Rücksicht

Die Mutter DES JUNGEN geht zum Einkaufen. Vor der Bäckerei stehen zwei Mütter, die sie vom Sehen her kennt und unterhalten sich.
„In die Klasse meines Sohnes kommt jetzt auch einer im Rollstuhl“, sagt die eine, „so einer, der immer zuckt, nicht deutlich spricht, dafür aber jede Menge sabbert…“
„Ach, je“, sagt die andere, „und den konnte das Gymnasium nicht ablehnen?“
„Ne“, sagt die erste, „weil der doch klug ist, angeblich.“
Die Mutter des Jungen rollt mit den Augen und geht schnell rein, um ein Brot zu kaufen.
Als sie wieder rauskommt, stehen die beiden immer noch da.
„…und immer Rücksicht nehmen: Bei jedem Ausflug, bei den Planungen für die Klassenreisen! Da ist doch der Streit schon vorprogrammiert!“, sagt die eine gerade.
„Und weißt du, was ich am Schlimmsten finde“, ergänzt die andere, „dass unseren Kindern damit die Leichtigkeit der Schulzeit genommen wird!“

Die Geschichte vorgelesen …

4 Kommentare

  1. anonym sagt:

    Wen interessiert schon das niveaulose Geschwätz vor dem Bäcker? Wichtig ist doch der Junge im Rollstuhl, die Klassen- und Schulgemeinschaft und die Lehrerinnen und Lehrer die es schaffen, jeden Schüler auf seinem Entwicklungsniveau zu fördern. Zielgleicher Unterricht ist möglich und erleichtert den Schulalltag.

  2. Moma sagt:

    Ach je… Die armen Kinder dieser zwei Mütter kriegen zu Hause ein so furchtbar enges Weltbild vermittelt. Da müssen die anderen in der Schule dann auch ziemlich Rücksicht nehmen, dass nicht alle Kinder förderliche Bedingungen zu Hause haben. Naja zumindest in der Schule können sie dann was über Diversität und Menschenrechte lernen. Das bringt ihnen dann vielleicht auch etwas Leichtigkeit im Alltag und im Umgang mit sich selbst und Anderen.

  3. A. sagt:

    Von welcher Leichtigkeit der Schulzeit sprechen die?? Von der Leichtigkeit, die durch Noten, Leistungsdruck und Wettbewerb, die gemeinhin unser Schulsystem bestimmen, gefördert wird?

  4. Anonymous sagt:

    Da kann man nur hoffen, dass in der nächsten Generation dank dieser gemischten Klasse Inklusion selbstverständlich wird.
    Meine beiden Kinder würde ich gerne in einer solchen Klasse haben und ich bin mir fast sicher, dass die Kinder mit Klassenreisen u.ä. kreative Lösungen finden. Die Barrieren sind doch vor allem in den Erwachsenenköpfen…

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