern mit solchen inkompetenten Lehrer oder Mitarbeiter einer Behindertenwerkstatt stehen BILDLICH gesehen für das Versagen des Schulsystems in Deutschland, was übrigens auch von Lehrer in deren Forum kritisiert wird.

  15. Anonym sagt:

    Mich macht die Geschichte betroffen. – Schade, dass die Lehrerin nicht wenigstens den Versuch unternimmt, im Gespräch mit dem JUNGEN und den Eltern einen wunschgemässen und angemessenen Praktikumsplatz zu finden. Diese Erfahrung wäre wohl für die weitere Entwicklung aller Beteiligter nur hilfreich, … auch wenn das nicht ganz einfach sein dürfte.
    Ebenso machen mich auch die Kommentare betroffen, die sich in ähnlicher Weise oft wiederholen: Hier die bösen oder gar zynischen Sonderpädagog*innen/Lehrpersonen bzw. die untauglichen Mitarbeitenden der Behindertenwerkstätte („keine Ahnung von Autismus“, sie „trampeln über die Interessen des Menschen hinweg“), dort die voreingenommenen Eltern („ihr Urteil finde ich (…) etwas vorschnell“, „die Haltung in den Kommentaren ist mir zu einfach“). – Eine Person sieht das Problem weder bei den Lehrkräften noch bei den Eltern, „der Arbeitsmarkt sei behindertenfeindlich“.
    Wie hilfreich wäre es, wenn die Kommentator*innen sich nicht gegenseitig die Erfahrung und die Kompetenz absprechen würden. Oft wären gute Erfahrungen hilfreich, manchmal gegenseitige Anerkennung. – Inklusion bedeutet ja nicht nur den Einbezug von Menschen mit einer Behinderung, sondern die Wertschätzung der Verschiedenheit aller Menschen und die gegenseitige Anerkennung in Einrichtungen, Familien und im staatlichen Strukturen.

  16. dergl sagt:

    Da haben Sie zu einem Teil recht, Anonym 20.05.2019 16:38:00, nämlich zu dem Teil der das Freikaufen der Unternehmen und das Nichtunterstütztwerden der kleinen Betriebe betrifft. Ich kenne das aus eigener Erfahrung als körperbehinderte Arbeitnehmerin mit Assistenzbedarf.

    Allerdings geht es in der Geschichte um Praktika für Schüler*innen und im Jahr 2019, zehn Jahre nach Inkraftreten der UN-BRK, sollte auch einer Sonderpädagogin klar sein, dass Schülerpraktika auf dem ersten Markt auch genau da stattfinden sollten und zu denselben Bedingungen wie für die noch nicht behinderten Schüler*innen.

    Die Sonderpädagogin wie beschrieben macht den Eindruck, sie wolle sich gar nicht bemühen, die Schüler*innen in Betriebe zu bringen, weil die Optionen Werkstatt oder zumindest alle betroffenen Schüler*innen zusammen an einem Ort zu haben für sie persönlich entspannter wäre. Entspannter als beispielsweise jeden Tagen eine(n) andere(n) im jeweiligen Betrieb zu begleiten. Vielleicht benötigen auch nicht alle Jugendlichen die ganze Zeit Hilfe nachdem sie eine Einführung in das jeweilige Arbeitsfeld bekommen haben, das ist anhand der Geschichte nicht ersichtlich.

    Es sollte, sofern es sich nicht um eine Quereinsteigerin ohne Erfahrung handelt, nicht allzu schwer sein die Schüler*innen dabei zu unterstützen Praktikumsplätze in Berufsfeldern zu suchen und vielleicht auch zu finden, die sie interessieren – es geht um zwei Wochen und nicht um mehrere Monate, also einen Zeitraum von real gesehen zehn Tagen.

    Wenn die Sonderpädagogin nicht völlig planlos und unerfahren ist, wird sie zum Beispiel wissen, dass es etwas wie Integrationsfachdienste gibt und manche davon gut arbeiten und gut vernetzt sind. Die könnte man kontaktieren und fragen ob die passende Betriebe, die den Wünschen der Schüler*innen entsprechen kennen oder in ihren Datenbanken haben. Diese Adressen widerum könnte man abkontaktieren ob jemand zwei Wochen lang ein(e) Praktikant*in nehmen würde. Das wäre eher die Aufgabe einer Sonderpädagogin als nach der für sie selbst am leichtesten erscheinenden Lösung zu suchen und danach sieht das in der Geschichte beschriebene Verhalten eben aus.

    Es ist machbar. Ich war mal als Schulbegleterin tätig, ich bin keine Sonderpädagogin, sondern Bibliothekarin. Ich hatte mehrfachbehinderte Schülerinnen und die eine innerhalb von drei Tagen bei einem Zoo (sie wollte Tierpflegerin werden) und die andere in einer Schreinerei (sie mochte Holzarbeiten) unter Praktikumsvertrag, weil zehn Tage nicht die Welt sind. Beides lief gut. Es gab auch einen Jungen in der Klasse, der zwei Wochen in der Altenpflege mitgelaufen ist, weil ihn das Feld interessiert hat.

    Mir kann also kein(e) Sonderpädago*gin erzählen, es wäre für eine Fachkraft absolut unmachbar Stellen nach Neigung der Jugendlichen zu finden. Auch wenn sicher nicht immer der Traumpraktikumsplatz oder absolute Wunschbereich herauskommt, das bekommen Schüler*innen ohne Behinderung aber auch nicht immer. Klar kann auch der Fall eintreten, dass man nichts findet, aber das weiß man nicht wenn man es nicht versucht.

