Kolleginnen

DAS MÄDCHEN ist in einer ganz normalen Grundschulklasse.
Die Klassenlehrerin gibt sich große Mühe. Sie hat viele kleine extra Aufgabenheftchen für das Mädchen vorbereitet.
Immer, wenn die Sonderpädagogin in die Klasse kommt, arbeitet das Mädchen daran.
Die anderen lesen vor, hören zu, sprechen Englisch oder arbeiten an der Sachunterrichtswerkstatt.
Das Mädchen beschäftigt sich währenddessen mit seinen Heften. Oder auch nicht. Es wird immer unwilliger.
Die Klassenlehrerin ist frustriert.
„Lass es doch einfach mitmachen“, schlägt die Sonderpädagogin vor.
„Ich schaffe es aber nicht, alle Arbeitsblätter zu differenzieren“, seufzt die Klassenlehrerin.
„Das ist auch gar nicht nötig“, „erklärt die Kollegin, „oft reichen auch nur kleine Hilfen. Das Mädchen wird andere Ergebnisse liefern als die anderen. Das ist doch aber in Ordnung.“
Die beiden Lehrerinnen verständigen sich, dass jetzt erst einmal im Mittelpunkt steht, dass das Mädchen wirklich überall mitmacht. Und die Klassenlehrerin versucht es.
Als die Sonderpädagogin das nächste Mal kommt, zeigt ihr die Lehrerin mit Tränen in den Augen eine Geschichte, die das Mädchen geschrieben hat.
Und sie berichtet strahlend, dass es sich gemeldet und vor der Klasse etwas vorgelesen hat. An der Wand hängt ein Plakat aus dem Sachunterricht, zu dem auch das Mädchen etwas beigetragen hat.
Die Sonderpädagogin freut sich und ermutigt ihre Kollegin: „Weiter, so!“
„Mach ich!“, sagt diese und fügt hinzu: „Weißt du, wenn ich ehrlich bin: So schwer war das alles nicht!“

Die Geschichte vorgelesen …

4 Kommentare

  1. Fan des Illustrators sagt:

    Sehr anmutig stellt der Illustrator den Lernprozess in einer Inklusionsklasse dar.

    Hier gelingt Inklusion vorbildlich, weil…

    … die Klassenlehrerin sich für a l l e Schüler verantwortlich fühlt;

    … die Sonderpädagogin die Klassenlehrerin berät -statt das Mädchen selbst anzuleiten- und dadurch eine Sonderstellung des Mädchens gegenüber den Mitschülern vermeidet;

    … die Klassenlehrerin den Rat der Sonderpädagogin beherzigt und dadurch erkennt, dass es für das Mädchen genau wie für alle anderen Schüler wichtig und motivierend ist, zu erfahren, dass es zur Klassengemeinschaft gehört und es auch etwas zum Unterricht beitragen kann.

  2. Anonym sagt:

    Es geht, wenn behinderte Kinder Lehrer haben,die motiviert sind und die kleinen Fortschritte der Kinder auch schätzen. Die Sonderlehrerin in der Geschichte hat verstanden was Inklusion bedeutet.Jedes Kind tut das was es kann und in seinem eigenem Rhythmus und Potenzial. Wichtig ist behinderte Kinder teilhaben zu lassen um selber herauszufinden was sie können.Wenn Sonderpädagogen und Fachlehrer,Klassenkehrer Hand in Hand arbeiten,dann kann es funktionieren.
    Bin glucklich,dass mein behindertes Kind in der Schulzeit in der Regelschule ähnlich tolerante und motivierte Lehrer hatte.

  3. Anonym sagt:

    Super! Es geht eben doch!

  4. Anonym sagt:

    Mein Kind ist noch ganz klein, trotzdem bereitet mir die Schule schon jetzt große Sorgen.
    Aber heute nicht! Besonders herzlichen Dank für diese Geschichte. #mademyday

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