Unzumutbar

Die Mutter DES JUNGEN begleitet oft andere Eltern zu Terminen bei Ämtern.
Zurzeit kümmert sie sich um eine Familie, die nicht gut deutsch spricht, und ein Kind mit Behinderung hat.
Beim vorigen Treffen beim Schulamt wurde sie von einer Dolmetscherin unterstützt. Das hatte gut geklappt.
Nun soll wieder ein Treffen dort stattfinden. Also ruft die Mutter wieder bei der Vermittlungsstelle für Dolmetscher an. Sie bittet um die gleiche Dolmetscherin wie beim letzten Mal.
„Nein, das geht nicht!“, sagt die Dame am Telefon sehr bestimmt, „das kann ich unserer Dolmetscherin nicht zumuten!“
„Warum denn nicht?“, fragt die Mutter, „das letzte Mal war das für sie mit der Ehrenamtspauschale doch ganz ok.“
„Darum geht es nicht“, antwortet die Dame aus der Vermittlungsstelle, „die Familie hat doch ein behindertes Kind, oder? Und unsere Dolmetscherin ist inzwischen selbst hoch schwanger! Ich sagte doch schon: Unzumutbar!“

Die Geschichte vorgelesen …

Ein Rat

Die Mutter DES MÄDCHENS trifft eine Bekannte.
Nach der Begrüßung sagt diese:
„Gut, dass ich Dich treffe, ich wollte Dich schon anrufen. Und um einen Rat fragen. Ich bekomme nächsten Monat eine Mitarbeiterin mit Behinderung. Und ich will ja nichts falsch machen!“
Die Mutter ist verwirrt. „Wie jetzt? Was meinst Du mit ‚Rat‘? Ich kenne Deine neue Mitarbeiterin doch gar nicht.“
„Naja“, antwortet die Bekannte, „die ist natürlich etwas anders als Deine Tochter, aber Vieles ist doch bestimmt ähnlich bei den Behinderten, oder?“

Die Geschichte vorgelesen …

Träum weiter

DIE MUTTER des Jungen hat in einer Online-Zeitung über die Träume ihres Sohnes mit Behinderung geschrieben. Und dass Martin Luther King mit seinem berühmten Satz „I have a dream!“ sein großes Vorbild ist.
Nun sammeln sich die Kommentare unter dem Artikel:
„Träume sind Schäume“, schreibt einer.
„I have a dream – hat ihm ja nicht viel genützt. Erschossen haben sie ihn“, schreibt ein weiterer Leser.
Und eine Leserin kommentiert:
„Einen Sinn für die Realität sollte man den Behinderten beibringen, und nicht, ihnen irgendwelche Flausen in den Kopf setzen!“
Die Mutter liest einer Bekannten die Kommentare vor. Auch sie hat ein Kind mit Behinderung. „Schrecklich, was da alles steht“, sagt diese.
Und dann fügt sie hinzu: „Wenn ich das so alles lese, bin ich ja richtig froh, dass mein Sohn keine Träume hat. Dazu ist er einfach zu behindert!“

Die Geschichte vorgelesen …

Gesucht: Die Geschichte des Jahres

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