    Dass es hinterher auf dem Arbeitsmarkt anders aussieht sollte man zwar im Kopf behalten, ist aber in der 8. Klasse noch nicht das worauf man sich konzentrieren sollte.

    Liebe Kirstens, lieber Illustrator, ich hoffe, die Familie des Jungen hat etwas gefunden.

  17. Anonym sagt:

    Eher unwahrscheinlich, dass es in einem Kinderhaus einen Hausmeister gibt. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Sondern darum, dass es gerade unter den „Experten“ noch so einige gibt, die sich vom reinen Fürsorgedenken noch keinen Millimeter weg bewegt haben.

  18. Anonym sagt:

    Mein Kind hat während der Schulzeit auch zwei Schulerpraktika gemacht.Die Behindertenwerkstätten wurden ihm empfohlen.Auch da gab es Voraussetzungen. Einfach so wurde er nicht aufgenommen. Nicht Mal die Behindertenwerkstätten akzeptieren die behinderten Menschen so wie sie sind. Der Schulbegleiter sollte dabei sein.Die nächste Voraussetzung in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten wäre es fähig zu sein leistungsorientiert zu arbeiten.Eine Eingewöhnungsphase wurde nicht berücksichtigt.Schlimmer noch ,als ich als Mutter feststellen musste,dass die zuständigen Mitarbeiter keine Ahnung von Autismus hatten und ich in Sorge um mein Kind war und ich vor der Einrichtung am ersten Tag die erste halbe Std verweilen wollte um abzuwarten wie es mein Kind geht, da wurde ich von einer Mitarbeiterin der Behindertenwerkstätten angemacht. Sie drohte mir mit dem Finger,dass ich mich ja nicht in die Einrichtung begeben soll,auch nicht vor der Einrichtung warten soll,auch nicht bei der nächsten UBahn Haltestelle sondern 100 km weiter wäre mein Platz. Da mein Kind vor ihr Angst hatte,rannte er schon am ersten Tag aus der Einrichtung raus. Sie rannte ihm hinterher,packte ihn an den Arm und mein Sohn trat ihr dann kräftig ins Schienbein. Das war dann auch mit der Behindertenwerkstatt. Mein Sohn zeigte sich nie wieder dort.
    Das zweite Schülerpraktikum in einer Behinderteneinrichtung(Gärtnerei) verlief auch nicht besser. Mein Kind trägt Gehörschutz weil es Wahrnehmungsprobleme hat und extrem Geräuschempfindlich ist. Die Mitarbeiterin dieser Einrichtung konnte dies nicht nachvollziehen. Auch hier wurde ich nicht besser behandelt!Noch so eine Mitarbeiterin, die keine Ahnung von Autismus hatte,aber mit behinderten Menschen arbeitete!
    Ich habe so oft bei meinem Kind feststellen müssen dass Menschen die nicht mit behinderten Menschen arbeiten,viel toleranter sind,viel mehr Interesse zeigten um behinderte Menschen zu verstehen. Ich kann nur jedem raten alles mögliche zu tun um die Kinder aus solchen Behindertenwerkstätten rauszuholen in denen veraltete Strukturen herrschen (Ebenso wie in Sonderschulen!)

  19. Anonym sagt:

    Wo sagt die Lehrerin das? Selbst in meinem kleinen Einpersonenhaushalt gibt es jede Menge Handwerkliches zu erledigen. Garantiert gibt es dort einen Hausmeister. Ich kenne weder die Eltern, noch die Lehrerin noch den Jungen. Ihr Urteil finde ich, gelinde gesagt, etwas vorschnell.

  20. Anonym sagt:

    Allerdings sind weder Lehrkräfte noch Eltern verantwortlich für den behindertenfeindlichen Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Haltung, die hier in den Kommentaren vertreten wird, ist mir zu einfach. Kleine Handwerksbetriebe, die Praktikant*innen mit Behinderung beschäftigen, werden in keinster Weise unterstützt. Große Unternehmen kaufen sich frei. DAS sind meiner Meinung nach die Probleme.

  21. dergl sagt:

    Liebe Kirstens, lieber Illustrator, wie so oft bei den Geschichten möchte ich einfach nur schreien.

    "Aber ich verstehe Sie, ehrlich gesagt, überhaupt nicht: Das Kinderhaus ist doch eine Einrichtung des ersten Arbeitsmarktes."

    SO typisch.

    Ja klar, die Heißmangel, die Müllabfuhr oder die Nähstube wären auch Einrichtungen des ersten Arbeitsmarktes [und klassische Praktikumsbetriebe in Berufsfindungsmaßnahmen und "Berufsvorbereitungslehrgängen", egal ob die Person Interesse oder Neigung dafür hat ]… Mann, Mann, Mann.

  22. Anonym sagt:

    "Und ich als Lehrerin habe mich doch sohoho bemüht…"

    Nur halt nicht im Sinne des Schülers und schon gar nicht auf Augenhöhe.

    Mal eben über die Interessen eines Menschen hinweg trampeln und dann noch beleidigt sein.
    Bei manchen Lehrkräften bleibt mir echt nur noch der Mund offen stehen.

    LG Anita
    (https://twitter.com/AnitaWorks9698)

  23. Anonym sagt:

    Das Bild illustriert es wieder mal perfekt. Riesengroßes Kompliment!

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