Was ich nicht leiden kann

DER JUNGE ist noch ein Baby.
Lange war er im Krankenhaus. Als er nach Hause darf, beantragen die Eltern einen Pflegegrad.
Nun kommt der Gutachter zu ihnen nach Hause.
Nach einer kurzen Begrüßung sagt er: „Nur wegen des Down-Syndroms gibt es bei mir übrigens keinen Pflegegrad, das sollten Sie schon mal wissen!“
Die Eltern schauen sich irritiert an.
Dann sagt die Mutter: „Na ja, wir müssen ihn ja auch sehr aufwändig mit abgepumpter Muttermilch füttern, haben täglich Physiotherapie und müssen oft dreimal die Woche zum Kinderarzt. Denn er bekommt ja auch immer wieder noch Sauerstoff…“
„Ja, das können Sie mir gleich alles noch mal genau schildern“, unterbricht der Gutachter ungeduldig, „aber was ich gar nicht leiden kann, sind Eltern, die versuchen, möglichst viel aus ihrem kranken Kind herauszuschlagen!“

Die Geschichte vorgelesen …

6 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    Es passiert leider so was sehr oft. Angehörige werden erniedrigt. Ähnlich geht es zu auch bei den Angehörigen, die ihre Eltern pflegen.
    Ich habe ein Kind das schwerstbehindert ist. Wenn jmd so wie die Dame in der Geschichte auf mich lOs geht, dann frage ich diese Person, ob sie von mir erwartet, dass ich mich schämen soll dass mein Kind behindert IST.
    In 40 Jahren wird jeder zweite in Deutschland pflegebedürftig sein und ein Behindertenausweis mit sich tragen. Deutschland altert, Europa altert. Die meisten in Deutschland haben nur ein Kind. Dieses EINE Kind muss die Rente und Pflege BEIDER Eltern finanziell durch Steuern zahlen aufkommen. Keine Konsumgesellschaft, kein Wohlstand!
    WENN ANGEHÖRIGE PFLEGEBEDÜRFTIGER MENSCHEN IN DEUTSCHLAND IHRE KINDER ODER ELTERN ZUHAUSE NICHT PFLEGEN WÜRDEN, DANN KÖNNTE SICH DEUTSCHLAND DIES FINANZIELL DURCH STATIONÄRE PFLEGE GAR NICHT LEISTEN.
    ANGEHÖRIGE DIE ZUHAUSE PFLEGEN STÜTZEN DAS PFLEGESYSTEM, SONST WÄRE DIES FINANZIELL NICHT ZU BEWÄLTIGEN…
    PFLEGER FEHLEN OBENDRAUF AUCH NOCH DAZU.

  2. Graugrüngelb sagt:

    Zauberhaft.
    Wir haben in den letzten 14 Jahren gute und schreckliche Begutachtungen erlebt. Am schlimmsten war eine Gutachterin, die behauptete, wir hätten unserer Tochter doch etwas gegeben(!), denn es könne ja sonst gar nicht sein, dass es ihr so schlecht ginge. Wir waren leider zu perplex und gingen zu sehr auf dem Zahnfleisch, um nachhaltig etwas gegen diese Frau zu unternehmen – wir würden sie aber nie wieder ins Haus lassen.
    Sehr traurig, dass Pflegegrad und auch SBA GdB und Merkzeichen oft Glückssache sind und von der begutachtenden Person abhängen.

  3. Wolf-Dietrich Trenner sagt:

    Den hätte Ich rausgeschmissen. Und dann Beschwerde mit Zitaten an den leitenden Arzt des zuständigen MDK.

    • Graugrüngelb sagt:

      Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, uns zu beschweren. Letztlich haben wir es nicht gemacht – aus einem ganz einfachen Grund: Hätten wir uns beschwert, hätte die Begutachtung erneut stattfinden müssen, was bedeutet: Wieder wochenlang auf einen (nie wirklich passenden) Termin warten, Kind aus Kindergarten oder Schule abmelden und ein weiterer Urlaubstag für mich und meinen Mann (wir sind beide berufstätig und beide Pflegepersonen, sollten und wollten also dabei sein – auch damit sich einer ums Kind kümmern kann, während der/die andere mit der Gutachterin spricht.) Und wieder das Kind “vorführen” und mit wildfremden Menschen in seiner Gegenwart nur über die Defizite sprechen.

      Wir haben nach dem Lesen des Gutachtens beschlossen, uns nicht zu beschweren, da das Gutachten weitgehend korrekt war (kleinere Sachen sind immer). Allerdings steht der Name der Gutachterin auf unserer persönlichen schwarzen Liste und falls der MDK sie nochmals schicken wollte, würde ich das (dann auch mit Begründung) ablehnen.

  4. Anonymous sagt:

    Es bricht mir das Herz, wenn ich so was lese.
    Ich habe eine Freundin, die drei autistische Kinder hat. Bei ihren Kinder wurde vor ein paar Jahren den Pflegegrad(damals Pflegestufe) aberkannt.
    Ich habe sie unterstützt und hat für ihre Kinder wieder ein Pflegegrad.
    Viele Eltern wissen nicht, dass es ihnen zusteht, solche freche, unqualifizierte Mitarbeiter vom Medizinischen Dienst aus der Tür rauszuschmeissen. Sie dürfen Beschwerde einreichen.
    Ein Pflegegrad steht allen Eltern zu, die ihr Kind pflegen. Dieser Pflegegrad sichert auch die Grundrente denjenigen die unermüdet ihre Angehörige pflegen. Sollen wir irgendwann im Alter nach Pfandflaschen in Mülltonnen suchen um zu überleben?

  5. Juliane sagt:

    Na, das ist ja ein ganz sensibler! Aber das wird ja auch immer schlimmer, schaffen sich die Leute ein behindertes Kind an und wollen sich dann noch an der Pflegestufe bereichern! *Ironie off*

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